Arm im Rasenmäher: Jetzt zählt jede Sekunde

Osterode.  Wenn Unfälle bei der Gartenarbeit zum Verlust von Körperteilen führen ist schnelles und richtiges Handeln vonnöten.

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Die Zeit der Gartenarbeit hat begonnen: Da brummt der Rasenmäher, da kämpft sich die elektrische Heckenschere durch das Grün, und den scharfen Zähnen der Motorsäge hält auch kein noch so zugewachsenes Gehölz stand.

Doch es ist auch die Zeit der Unfälle in der Freizeit, im Garten vor allem, wo nach wie vor Verletzungen mit dem Rasenmäher eine große Gefahr für Kleingärtner darstellen. Entsprechende Notfälle werden auch nach Jahren der Warnungen nicht weniger. Aber auch in der Landwirtschaft, am Arbeitsplatz und im Haushalt passieren Unfälle, die zum Verlust eines Körperteils führen und schnelles und richtiges Handeln erforderlich machen, damit letztlich wieder zusammenwächst, was zusammengehört. Die Chirurgen müssen Blutgefäße, Nerven, Sehnen und Knochen wieder miteinander verbinden. Alle Jahre wieder werden Gliedmaßen von der Fingerkuppe bis zum ganzen Arm, von der Zehe bis zum Bein, Nase, Ohr, Penis, bei Unfällen abgetrennt.

Erste wichtige Schritte

Dr. Wolfgang Hahm, Anästhesist und Rettungsmediziner, hat die Schritte der ersten Maßnahmen durch Laienhelfer zusammengestellt. „Wenige einfache Handlungen können äußert hilfreich sein“, erklärt er. Die moderne Medizin könne den bleibenden Verlust der Gliedmaße immer häufiger durch aufwendige chirurgische Maßnahmen verhindern, vorausgesetzt es werden nicht schon bei der ersten Hilfe Fehler gemacht, die den Stumpf oder das abgetrennte Teil oder Beides dermaßen schädigen, das nichts mehr bleibt, als den Stumpf zu versorgen.

Dr. Hahm: „Wenn es gelingt, dass Unfallopfer und Ersthelfer einigermaßen kühlen Kopf bewahren, ist es nicht sehr schwierig, Fehler zu vermeiden.“ Wichtig sei zunächst die Blutung zu stillen, dabei gelte, dass hoch lagern die Blutung meist schon deutlich vermindert. Die Wunde darf allerdings laut Mediziner nicht desinfiziert und nicht abgewaschen werden. Direkt auf die Wunde sollte ein Druckverband mit sauberem Material (zum Beispiel aus dem Autoverbandskasten) aufgebracht werden. „Wenn die Blutung nicht ausreichend zum Stillstand kommt, sollte man zuführende Arterien (Pulsader) abdrücken und abgedrückt lassen und nur im Notfall abbinden mit einem möglichst breiten elastischen Band oder Gürtel. Es gelte dann unbedingt, die Zeit zu notieren, wann die Abbindung begonnen wurde.

Körperteil richtig einpacken

Wenn der Notruf unter 112/1103 abgesetzt wurde, muss das abgetrennte Körperteil gesucht, auch kleine Teile, und in steriler trockener Kompresse mit Allem was gerade daran haftet, in einen sauberen Plastikbeutel verstaut werden. Auch hier gilt: nicht desinfizieren, nicht abwaschen und auf keinen Fall in irgendwelche Flüssigkeiten „einlegen“.

Das Material sollte dann an einem kühlen, schattigen Platz aufbewahrt werden, auf keinen Fall aber in Eis oder in die Tiefkühltruhe. Hunde sind von der Unfallstelle unbedingt fernzuhalten, die Betroffene Person sollte nicht aus den Augen verloren werden.

Erste Hilfe auffrischen

„Bei den kurzen Rettungszeiten in Deutschland kann man alle weiteren Maßnahmen den Profis überlassen. Wenn das Körperteil zunächst nicht gefunden wurde, muss Feuerwehr oder Polizei noch einmal in Ruhe nachsuchen und gegebenenfalls die Maschine zerlegen. Die Polizei übernimmt dann den Nachtransport“, so der Mediziner, der nach der Coronakontaktsperre unbedingt einen Auffrischungskurs Erste Hilfe am Unfallort anrät.

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