Bad Sachsa: Bürgermeister-Kandidaten antworten auf 10 Fragen

Bad Sachsa.  Im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Bad Sachsa haben wir den drei Kandidaten Fragen zu verschiedenen Themen gestellt. Das sind ihre Antworten.

Die Frage, wer neuer Chef im Rathaus der Stadt Bad Sachsa wird, wird am nächsten Sonntag, dem 22. November, bei der Bürgermeisterwahl geklärt.

Die Frage, wer neuer Chef im Rathaus der Stadt Bad Sachsa wird, wird am nächsten Sonntag, dem 22. November, bei der Bürgermeisterwahl geklärt.

Foto: Mark Härtl / HK-Archiv

Am kommenden Sonntag, dem 22. November, wird in der Stadt Bad Sachsa ein neuer Bürgermeister gewählt. Unsere Zeitung hat im Vorfeld alle drei Kandidaten zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen befragt. Für die schriftlichen Antworten wurde jeweils die gleiche Zeichenanzahl vorgegeben. Die Veröffentlichung der Antworten und Fotos erfolgt nach der Reihenfolge der Nachnamen im Alphabet.

1. In der Öffentlichkeit wurde in den vergangenen Monaten zum Teil diskutiert, dass der Job als neuer Bürgermeister ein „Himmelfahrtskommando“ sei. Auch wenn dies sicher nicht ganz zutrifft, einfach ist die Aufgabe keinesfalls. Von daher die Frage: Warum möchten Sie diese Aufgabe übernehmen?

Sven Jung (CDU): Bad Sachsa ist einfach meine Heimatstadt. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, seit 20 Jahren betreibe ich hier meine Firma. Ich möchte einfach zum Erhalt unserer schönen Stadt beitragen, damit meine kleine Tochter genauso eine Zukunft hat wie wir es damals hatten.

Frank Kellner (SPD): Ich möchte meine Heimat weiterentwickeln, weil in unserer Stadt einiges verbessert werden kann und muss. Verschiedene Akteure zusammenzubringen, um gemeinsam Ziele zu erreichen, ist meine Stärke.

Daniel Quade (FDP): Es ist für mich eine Herzensangelegenheit! Ich bin der festen Überzeugung, dass wir jetzt frischen Wind und neuen Elan benötigen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Aufgrund meiner Expertise in den Bereichen Finanzen, der Mitarbeiterführung und mit der nötigen Power, etwas verändern zu wollen, stelle ich mich dieser Aufgabe.

2. Die Fusion mit den Nachbarkommunen war seit dem Jahr 2012 ein Dauerthema, ist aber immer wieder gescheitert, zuletzt durch den Bürgerentscheid – obwohl sich der Großteil des Rates klar für einen Zusammenschluss ausgesprochen hatte. Kann Bad Sachsa nun aber mittel- und langfristig alleine agieren, oder aber muss man Interkommunale Zusammenarbeit suchen bzw. irgendwann wieder über eine Fusion sprechen?

Sven Jung: Ich bin davon überzeugt, dass Bad Sachsa sehr gut alleine überleben kann. Die Finanzen sind nicht so schlecht wie es immer dargestellt worden ist. Corona wird uns zwar einige Probleme bereiten, aber auch diese Krise werden wir überstehen. Die Interkommunale Zusammenarbeit wird immer ein Thema sein, da kleine Kommunen gewisse Leistungen sonst nur schwer darstellen können.

Frank Kellner: Jetzt gilt erst einmal, den Blick nach vorne zu richten und unter anderem die Interkommunale Zusammenarbeit auszubauen, um Kräfte zu bündeln und langfristig handlungsfähiger zu werden. Alles weitere wird die politische Entwicklung zeigen.

Daniel Quade: Wenn wir selbstständig bleiben wollen, dann geht das nur, wenn wir den Stillstand in vielen Bereichen beenden und endlich Lösungen für die Herausforderungen suchen und umsetzen. Die IKZ sollten wir weiter ausbauen.

