Bei Gleisarbeiten in Barbis nicht an Fußgänger gedacht

Barbis.  „Richtiger Schildbürgerstreich“: Der Bahnübergang in Barbis ist wegen Bauarbeiten gesperrt – an die Fußgänger hat dabei anscheinend keiner gedacht.

Detlev Koch am gesperrten Bahnübergang in Barbis

Detlev Koch am gesperrten Bahnübergang in Barbis

Foto: Martin Baumgartner / HK

„Das ist ein richtiger Schildbürgerstreich“, sagt Detlev Koch im Gespräch mit unserer Zeitung, als er die Situation an der Bahnhaltestelle in Barbis schildert.

Er wohnt in Bad Lauterberg und war am vergangenen Freitag mit dem Zug nach Hamburg gefahren. Seine Bahnfahrt begann in Barbis. Dort hatte er sein Auto auf dem Parkplatz für Fahrgäste der Bahn abgestellt und war in den Regionalzug Richtung Göttingen gestiegen. Als er am Montagmittag wieder mit dem Zug nach Nordhausen zurückkam, stieg er in Barbis auf der anderen Seite der Gleise aus.

Wie geht’s zum Auto?

Als er jedoch zu seinem Auto auf dem Parkplatz gehen wollte, stand er vor einem gesperrten Bahnübergang. Dort werden nämlich in dieser Woche die Gleise neu gestopft. „Die Baustelle war am Freitag, als ich abgereist bin, noch nicht da“, sagt Koch, der sich fragte, wie er nun zu seinem Wagen kommen sollte.

Der Verkehr wurde durch die Unterführung in der Großen Gasse umgeleitet. Doch wie Fußgänger, insbesondere die Fahrgäste der Bahn, auf die andere Seite gelangenkönnen, darüber hatte man sich bei der Deutschen Bahn, dem Auftraggeber der Arbeiten, offenbar keine Gedanken gemacht.

1,7 Kilometer Fußmarsch

Der Weg durch die Unterführung war von der Haltestelle in Richtung Nordhausen jedenfalls nicht ausgeschildert, zumal es ein 1,7 Kilometer langer Fußmarsch ist, um etwa zum Parkplatz oder zu den Bushaltestellen auf der anderen Seite zu gelangen.

Das war auch für eine Mutter mit einem Kleinkind und einem Kinderwagen ein großes Problem, wie Koch erlebte: „Die Frau wollte einen Bus erreichen und hatte bloß 10 Minuten Zeit.“

Auch blinde Bahnreisende waren betroffen

Die dort tätigen Bauarbeiter waren sich des Problems zwar bewusst, wie sie im Gespräch einräumten, doch hätten sie keinen Auftrag, zum Beispiel einen provisorischen Bahnübergang für Fußgänger einzurichten. Sie dürften auch niemanden ermutigen, die Gleise auf eigenen Gefahr zu überqueren, betonten sie. Wie sich im Gespräch herausstellte, waren am Montag auch zwei blinde Bahnreisende von dem Problem des gesperrten Bahnübergangs betroffen.

Provisorium für Fußgänger eingerichtet

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn antwortet auf unsere Anfrage zu der Situation am Dienstag, dass „die bauausführende Firma erst heute Morgen ein Provisorium für Fußgänger und schiebende Radfahrer in Betrieb genommen. Diesen Umstand bedauern wir sehr. Die Bahnübergangs-Technik ist weiterhin in Betrieb, sodass der Restverkehr weiterhin geregelt wird. Jedoch ist es sträflicher Leichtsinn, verbunden mit akuter Lebensgefahr, widerrechtlich die Gleise zu überqueren.“ Die Arbeiten sollen bis Donnerstagnachmittag dauern.

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