Covid-19: Seniorenheime sehen sich auf zweite Welle vorbereitet

Osterode.  Die bisherigen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus haben sich nach Aussagen der Betreiber bewährt und geholfen.

Ein Desinfektionsmittelspender in einem Seniorenheim.

Ein Desinfektionsmittelspender in einem Seniorenheim.

Foto: Jonas Güttler / dpa

Bundesweit steigt die Zahl der Corona-Fälle an – auch in der Region Göttingen. Vor allem in den Altenheimen wächst damit auch die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle. Wie gehen die Einrichtungen in der Region damit um?

Das Altenheim Siebenbürgen in Osterode berichtete, dass nach wie vor die gleichen Regeln und Hygienekonzepte wie im März gelten. Besuche seien demnach nur mit vorheriger Anmeldung und Registrierung möglich. Zudem dürfen die Bewohner nur im Freien oder in separaten Räumen und nicht auf ihren Zimmern Besuch empfangen. Die Abstandsregeln, sowie die Maskenpflicht sind währenddessen dauerhaft einzuhalten. Alle Veranstaltungen, die sonst stattgefunden haben, wie beispielsweise Aufführungen der Theatergruppe wurden bis auf weiteres abgesagt.

Die Stiemerling Senioren-Residenz in Herzberg, in der es seit April keine positiven Coronafälle mehr gab, erklärte ebenfalls, dass durch die gestiegenen Zahlen noch keine Änderungen oder Verschärfungen der Auflagen erfolgt seien. Es gelten nach wie vor alle Auflagen, „die vom Gesundheitsamt vorgegeben wurden“.

„Alltag so normal wie möglich“

Neben den Abstandsregeln und der „Niesetikette“, wird auch auf die Einhaltung der Hygienevorschriften geachtet. Dafür stehen unter anderem Desinfektionsmittelspender zur Verfügung. Die Senioren dürfen täglich für 45 Minuten Besuch empfangen und diesen auch mit ins Bewohnerzimmer nehmen. „Wir versuchen den Alltag für die Bewohner so normal zu gestalten wie möglich.“ Daher finden auch weiterhin Betreuungsangebote und Gottesdienste unter Auflagen und mit einer limitierten Anzahl an Personen statt.

Die Seniorenresidenz Curanum Bad Lauterberg erklärte, sich bei allen Regeln und Vorschriften an die „Erlasse vom Land Niedersachsen“ zu halten. Demnach dürfe das Besucherrecht nicht eingeschränkt werden, solange es keinen positiven Befund gäbe. Auch die Hygienekonzepte für verschiedene Szenarien werden vor Ort umgesetzt, so die Einrichtung. Ebenso wies man darauf hin, dass sich sowohl Bewohner, als auch Angehörige „gegenseitig sensibilisieren, dass man auf einander aufpassen soll“. Mundschutz, Handschuhe und Desinfektionsmittel gehören zum Alltag des Pflegepersonals, ebenso wie die Aufgabe den Senioren wohnbereichsbezogen eine interne Beschäftigung zu bieten. Diese wäre wichtig, da dadurch die Bewegung und die zwischenmenschlichen Aspekte gefördert würden. Veranstaltungen wie das Sommerfest, der Martinsumzug oder der Weihnachtsmarkt, die bisher regelmäßig stattgefunden haben, wurden für dieses Jahr abgesagt. Abschließend wurde betont, dass sich die Seniorenheime hier im Umkreis zu Beginn der Pandemie gegenseitig unterstützt hätten. „Egal welcher Träger dahinter steht, alle saßen im selben Boot.“

Das Alten- und Pflegeheim Stein in Bad Grund hat 30 Angestellte und 33 Bewohner. Trotz aller Schutzmaßnahmen, Einschränkungen und den regelmäßigen Hinweismails der Heimaufsicht in Göttingen, herrscht ein ungutes Gefühl im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie. „Wir merken, dass alle noch nervöser werden. Die Angst schwingt immer mit“, heißt es auf unsere Nachfrage. Bisher gab es in der Einrichtung noch keinen Fall einer Covid-19-Infektion und dennoch bleibt die Skepsis auf all das was eine zweite Welle mit sich bringen könnte.

