Corona und das Abitur: Eine besondere Herausforderung

Osterode  Das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium in Osterode will Präsenzunterricht für den Abiturjahrgang ermöglichen.

Das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium.

Das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium.

Foto: Michael Paetzold / HK

Mottoparty, Abiball, Abistreich und vor allem die Kursfahrten, auf die sich die Schülerinnen und Schüler als kleine Belohnung für die Mühen der Abiturvorbereitungen besonders gefreut hatten: alles abgesagt. Die Abschlussjahrgänge der Schulen erleben mit den Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie eine besondere Zeit. Leicht ist sie nicht, nicht für die Schülerinnen und Schüler, aber auch nicht für die Lehrerschaft, die große Verantwortung trägt und großen organisatorischen Aufwand zu betreiben hat, um den laufenden Betrieb abzusichern.

Große Unsicherheit

"Wir wissen nicht, wie es die nächsten Monate weitergeht, es herrscht darüber große Unsicherheit", erzählt Berenike Eder (18) aus Osterode, Abiturientin am Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode. Für die 79 Schülerinnen und Schüler stehen im April die ersten Prüfungen an. Welche Varianten der Beschulung werden zum tragen kommen, Szenario A mit Präsenzunterricht, oder B als Wechselmodell, oder gar C, das komplette Homeschooling, für die Abiturienten, so Berenike Eder, die schlechteste Lösung. Und wie steht es mit dem Prüfungsstoff, wird der lückenhafte Unterricht Berücksichtigung finden und auf die Abfrage nicht vermittelten Stoffs verzichtet?

"Die Verunsicherung bei den Abiturientinnen und Abiturienten im Hinblick auf die Abiturprüfungen ist sicherlich sehr gut nachvollziehbar und in der unsicheren und kaum langfristig planbaren Situation begründet. Trotzdem sehe ich die meisten unserer Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs gut auf die Abiturprüfungen vorbereitet", erklärt Schulleiter Dietmar Telge. Das Kultusministerium hatte auf die Unterrichtsausfälle im letzten Frühjahr reagiert und die inhaltlichen Vorgaben für die Abiturprüfungen im Umfang reduziert, dies auch mit der Perspektive, dass es zu weiteren Störungen des regulären Unterrichts kommen würde. Telge: "Der Unterricht in diesem Schuljahr fand bis zum 11. Dezember ohne nennenswerte Ausfälle statt, daher konnten auch alle vorbereitenden Klausuren unter Abiturbedingungen geschrieben werden."

Gute Betreuung

Die Abiturientin kann das bestätigen: "Das Vorabitur haben wir zum Glück noch gut über die Bühne gebracht", sagt sie und stellt der Lehrerschaft bei der Begleitung während der schwierigen Zeit ein gutes Zeugnis aus: "Den Abschlussklassen wurde Priorität eingeräumt, wir werden so gut wie es möglich ist vorbereitet." Probleme bei der Beschulung über die Schulplattform IServ, über die Aufgaben und Lösungen per Mail ausgetauscht werden, hätten die Mitschüler kaum. Vielmehr bestehe in der neuen Medienwelt Nachholbedarf bei der Lehrerschaft. Die Schule selbst, so verlautet aus Kreisen des Schulelternrates, stehe bei der Digitalisierung vor immer neuen Hürden durch Träger und Land. Dieser hatte nach der Auswertung einer Umfrage Ende November zu einem positiven Urteil über den Umgang der Schule mit der Ausnahmesituation gefunden.

"Die Phase des Wechselunterrichts vor den Sommerferien wurde gerade von den Schülerinnen und Schülern der höheren Jahrgänge überwiegend sehr gut bewältigt und förderte im besonderen Maße die Eigenverantwortung, die auch für eine erfolgreiche Prüfungsvorbereitung und den weiteren Lebensweg wichtig ist", gibt der Schulleiter seine Einschätzung der aktuellen Situation.

Kursunterricht möglich

In den verbleibenden drei Wochen des Schulhalbjahres beabsichtigt das Gymnasium von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, dass bei ausreichenden räumlichen Kapazitäten auch komplette Kurse unterrichtet werden können. Der Schulleiter: "Dies bedeutet konkret, dass alle Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs täglich in der Schule ihren Kursunterricht haben werden, jedoch bei großen Kursen in getrennten Räumen. So sind die Fachlehrkräfte näher an den Schülerinnen und Schülern dran und können individueller den Lernprozess begleiten. Gleichzeitig hoffen wir, sowohl dem Infektionsschutz als auch der Prüfungsvorbereitung gerecht zu werden."

Und was die Hygienevorschriften angeht, werden sie auch von der Schülerschaft sehr ernst genommen, statt nachlässig zu sein. "Vielmehr ist es so, dass man sich gegenseitig auf korrektes Verhalten aufmerksam macht", so Berenike Eder. Ihr Fazit: "Für uns ist es eine schwierige Zeit mit vielen Unwägbarkeiten. Durch die Ungewissheit während des Qualifizierungsprozesses und den lückenhaften Unterricht seit Pandemiebeginn fehlt es uns schlicht an der nötigen Routine, um dem Kommenden gelassen entgegenzublicken." Es bleibe die Angst, weil man nicht wisse, was durch Corona noch auf einen zukomme, einige Mitschülerinnen und Mitschüler machten sich selbst aber zu großen Druck, befürchtet sie. Was die Zeit nach dem Abitur angeht hat die 18-Jährige schon feste Pläne. Sie macht eine Ausbildung beim SWR im Baden-Baden.

"Die Pandemie stellt für uns als Schule eine enorme Herausforderung dar, insbesondere der Verantwortung gerecht zu werden, unsere Schülerinnen und Schülern durch diese Krise zu begleiten. Daher bin ich meinem Kollegium sehr dankbar für sein großes Engagement und die Art und Weise, wie es mit dieser besonderen Situation umgehen", sagt Schulleiter Telge abschließend.

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