„Der Fall Sartory“ – aller guten Harzkrimis sind acht

Osterode.  Der neue Roman von Autor Roland Lange ist seit Juni erhältlich. Ein Fall auf dem „Mordsharz-Festival“ mischt Fiktion und Realität.

Autor Roland Lange mit seinem neuen Krimi.

Autor Roland Lange mit seinem neuen Krimi.

Foto: Ralf Gießler / HK

Ein Blick ins Internet für die bislang erhaltenen Bewertungen vergangener Werke zeigt: Der Autor Roland Lange kommt gut an bei seiner Leserschaft. Spannend und unterhaltsam geschrieben, fesselnder Regionalkrimi, sympathischer Kommissar, interessante Hintergrundgeschichte, nicht nur für Harzfans geeignet, gar von Suchtgefahr ist dort die Rede. Eine hohe Messlatte und Grund genug, sich mit „Der Fall Sartory“, dem achten Krimi um Kommissar Ingo Behrends, eingehender zu beschäftigen.

Der 334 Seiten dicke Schmöker ist seit Mitte Juni dieses Jahres im Handel erhältlich (wir berichteten) und überall dort, wo es Bücher gibt, käuflich zu erwerben. Und auch die großen Onlinehändler haben das Werk in verschiedenen Ausführungen – gedruckt oder als eBook – im Angebot.

Noch eine Rechnung offen

Doch worum geht es genau? Natürlich, wie es sich für einen anständigen Kriminalroman gehört, um Mord. „10 Jahre Mordsharz-Festival! Das will gefeiert sein! Zu der hochkarätigen Besetzung des Krimi-Programms gehört auch der Shooting-Star der deutschen Krimiszene: Carolin P. Sartory. Sie wird zu einer Lesung erwartet – von den Organisatoren, von ihren Fans, von der Presse und auch von denen, die mit ihr noch eine Rechnung offen haben. Doch am Abend der Veranstaltung erscheint sie nicht, bleibt spurlos verschwunden…“ So steht es vielsagend auf dem Bucheinband geschrieben.

Der Charme der sich spannend entwickelnden Geschichte ist, dass sich Fiktion und Realität miteinander vermischen. Das Mordsharz-Festival gibt es wirklich, und tatsächlich hätte die beliebte und weit über die Harzregion bekannte Veranstaltungsreihe in 2020 ihren zehnten Geburtstag gefeiert, wenn, ja wenn die Corona-Pandemie nicht wäre. Auch der im Buch erwähnte Chris Dolle ist zum Beispiel rührig beim echten Festival tätig und sehr real. Ebenso die ein oder andere benannte Lokalität oder Beschreibung, die dem ortskundigen Leser des Öfteren „Aha-Erlebnisse“ beschert.

Und da sind wir auch schon beim ersten Pluspunkt des Buches angelangt: Die Vermischung zwischen Fantasie und Wirklichkeit ist gelungen. Man fährt bzw. „kontrolliert“ förmlich im Geiste mit, wenn Krimiautorin Ingrid Schneider alias Carolin P. Sartory per Bahn in Northeim ankommt und sich auf den Weg zum Gleis 13 macht, um in den Südharz zu gelangen.

In die Niederungen der Provinz

Gleis 13 stimmt – gut recherchiert. Treffend auch beschrieben die Gedanken der Starschriftstellerin, der es widerstrebt, sich in die „Niederungen der Provinz“ zu begeben. Schließlich gehöre sie doch neuerdings zur Crème de la Crème der Kriminalautoren.

Zuhörer verwandelt sich

Im Gegensatz dazu die ehrliche Vorfreude von Katrin Behrends auf einen spannenden Lesungsabend. Nicht nur wegen Sartory, sondern auch, weil Katrins Mann Ingo, Kommissar von Beruf, endlich einmal mitkommen wird, wenn auch sehr widerwillig. Dieses Widerstreben ändert sich schlagartig, als ein Mord ins Spiel kommt. Da wird aus dem Zuhörer Behrends der akribisch ermittelnde Polizeibeamte.

Zahlreiche weitere Charaktere und Figuren geben sich im Laufe der Erzählung ein Stelldichein. Besonders zu erwähnen ist Holger Diekmann, Journalist mit guter Spürnase für Schlagzeilen und Sensationen. Darüber hinaus ein enger Freund des Kommissars, der allerdings durch seine Eigenmächtigkeiten ein ums andere Mal die Freundschaft zum Profi-Ermittler auf eine harte Geduldsprobe stellt.

Und schwupp, ist es ein anderer

Roland Lange versteht es, kleine Details und scheinbar Unwichtiges zu benennen, um sie an späterer Stelle im Buch wieder zu einem schlüssigen Ganzen aufzunehmen. Beim Lesen kam das „Inspector Barnaby-Gefühl“ auf – man meint zu ahnen, oder sicher zu wissen, wer der Mörder sei, und schwupp, ist es ein anderer.

Dem Krimivergnügen entgegen kommen auch die straffen, gut lesbaren Kapitel. Überhaupt ist das ganze Buch kurzweilig und spannend verfasst, viel Schmunzeln inklusive. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen und das Ende vorweg zu nehmen: Die Freundschaft Kommissar – Journalist bleibt bestehen, das Gute siegt (oder verliert?), und mit Ingo Behrends hat das Mordsharz-Festival sicher einen neuen Fan gewonnen, wenn auch nur im Buch.

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