Stadtforst Osterode steht ein schwieriges Jahr 2021 ins Haus

Osterode  Wie geht es weiter mit dem Osteroder Stadtwald? Die große Zahl geschädigter und toter Bäume zwingt dazu, neue Wege zu gehen.

Weite Fläche des Stadtwaldes sind abgeräumt und müssen neu bepflanzt werden.

Weite Fläche des Stadtwaldes sind abgeräumt und müssen neu bepflanzt werden.

Foto: Michael Paetzold / HK-Archiv

Wie geht es weiter mit dem Osteroder Stadtwald? Diese Frage treibt nicht nur Verwaltung und Forstleute um. "Es wird nicht leicht im neuen Jahr", befürchtet Stadtförster Rudolf Buff auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, die die städtischen Finanzen durch Einnahmeausfälle massiv belastet. Auch die Erlöse aus dem Holzverkauf in den städtischen Forsten sinken und werden wegen immer schlechterer Holzqualität in Zukunft weiter abschmelzen.

Die gewaltigen Schadensbilder in dem knapp 1.200 Hektar umfassenden Stadtwald hatten Rat und Verwaltung bei der letzten Ratsforstbegehung in Augenschein genommen. Die Bestände des Stadtwaldes umfassen unter anderem 17 Prozent Buchen und 74 Prozent Fichten, von denen etwa 80 Prozent geschädigt oder tot sind, fast also ein Totalausfall. Selbst die Buchen werden bei dem starken Käferbefall inzwischen angebohrt. „Und wir können nichts dagegen tun“, hatte Buff sichtlich frustriert festgestellt. Die jährliche Einnahmen aus dem Holzverkauf sind so von 450.000 Euro auf nur noch 100.000 Euro geschrumpft, und die Schäden an den anderen Baumarten treten erst verzögert auf und lassen sich noch nicht beziffern.

Zukunftskonzept in Arbeit

Inzwischen arbeitet die Forst an einem Zukunftskonzept. Fest steht: "Wir sind bei unserer Neuausrichtung auf die zugesagte Förderung angewiesen", so der Stadtförster. 80 Prozent der Kosten für die Aufforstung wollen Bund und Land tragen, 46 Baumarten, heimische und ausländische, sind förderfähig. So will man zunächst Naturverjüngungen, auch durch Fichte, pflegen. Buff: "Wir nehmen alles an, was uns die Natur bietet, sonst schaffen wir es bei den weiten Flächen nicht." Neupflanzungen sollen je nach Standorten mit heimischen aber auch mit ausländischen Baumarten erfolgen, die mit Trockenheit und Winterkälte auskommen. Buff spricht von einer kompletten Umstellung, die der Klimawandel erzwingt und die zunächst auf Kleinflächen erfolgen soll. Das neue Jahr verspricht also im Stadtwald nichts Gutes, viel Arbeit und wenig Erträge.

Wie sehr die Probleme des Stadtwaldes auch die Bürger beschäftigen, zeigte sich bei der Aktion Mission Stadtwaldrettung 2020, bei der 150 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer an zwei Wochenenden mehr als 5.000 Bäume nahe des ehemaligen Blindensanatoriums pflanzten. "Ich bin begeistert von der Motivation, aber auch vom Tatendrang und von der Freude der Teilnehmer, die bei sehr durchwachsenem Wetter ihre Freizeit opferten", würdigte Bürgermeister Jens Augat den Einsatz. Er kündigte unterdessen eine Fortsetzung der Mission Stadtwaldrettung auch in diesem Jahr an. Die städtischen Forste werden sich verändern und grundlegend neu aufstellen, vielleicht auch eine Chance auf Zukunftsfähigkeit, hoffen zumindest die Verantwortlichen.

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