Angst und Sorge, aber auch Geduld und Verständnis

Das Land Niedersachsen habe untersagt, dass die Beschränkungen von Besuchen noch verstärkt oder Besuche sogar ganz verboten werden. „Mit offenem Visier geht man auf die Katastrophe zu“, ist sich die Heimleitung sicher. Nur im Fall eines positiven Tests, gäbe es ein Besuchsverbot. „Es ist wie es ist, ich kanns nicht ändern.“

Die Bewohner der Einrichtung können ihren Besuch unter Wahrung des Abstands und Einhaltung der Maskenpflicht empfangen. Auch wenn die Einhaltung der Regeln nicht immer einfach sei, „spielen alle mit, die Angehörigen sind geduldig“, erklärte die Heimleitung. Obwohl zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand weiß, wie sich die Situation weiter entwickeln wird, ist man im Alten- und Pflegeheim Stein zuversichtlich. „Wir schaffen das. Irgendwie schaffen wir das.“

Die Villa Juesheide in Herzberg, in der es im Frühjahr mehrere Fälle von positiv getesteten Personen gab, hat auf Nachfrage unserer Zeitung am Freitag keine Auskunft zu den aktuellen Maßnahmen vor Ort gegeben.

Hygienekonzept habe sich bewährt

Erfahrung mit Covid-19-Fällen haben auch die Mitarbeiter des Altenheims St. Martini in Duderstadt sammeln müssen. Mehrere Bewohner und Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert. Nach komplett negativen Reihentests konnten Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige aufatmen. Am 7. Oktober indes gab es bei einem Bewohner einen positiven Befund. Alles in allem aber, so bilanziert die Einrichtung, sei schnell reagiert worden und das bestehende Hygienekonzept habe sich bewährt.

Für eine Verschärfung von Maßnahmen angesichts einer möglichen zweiten Corona-Welle sieht die Duderstädter Einrichtung keinen Anlass, wie Jennifer Krukenberg, Sprecherin an St. Martini, betont. Es gelte weiterhin das Besuchsverbot, das mit den ersten Corona-Fällen und auch schon während des Lockdowns im März umgesetzt worden war. Zudem blieben die derzeit 74 Bewohner auf ihren Zimmern. Krukenberg ergänzt, dass die Mitarbeiter sensibilisiert seien, um Symptome frühzeitig zu erkennen.

Abstand – Hygiene – Alltagsmaske und dazu regelmäßiges Lüften zählten am Altenpflegeheim St. Martini ebenfalls zu den Vorkehrungen zum Schutz vor möglichen Neuinfektionen. Ansonsten würden die Empfehlungen und Vorgaben der Behörden umgesetzt, so Krukenberg weiter. Bewohner wie auch Angehörige reagierten „sehr verständnisvoll“ und würden regelmäßig über das weitere Vorgehen informiert.

Corona in Osterode- Ein Überblick über die Situation vor Ort

Auch am Göttinger GDA-Wohnstift hatte es im April Corona-Fälle samt Quarantäne und entsprechenden Beschränkungen gegeben. Gelten nun angesichts von bundesweit steigenden Zahlen andere Regeln? Wie Direktor Carsten Patowsky mitteilt, gelten bereits seit Beginn der Corona-Pandemie Abstands- und Hygieneregeln sowie eine Maskenpflicht in allen öffentlichen Bereichen des Hauses. Gruppenangebote habe man deutlich eingeschränkt. Zudem werde jeder Besucher des GDA-Wohnstiftes vor Betreten des Hauses registriert sowie „kurz aber intensiv” auf Corona-Symptome untersucht. „Nur ohne Symptome wird der Zutritt erlaubt“, so Patowsky.

Eine Besonderheit des GDA ist, dass dort eigentlich auch Hotelzimmer vermietet werden. „Wir haben aber unseren Hotelbetrieb für externe Gäste bereits zu Beginn der Corona-Pandemie vollständig eingestellt”, ergänzt der Direktor. Die bestehenden Hygiene-Regelungen sieht er als ausreichend an, was Experten bestätigen. Aber: „Wir beobachten täglich die Entwicklung, um gegebenenfalls über geänderte Regelungen zu entscheiden”, sagt Patowsky. Die derzeit bestehenden Maßnahmen hätten sich in allen Phasen bewährt und geholfen, das Auftreten von Corona in der Frühphase der Infektion schnell zu überwinden und seither gut durch die Pandemie zu kommen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder