Rallye-Team aus Düna: „Wir lassen uns durch nichts aufhalten“

Gwda Wielka.  Das Team Hönig Racing nahm an Europas größter Offroad-Rallye teil – und hatte mit Getriebe- und Blechschäden zu kämpfen.

Spektakuläre Wasserdurchfahrten standen auch in diesem Jahr für das Team Hönig Racing auf dem Programm.

Spektakuläre Wasserdurchfahrten standen auch in diesem Jahr für das Team Hönig Racing auf dem Programm.

Foto: RBI Media / Actiongraphers

Zum wiederholten Mal hat das Team Hönig Racing, in Düna beheimatet, an der Rallye Breslau Poland teilgenommen – und wie jedes Mal schafften es die Harzer bei Europas größter Offroad-Rallye mit ihrem eindrucksvollen MAN-Truck ins Ziel. Damit diese Serie hielt, war aber jede Menge Arbeit nötig, am Steuer, bei der Navigation und erst recht bei den Reparaturen. „Mit Schäden haben alle Teilnehmer zu kämpfen, in diesem Jahr hat es uns aber echt heftig erwischt“, blickt Teamchef und Fahrer Marcus Hönig zurück. Hinzu kam ein riesiger Schreckmoment.

Dabei sah zunächst noch alles gut aus. Aufgrund der Corona-Krise wurde die Rallye drei Monate später als gewohnt ausgetragen, zudem gab es einige besondere Hygieneregeln. Das schien die Mannschaften aber nur noch mehr zu motivieren, rund 250 Teams, und damit deutlich mehr als in den Vorjahren, gingen in den verschiedenen Kategorien an den Start. Die Anreise, in manchen Jahren aufgrund des Staus an der Grenze für die Hönig-Truppe schon ein Abenteuer, verlief diesmal glatt. Auch die technische Abnahme erfolgte ohne Probleme.

Jede Menge technische Probleme

Doch schon der erste Renntag stand unter dem Motto „Pleiten, Pech und Pannen“. Nach einer Formationsfahrt aller Teilnehmer, aber noch vor dem eigentlichen Rennstart, fiel im MAN Kat1 das Navigationsgerät aus und ließ sich erst Stunden später wieder in Gang setzen. Für die Team-Navigatoren war so, nur mit dem Roadbook bewaffnet, Schwerstarbeit angesagt. Das war aber nur der Anfang.

„Auf einmal haben wir heftige metallische Geräusche aus dem Getriebe gehört, der vierte Gang rebellierte“, berichtet Hönig. Wie sich herausstellte, hatte sich ein Zahnrad mehr oder minder aufgelöst, der Gang war nicht mehr zu nutzen. „Das ist leider nichts, was man direkt reparieren kann, wir mussten die ganze Woche mit dem Schaden leben.“ Gerade bei der Beschleunigung wurden die Harzer regelrecht ausgebremst. „Das ist ein wichtiger Gang für uns. Danach war klar, dass wir nicht mehr mit Höchstgeschwindigkeit werden fahren können.“

Zum Abschluss verbog sich das Team auch noch den Aufbau an einem Baum, dann endlich war das Ziel der ersten Etappe erreicht. Nach einigen Zusatzschichten in der Nacht stellten die nächsten Prüfungen zunächst kein Problem dar, ehe ein großer Schreck das Team durchschüttelte. „Bei einem Überholvorgang kam es zu einem folgenschweren Missverständnis, wir wurden von einem überholenden Lkw heftig an der linken Fahrertür getroffen“, erzählt Hönig.

Zum Glück hielt der Innenkäfig stand, so dass es letztlich nur bei einem Blechschaden blieb. „Hätte ich allerdings meine Hand zur Entspannung auf dem Käfigrohr liegen gehabt, hätte das echt böse ausgehen können“, sagt der Fahrer. Für ihn genau wie für das ganze Team war es der erste „Feindkontakt“, seit sie im Rallye-Sport dabei sind. „Den Rest der Rallye musste ich allerdings durch die Beifahrertür ein- und aussteigen“, so der Pilot.

Pechsträhne geht weiter

Die Pechsträhne war damit aber immer noch nicht beendet. Am vierten und vorletzten Tag riss in einem Sumpfhindernis das Windenseil, zu allem Überfluss wurde dabei auch das Lenkgetriebe beschädigt – zwei Stunden Zeitstrafe, da in der Folge ein Hindernis nicht gefahren werden konnte, kassierte das Team obendrauf. „Wenigstens am letzten Tag konnten wir ohne große Probleme ins Ziel fahren“, berichtet Hönig.

Dass es angesichts der zahlreichen Rückschläge nicht zu einer vorderen Platzierung reichte, war klar, trübte die Freude über das Erreichte aber nicht. „Wir lassen uns durch nichts aufhalten, Aufgeben war nie eine Option“, unterstreicht Hönig und dankt seinem Team für den großen Kampf, das Fahrzeug immer wieder an den Start zu bekommen. 1.300 Kilometer hatten die Harzer letztlich während der verschiedenen Prüfungen in Polens Wildnis zurückgelegt – zurück in der Heimat stehen nun erst einmal jede Menge ausgiebige Reparaturarbeiten an.

Info: Das Team

Fahrer: Marcus Hönig

Navigation: Stephan Bürger und Clemens Rabeler

Service: Torsten Ruppelt, Andreas Rager, Nicolas Hinze, Andrea Hönig, Inga Budde, Anina Hönig, Mika Hönig

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