Naturprodukt Fell: Die Fellwechsel GmbH verwertet wieder Bälger

Osterode  Die Jägerschaft Osterode unterstützt das Projekt Fellwechsel des Jagdverbandes. Beim Thema Pelz scheiden sich die Geister.

Ein Fuchs läuft über eine Wiese. Deutschlandweit werden jährlich rund 500.000 Rotfüchse erlegt. Das zentrale Anliegen des Fellwechselprojektes sei die sinnvolle Verwertung der bei der Niederwildhege ohnehin anfallenden Bälge.

Ein Fuchs läuft über eine Wiese. Deutschlandweit werden jährlich rund 500.000 Rotfüchse erlegt. Das zentrale Anliegen des Fellwechselprojektes sei die sinnvolle Verwertung der bei der Niederwildhege ohnehin anfallenden Bälge.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Pelz, oder nicht Pelz? Nach wie vor scheiden sich da die Geister, und die Positionen liegen zu weit auseinander, um je überein zu kommen: "Nach dem Krieg waren die Bälger von Prädatoren heiß begehrt", berichtet Dr. Karl Schumann, Vorsitzender der Jägerschaft Osterode. Die Jäger kontrollierten gleich frühmorgens ihre Fallen, denn mit den Fellen von Fuchs und Marder ließ sich damals gutes Geld machen. Doch schon in den 1960er Jahren waren Proteste laut geworden, nachdem die ersten Bilder von der kommerziellen und grausamen Robbenjagd im Fernsehen ausgestrahlt worden waren. In der Folgezeit wurden Pelze durch entsprechende Kampagnen immer unpopulärer. Heute schauen Tierschützer mit Magengrimmen auf die jüngste Entwicklung. Während noch vor wenigen Jahren das Tragen von Tierfellen verpönt war, steigt die Nachfrage inzwischen wieder.

Die Jägerschaft Osterode unterstützt im Rahmen eines Pilotprojektes des Deutschen Jagdverbandes (DJV) die Fellwechsel GmbH durch den Betrieb einer Sammelstation für Raubwildbälge. Die Fellwechsel GmbH ist ein junges Unternehmen aus Baden-Württemberg mit dem Ziel der Nutzung natürlicher Ressourcen, wie Fellen von Raubwild, aus nachhaltiger Jagd. "Ich finde die Idee gut und stehe auch dazu", sagt Dr. Schumann. Schließlich werde ein nachhaltiger Rohstoff für die Bekleidungsindustrie gewonnen. Zum Schutz anderer Arten, beispielsweise den Bodenbrütern wie Kiebitz, Reb- oder Birkhuhn und auch anderen Tieren wie den Feldhasen, werden Raubsäuger bejagt, weil eine unkontrollierte Verbreitung von Fuchs, Marder und Co. laut Jägerschaft negative Auswirkungen auf das menschliche Dasein hätte.

Felle als kostbare Naturprodukte

Deutschlandweit werden jährlich rund 500.000 Rotfüchse erlegt, und seit Anfang der 1990er Jahre steigen die Jagdstrecken von faunenfremden Arten wie Marderhund und Waschbär. Obwohl Kürschner gerne mehr Pelze aus der heimischen Jagd verarbeiten möchten, werden die Bälge momentan meist einfach weggeworfen. "Jetzt findet bei Jägern und Verbrauchern vermehrt ein Umdenken statt, und man besinnt sich darauf zurück, Felle als kostbare Naturprodukte bzw. Rohstoffe wieder wertzuschätzen und zu nutzen. Erreicht wird dieses durch die Zusammenarbeit lokaler Jägerschaften, die solche Sammelstellen für Raubwild betreiben und damit die Fellwechsel GmbH logistisch unterstützen", so die Jägerschaft dazu.

Eine Sammelstelle im Raum Osterode ist in Schwiegershausen bei dem sogenannten Balgbeauftragten Stephan Großkopf. In einer Kühltruhe werden die Tiere gelagert und an die Fellwechsel GmbH weitergereicht. In der Saison von Mitte November bis Anfang Februar kommen so laut Großkopf rund 20 Tiere zusammen. Genutzt werden kann die Sammelstelle von allen Jägern, auch aus anderen Landkreisen. Großkopf betont, dass das zentrale Anliegen des Fellwechselprojektes die sinnvolle Verwertung der bei der Niederwildhege ohnehin anfallenden Bälge sei. "Es geht keinesfalls darum, im großen Stil eine Kommerzialisierung der Raubwildjagd zu betreiben." Vielmehr gelte es, einerseits die EU-Verordnung „zum Management invasiver Arten“ als Maßnahme zur Niederwildhege umzusetzen und andererseits, quasi als Synergieeffekt, wertvolle natürliche Ressourcen zu verwerten anstatt durch Entsorgung zu verschwenden.

600 Sammelstellen in Deutschland

Jäger, die Interesse haben das Projekt „Fellwechsel“ zu unterstützen, können Winterbälge von Waschbär, Marderhund, Dachs, Stein- und Baummarder, Mink, Iltis, Nutria sowie Bisam bei Stephan Großkopf abgeben. Wichtig ist es, einen Herkunftsnachweis beizufügen. Der Jäger bekommt die Anlieferung des Balges vergütet, wobei sich die Höhe des Geldbetrages am Zustand des Balgs bemisst. Alternativ zu einer Vergütung bietet die Fellwechsel GmbH an, das Streifen und Gerben als Auftragsarbeit durchzuführen. Der Jäger bekommt seine Jagdtrophäe dann ökologisch gegerbt zurück. Es gibt bundesweit rund 600 Sammelstellen, an denen Jäger tote Wildtiere abgeben können.

Tierschützer haben sich zunehmend gegen das Projekt des Landesjagdverbandes positioniert. Die Tierrechtsorganisation Peta mit deutschlandweit vielen Unterstützern beispielsweise wirft den Jägern und Ideengebern von Fellwechsel Augenwischerei vor. Pelze aus der Jagd seien keineswegs tierfreundlich, die Grausamkeiten bei der Jagd stünden dem Leid auf Pelzfarmen in nichts nach. Peta verweist unter anderem auf Lebendfallen, die zu den gängigen Methoden gehörten und für Tiere größtes Leid brächten. Für Dr. Schumann handelt es sich um eine ideologisch eingefärbte Auseinandersetzung, die vonseiten "engagierter Tierschützer" an Realitätsnähe vermissen lasse, und gerade was Peta angeht, einen ideologiegetriebenen Populismus, der die Realität nicht abbilde.

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