Bitte wertschätzen: die Bedürfnisse des Pflegepersonals

Bad Lauterberg  Martin Ludwig berät Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft und ist mit seinem Büro in die Lauterberger Innenstadt umgezogen. Was er Chefs empfiehlt.

Willkommen am neuen Standort: Martin Ludwigs Büro ist jetzt in der Innenstadt von Bad Lauterberg.

Willkommen am neuen Standort: Martin Ludwigs Büro ist jetzt in der Innenstadt von Bad Lauterberg.

Foto: Kjell Sonnemann / HK

Vier Millionen Pflegebedürftige gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Sie und ihre Angehörigen wünschen sich, dass die zumeist älteren Menschen fachlich und fürsorglich versorgt werden. Dafür braucht es auch zufriedenes Pflegepersonal. Das weiß Martin Ludwig genau. Er berät seit gut 20 Jahren Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft. Er empfiehlt den Chefs, mitarbeiterorientiert zu arbeiten, auf die Bedürfnisse des Personals zu achten und diese wertzuschätzen. Jetzt ist sein Lauterberger Büro von der Hüttenstraße in die Innenstadt umgezogen.


Am Eingang ist ein orangefarbener Gecko zu sehen – das Tier ist seit einem Besuch Hawaiis in jungen Jahren sein Markenzeichen geworden. Die dortigen Mini-Geckos machten Geräusche, kommunizierten so miteinander, erinnert sich der 52-Jährige. Um Kommunikation geht es auch bei seiner Beratertätigkeit: Er hört zu, fragt nach, gibt Wissen weiter.


Oft geht es darum, Betriebe bei der Gründung zu unterstützen. Das sind zum Beispiel Tagespflegen, Seniorenheime, Kliniken und Arztpraxen. Alleine im vergangenen Jahr haben Martin Ludwig und seine fünf Mitarbeiter 20 Gründungen begleitet – trotz der Corona-Pandemie. Zwischen der Gründung seines eigenen Unternehmens 1999 und dem Jahr 2019 „haben wir 350 Millionen Euro Unternehmenswerte geschaffen“, sagt er stolz.

Beratermodell besteht aus drei Teilen

Sein Beratermodell fußt auf drei Modulen, die der Diplom-Ökonom beim Redakteursbesuch erläutert. Zunächst geht es darum, einen Businessplan aufzustellen, also das Vorhaben in Wörtern und Zahlen auszudrücken, die man dann etwa dem Kreditinstitut präsentieren kann. 100.000 Euro sind für die Gründung etwa eines ambulanten Pflegediensts nötig, für stationäre Einrichtungen sind es 80.000 Euro pro Platz, verdeutlicht der Fachmann.


Damit hat Beratungsmodul Zwei schon begonnen: Hilfe bei der Finanzierung. Es geht nicht nur darum, Geld zum Investieren zu bekommen, sondern auch zum Beispiel um Verträge mit Pflegekassen abzuschießen, um überhaupt zugelassen zu werden. Ludwig berät ebenso, wenn es um die jährlichen Pflegesatzverhandlungen geht. Denn die Leistungen des künftigen Betriebes sollen vernünftig abgerechnet werden. „Einmal waschen ist teurer als ein Döner“, verdeutlicht er.


Das Coaching ist das wohl wichtigste Modul. Existenzgründer werden während des laufenden Betriebs begleitet, damit sie wirtschaftlich nichts übersehen. Seine Klienten sollen so Sicherheit haben, sagt Ludwig. Das Gesamtkonzept wird gut angenommen. Die betreuten Unternehmen befinden sich in Niedersachsen – in Hannover ist sein zweiter Standort –, Hamburg und Schleswig-Holstein.


Mit der neuen Präsenz im Südharz hofft Ludwig, auch Klienten in Thüringen und Sachsen-Anhalt gewinnen zu können. Darum findet er es gut, Geschäftsräume im Zentrum der Kneippstadt zu haben, gesehen zu werden. Obwohl eigentlich schon die Mund-zu-Mund-Propaganda ausreicht.

Hochschuldozent und Doktorand

Ludwig ist zudem als Hochschuldozent und in der Erwachsenenbildung tätig. Er lehrt in der Pflegewissenschaft. Dabei geht es etwa darum, die Arbeit im Hintergrund wie organisatorische Abläufe und Dokumentation effizient zu erledigen, um möglichst viel Zeit für die eigentliche Pflege des Menschen zu haben.


Privat hat der Lauterberger auch Kontakt zur Hochschule: Vor kurzem, im Alter von 50 Jahren, hat er mit seiner Doktorarbeit begonnen. Er erforscht das Humankapital, menschliche Fähigkeiten, die einen Wert für das Unternehmen darstellen. Die sollten erkannt und gefördert werden, um die Motivation der Mitarbeiter zu erhöhen. Das ist in der Gesundheitswirtschaft stets wünschenswert.

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