3. Die beiden großen W, (Trink-)Wasser und Wald, sind wichtig für die Zukunftssicherung der Stadt Bad Sachsa, sowohl für die Einwohner, wie auch aus Sicht des Tourismus. Themen wie die Sanierung der Talsperre Steina sind dabei umstritten. Wie sollte die Wasserversorgung der Zukunft aufgestellt sein? Und wie kann die Politik, Verwaltung aber auch der Bürger an sich die Rettung des Stadtwalds bzw. dessen Erneuerung begleiten und sich einbringen?

Sven Jung: Die Talsperre Steina ist wichtig für die Wasserversorgung von Bad Sachsa und den Ortsteilen. Diese gilt es zu erhalten, um in Zeiten mit genug Wasser unsere anderen Brunnen zu entlasten. Für den Stadtwald werden wir die nächsten Jahrzehnte viel Geld bereitstellen müssen, um ihn wieder zu dem zu machen was er war. Das Problem hierbei ist die Baumart, die gepflanzt wird. Deshalb habe ich hier vollstes Vertrauen zu unserem Förster Ulrich Bosse.

Frank Kellner: Die Talsperre Steina sollte auch in Zukunft zur Wasserversorgung beitragen. Die Rettung des Stadtwalds erfordert die Bündelung von Ressourcen und das Einwerben von Fördermitteln, wofür ich auch meine Kontakte zur Landes- und Bundespolitik nutzen will.

Daniel Quade: Umstritten war die Talsperre bei mir zu keiner Zeit. Trinkwasser wird immer knapper, daher muss sie saniert werden. Über meinen Lösungsansatz wurde bereits berichtet. Zum Wald: Für die Bürger schwebt mir die Etablierung eines „Klimatags“ vor, an dem z.B. beim Pflanzen geholfen werden kann.

4. Sowohl in den Ortsräten und dem Stadtrat steht ein Generationenwechsel bevor. Wie würden Sie als Bürgermeister versuchen, Einwohnerinnen und Einwohner für die Mitarbeit in der Kommunalpolitik bzw. der Verwaltung zu begeistern? Was spricht dafür, sich einzubringen und welche Qualifikationen sollten die Bürgerinnen und Bürger dafür mitbringen?

Sven Jung: Ich denke, wenn wir in einen offenen Dialog mit den Einwohnern und Einwohnerinnen treten und sie bei wichtigen öffentlichen Entscheidungen besser mit einbinden, haben wir gute Chancen neue Mitstreiter zu gewinnen. Nur wenn Bürger und Bürgerinnen sich einbringen, können sie auch mitgestalten. Eine wichtige Eigenschaft dabei ist Teamfähigkeit und Interesse am Ehrenamt.

Frank Kellner: Ich möchte ungezwungene politische Austauschplattformen organisieren (z.B. über Videochats), damit jeder Bürger unsere Heimat aktiv mitgestalten kann. Sachliches und konstruktives Kommunizieren sind die einzigen notwendigen Qualifikationen.

Daniel Quade: Wer in einer guten Zukunft leben möchte, der muss sie mitbestimmen. Mich haben bereits etliche Bürgerinnen und Bürger angesprochen, die sich unbedingt engagieren möchten. Qualifikationen sind erstmal zweitrangig. Das Engagement und die Ernsthaftigkeit sind entscheidend.

5. Zur Finanzierung des Harzer Urlaubstickets soll der Gästebeitrag ab dem Jahr 2022 erhöht werden, was dazu führt, dass die Uffestadt, die bereits jetzt den höchsten Beitrag in der Region nimmt, sogar den Spitzenplatz einnehmen könnte. Dieser Beschluss sorgte für Diskussionen. Gab es keine andere Möglichkeit der Finanzierung? Und auch in dem Zusammenhang: Da Bad Sachsa bereits von der Höhe des Beitrages in einer Liga mit Städten wie Wernigerode, Braunlage, Quedlinburg oder Bad Harzburg rangiert, spielt die Uffestadt mit ihrem touristischem Angebot auch in dieser Liga?

