Corona-Chronik Dezember: Impfzentrum steht, Weihnachten kommt

Osterode  Die Corona-Pandemie wirkt sich weiter auf das Leben und die Wirtschaft im Südharz aus: Unsere Chronik der regionalen Ereignisse im Dezember 2020.

Das Corona-Impfzentrum in Herzberg ist einsatzbereit.

Das Corona-Impfzentrum in Herzberg ist einsatzbereit.

Foto: Martin Baumgartner / HK

Nochmals verschärfte Corona-Regeln treten am 1. Dezember 2020 in Kraft. Eine wesentliche Neuerung ist die Ausweitung der Tragepflicht einer Mund-Nase-Bedeckung an allen Orten unter freiem Himmel, an denen sich viele Menschen bewegen und das Infektionsrisiko dadurch erhöht ist. Betroffen sind unter anderem der Innenstadtring in Osterode, die Fußgängerzone in Herzberg und die Innenstadt von Bad Lauterberg. Bislang war die Pflicht an das Überschreiten bestimmter Inzidenzwerte (35 bzw. 50) gekoppelt. Er liegt für den Landkreis bei 37,4 am ersten Dezembertag.

Corona-Fälle treten immer mal wieder etwa in Pflege- oder Betreuungseinrichtungen auf. So muss die Kindertagesstätte Wulften wegen einer erkrankten Mitarbeiterin zwischenzeitlich geschlossen werden, und Mitte des Monats wird es Infektionen in acht Seniorenheime im Landkreis Göttingen geben. Aber nicht nur dort. Auch die Kreisverwaltung bleibt nicht verschont: Wegen eines bestätigten Falls bei einer Person in Verbindung mit der Verwaltung sind die Beschäftigten des Fachbereichs Bauen am Standort Osterode Anfang Dezember vorsorglich in häuslicher Quarantäne.

Ein paar Tage später stehen auch die 48 Bewohner der Eingliederungshilfe, die im Haus am Markt in Bad Grund leben, unter Quarantäne. Der Grund ist die Infektion einer Teilzeitkraft. "Die derzeitige Lage ist für seelisch Kranke eine große Herausforderung", sagt Susanne Reimann, Mitglied der Geschäftsführung und zugleich Hygienebeauftragte der Sander-Gruppe in Bad Grund. Einen lokal begrenzten Corona-Ausbruch gibt es ebenfalls in Wieda, wo 22 bestätigte Fälle im Haus Sonneck gezählt werden. Bewohner und Mitarbeiter der Einrichtung für alkoholkranke, pflegebedürftige Menschen sind betroffen. Nach einem positiven Befund hatte ein Reihentest stattgefunden.

Ganz andere Sorgen haben obdachlose Menschen in diesem Winter: Wegen der Pandemie bleibt ein Teil der Obdachlosen-Einrichtungen geschlossen, andere haben zwar geöffnet, können jedoch nicht so viele Plätze wie sonst anbieten. Darauf macht der ASB-Kreisverband Northeim/Osterode aufmerksam. Dieser versorgt Obdachlose und bedürftige Personen mit Hilfsgütern über die zentralen Anlaufstellen, wie etwa die Ambulante Hilfe Osterode (Dachstiftung Diakonie).

Finanzielle Unterstützung zur Bewältigung der Corona-Krise bekommt der Landkreis aus Hannover: 52 Millionen Euro gibt es vom Land Niedersachsen. Insgesamt werden 814 Millionen Euro aus dem zweiten Nachtragshaushalt bereitgestellt.

Währenddessen laufen die Vorbereitungen der Corona-Impfzentren auf Hochtouren. Einer der vier Standorte in der Region Südniedersachsen ist die Sporthalle der Oberschule in Herzberg. Für die Bereitstellung des ärztlichen Personals ist die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) zuständig. Diese hatte alle niedergelassenen Ärzte angeschrieben. Anfang Dezember sind schon 32 Ärzte bereit, in den Landkreisen Northeim und Göttingen zu unterstützen.

Und tatsächlich ist das Impfzentrum in Herzberg rechtzeitig zum 15. Dezember fertig. "Wir haben es geschafft", sagt ein mit der Leistung aller Beteiligter sehr zufriedener Landrat Bernhard Reuter. "Wir hatten gerade mal sieben Tage Zeit, die Anordnung des Landes umzusetzen. Das war schon sportlich." Das Herzberger Zentrum soll die Bevölkerung des Altkreises Osterode sowie der Stadt Duderstadt und der Samtgemeinde Gieboldehausen, in der Summe gut 105.000 Menschen, versorgen - sobald der Impfstoff da ist.

Andere Vorbereitungen laufen ebenfalls: Die Menschen im Altkreis Osterode planen ein Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen - unter anderem sind privaten Treffen beschränkt und das Singen bei Gottesdiensten ist verboten. Die Einschränkungen wirken sich bereits in den Adventswochen aus, doch viele Südharzer lassen sich alternative Aktionen mit ausreichend Abstand einfallen. So hängen in Steina Geschichten und Weihnachtslieder an einer Wäscheleine, in Bad Lauterberg gibt es einen Adventsweg im Kurpark, mehrere Kirchengemeinde bieten digitale Adventskalender an, und die Kulturschmiede Osterode lädt zu einem vorweihnachtlichen Konzert per Internet ein.

Weil der Märchengrund in Bad Sachsa wegen Corona geschlossen ist, besuchen verkleidete Helfer die Kindertagesstätten in Sachsa und Walkenried. Sie verteilen - mit ausreichend Abstand - kleine Präsente an die Jungen und Mädchen. Der Nikolaus besucht kranke Kinder in der Universitätsmedizin Göttingen mit einer Feuerwehr-Drehleiter, so kann er ihnen von außen zuwinken. Corona-bedingt setzt auch die Weihnachtsmann-Vermittlung der Agentur für Arbeit Göttingen auf neue Wege: Statt Besuche gibt es ein Video-Telefonat mit dem Weihnachtsmann.

Das Geschäft am Ende des Jahres fehlt besonders der Gastronomiebranche, denn Weihnachtsfeiern finden nicht statt. Das oft nur mäßige Außer-Haus-Geschäft, das noch erlaubt ist, fängt die Einbußen längst nicht auf. "Die Stammkunden kommen, aber auch die können ja nicht jede Woche Essen holen", sagt Reinhard Willig, Inhaber des Gasthauses Weißes Ross in Hattorf.

Während sich die Südharzer Gastronomen mit den Auflagen arrangieren, verstoßen immer mal wieder Privatpersonen gegen die Kontaktbeschränkungen. So werden der Polizei Bad Lauterberg am Wochenende des vierten Advents mehrere Verstöße gegen die Corona-Verordnung gemeldet. Die Beamten stellten sieben Ordnungswidrigkeiten fest. Die Betroffenen müssen mit einem empfindlichen Bußgeld rechnen. Und in Osterode löst die Polizei eine Party auf, auf der Personen aus sechs Haushalten feierten.

Ruhiger ist hingegen der Jahreswechsel für Polizei und Feuerwehr: Im Altkreis Osterode gibt es in der Silvesternacht keine nennenswerten Einsätze. Auch das Feuerwerk um Mitternacht, das nicht allgemein, sondern nur an bestimmten Plätzen wie der Osteroder Innenstadt verboten ist, hält sich in Grenzen. Die Südharzer stoßen in ganz kleinen Kreisen auf das neue Jahr an.

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