Sven Jung: Hatix wurde im Stadtrat kontrovers diskutiert, eine Mehrheit wollte sich Hatix anschließen. Die Stadt selber kann aber für die kosten nicht aufkommen, da wir damit die Drei-Prozent-Regelung der Freiwilligen Leistungen bei weitem überschreiten würden. Daher muss es aus den Gästebeiträgen gezahlt werden. Hier müsste dann aber bei anderen Veranstaltungen eingespart werden. Dies ist in meinen Augen der falsche Weg. Daher bleibt leider nur die Anhebung. Die Liste der Touristischen Attraktivitäten ist lang, vielleicht noch nicht so gut wie in Braunlage oder Harzburg, aber wir haben für jeden etwas.

Frank Kellner: 1. Dies mit 250 Zeichen zu beantworten ist unmöglich! In der Diskussion wurde von den Gegnern von Einsparungen an anderer Stelle gesprochen, jedoch keine Vorschläge gemacht, was wegfallen bzw. gestrichen werden soll. Die Holding sollten wir dafür nicht schwächen. 2. Die Höhe des Beitrags richtet sich nicht zwingend nach dem touristischen Angebot. Auf jeden Fall gibt es aber Potenzial, dieses in Bad Sachsa noch weiter auszubauen.

Daniel Quade: Dies erbat ich bereits 2019 durch den Geschäftsführer der Gesellschaften zu erarbeiten. Mir liegt bis heute nichts vor. Das Thema würde ich nach der Wahl intensiv mit diesem thematisieren. Zum Vergleich mit den Städten: Für den aktuellen Stand, ja. Für die Zukunft haben wir noch Potenziale.

6. Immer wieder in der Diskussion stehen im Rat und der Bevölkerung die Städtischen Gesellschaften. Sind diese gut aufgestellt, oder aber benötigen sie für ihre Arbeit in der Zukunft weitere finanzielle Mittel seitens der Stadt Bad Sachsa?

Sven Jung: Die Städtischen Gesellschaften haben 2019 mit sehr guten Zahlen abgeschlossen. Ich denke, wir sind hier auf dem richtigen Weg. Allerdings werden wir das Bad immer mit Geld aus dem Städtischen Haushalt unterstützen müssen. Ich kenne aber so gut wie kein Bad, das schwarze Zahlen schreibt.

Frank Kellner: Die Gesellschaften bekommen vereinbarte Summen, mit denen sie planen können. Ein Mehr aus der Stadtkasse sehe ich derzeit nicht. Mehr Gäste bedeuten allerdings mehr Gästebeiträge, und das eröffnet Spielräume.

Daniel Quade: Erst einmal ist genau zu prüfen, wie genau die bereits zufließenden Mittel verwendet werden und/oder ob diese nicht noch zielgerichteter verwendet werden können. Wir haben auch noch andere Aufgaben, wie z.B. die Kitas, den Wald und die Grünpflege, um nur einige wenige zu nennen.

7. Die Corona-Pandemie hat/wird das Leben der Menschen nachhaltig verändern. Welche Lehren muss ein Bürgermeister der Stadt Bad Sachsa aus den vergangenen Monaten ziehen? Welche Schritte können vor Ort unternommen werden, damit Einwohner und Betriebe möglichst unbeschadet die Krise überstehen?

Sven Jung: Bad Sachsa hat die Pandemie bis jetzt ganz gut verkraftet, hier zeigt sich ein kleiner Vorteil des Tourismus. Unsere Gewerbesteuer-einahmen sind nicht so stark eingebrochen wie in Städten mit mehr Industrie. Für die Zukunft müssen wir unseren Haushalt mit noch mehr Sicherheit planen, um solche Krisen besser zu bewerkstelligen. Die meisten Handwerksbetriebe sind gut durch die Pandemie gekommen, lediglich die Materialversorgung war in Bereichen etwas schwierig.

Frank Kellner: „Lehren“ suggeriert, es sei etwas falsch gelaufen. Viel gelernt haben wir tatsächlich, z.B. welches touristische Potenzial Bad Sachsa hat. Es gilt, dieses durch gezieltes Marketing auszubauen, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Daniel Quade: Die Digitalisierung als zusätzliches Angebot, auch in der Verwaltung, hat einen enormen Schub erlebt. Dort heißt es jetzt den Ball aufzunehmen und dran zu bleiben. Zudem gilt es zusammenzuhalten, lokal einzukaufen, regionale Handwerker beziehungsweise Unternehmen zu beauftragen, etc.

8. Der Zukunftsvertrag läuft langsam aus. Hat sich der Abschluss aus Ihrer Sicht bislang gelohnt? Was für positive oder negative Auswirkungen hat er mit sich gebracht, konnte damit Bad Sachsas Zukunft gestaltet werden?

Sven Jung: Ich denke der Abschluss war genau richtig, auch wenn uns in vielen Bereichen Opfer abgefordert worden sind. Positiv ist, dass unser Schuldenstand drastisch gesunken ist. Negativ ist, dass wir so viel Personal abgebaut haben und dadurch die Überlastung des verbliebenen Personals recht hoch ist.

Frank Kellner: Der Vertrag ist ein Kompromiss. Er hat die Handlungsspielräume stark eingeengt, aber auch zum Schuldenabbau geführt. Gestaltung ist trotzdem möglich, dauert aber entsprechend länger.

Daniel Quade: Es hätte besser verhandelt werden können. Bei der Masse an Steuererhöhungen, die damit einhergingen, sieht es für mich nicht nach „Verhandlungen“ aus. Da dieser Vertrag zeitnah ausläuft, befasse ich mich aber nicht mehr damit. Ich konzentriere mich darauf, dass das, was danach kommt, für uns besser wird.

9. Bad Sachsa bezeichnet sich gern als die „Perle des Südharzes“. Was genau macht sie dazu? Was ist ihr Lieblingsort in der Stadt? Was zeichnet Bad Sachsa und die Ortsteile besonders aus?

Sven Jung: Bad Sachsa ist eine ruhige Stadt mit guter Luft, sehr vielen Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen (Schwimmbad, Eishalle, Regenbogenland, Kletterhalle, Märchengrund, Harzfalkenhof und die Museen) und wunderbaren Orten (Ravensberg, Kukanstal, Reinhardsquelle, Brockenblick und vieles mehr). Mein Lieblingsort ist der Ravensberg. In den Ortsteilen gibt es einen guten Zusammenhalt und eine sehr gute Vereinsarbeit.

Frank Kellner: 1. Die Lage, das Klima und vor allem wir, die Einwohner. 2. Die Außenterrasse auf dem Ravensberg bei Sonnenschein nach einer Wanderung mit einem Stück Kuchen. 3. Die Menschen sind aufgeschlossen und liebenswert. In den Ortsteilen ist der Zusammenhalt etwas Besonderes.

Daniel Quade: 1. Bad Sachsa liegt auf der Sonnenseite des Südharzes. Unsere Lage ist wirklich besonders und unser gesundes Klima hat einen großen Erholungswert. 2. Der Schmelzteich. 3. Das Gesamtpaket ist der ideale Mix. Aber vor allem durch die Menschen, die in ihr leben, wird eine Stadt lebenswert.

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10. Was möchten Sie nach den ersten 100 Tagen Amtszeit erreicht haben?

Sven Jung: Nach den ersten 100 Tagen möchte ich die Verwaltung personell gut aufgestellt haben, damit wir uns dann auf die anderen Arbeiten konzentrieren können.

Frank Kellner: Zunächst möchte ich alle politischen Akteure in Bad Sachsa an einem Tisch zusammenbringen. Außerdem will ich für meine neuen Projekte Kompetenzteams zusammenstellen und die Umsetzung vorantreiben.

Daniel Quade: Vor allem möchte ich die verwaltungsspezifischen Abläufe verinnerlicht und einen guten Draht zu den Mitarbeitern entwickelt haben, denn diese spielen eine ganz entscheidende Rolle, um unsere Ziele zu erreichen. Gemeinsam müssen Konzepte entwickelt und weitere Schritte geplant werden.

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