Seine humanitäre Arbeit darf nie enden

Bad Lauterberg.  Der Bad Lauterberger Dr. Klaus Winter spricht anlässlich seines 75. Geburtstages im Interview darüber, wie wichtig soziales Engagement ist.

Dr. Klaus Winter engagiert sich für das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete.

Dr. Klaus Winter engagiert sich für das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete.

Foto: Privat

Wir möchten die Zeit heute ins Jahr 1981 zurückdrehen... damals wurde die Niedersächsische Patenschaft für Lepra-Gebiete durch den Göttinger Zahnarztkollegen Carl Heinz Bartels gegründet, sechs Jahre danach – 1987 – seine Stiftung. Dr. Klaus Winter aus Bad Lauterberg war vom ersten Tage an mit dabei, zuerst als Kuratoriumsmitglied, später als Vorsitzender des HDZ. In den darauffolgenden 33 Jahren hat er sich mit Herzblut und Engagement für das Bestehen der Stiftung eingesetzt und – gemeinsam mit Partnerorganisationen – notleidenden Menschen in aller Welt geholfen, ihr Leben etwas besser zu machen. Sie erhielten Schulbildung, medizinische Versorgung und Nothilfen nach Naturkatastrophen. Es wurden Leprazentren errichtet, Waisenhäuser gebaut, (Zahn-)Kliniken in Betrieb genommen und vieles mehr. Jedes Jahr fördert das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete (HDZ) rund 50 humanitäre Projekte im In- und Ausland mit einem Investitionsvolumen von rund 550.000 Euro. Heute wird Dr. Klaus Winter 75 Jahre alt. Im Interview spricht er über seine humanitäre Arbeit, die nie enden darf.

Dr. Winter, Sie haben sich Ihr halbes Leben lang für das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte engagiert und unglaublich viel für die notleidenden Menschen auf der Welt getan. Wo steht das HDZ heute und wie sehen Sie die Zukunft?

Ja, ich bin seit Anbeginn dabei und auch geblieben. Das HDZ hat immer in der Projektarbeit neben der Leprahilfe und der Errichtung zahnmedizinischer Versorgungszentren auf die Bildung von Kindern und Jugendlichen einen besonderen Akzent gesetzt. Zahlreiche Waisenhäuser, Kindergärten und vor allem Ausbildungsstätten wurden gebaut und finanziert. Mit dem Führungswechsel vor drei Jahren konnte rechtzeitig die notwendige „Verjüngung“ eingeleitet werden. Mein jahrelanger Stellvertreter und Wegbegleiter, Dr. Klaus-Achim Sürmann, hat jetzt den Vorsitz inne und ich bleibe weiterhin sein noch nicht müde werdender Co-Partner – solange es mir gegönnt ist. Also, ich schaue ganz hoffnungsvoll in die Zukunft.

Wenn Sie die Arbeit des HDZ von heute mit der Arbeit von vor 30 Jahren vergleichen – was hat sich verändert?

Wer einmal das unendliche Leid in den Vororten einer südamerikanischen Großstadt, die überfüllten Etagen eines Armenkrankenhauses, das Dahinvegetieren in den Hütten der Leprakranken, die nach wie vor als Aussätzige geächtet sind, miterlebt und gesehen hat, der weiß, dass jeder Tropfen Hilfe ein Stück Hoffnung bringt und das Leben der Betroffenen lebenswerter macht. Es hat sich daran in den vergangenen 30 Jahren nicht viel geändert. Und so ist auch die Arbeit des HDZ gleich geblieben.

Doch um helfen zu können, benötigt das Hilfswerk eine großzügige Spendenbereitschaft. Sie ist die überwiegende Voraussetzung, um Leid zu lindern. Noch immer sind die Erlöse unserer Altgoldsammlung der finanzielle Grundstock aller Hilfsprojekte. Doch die Erträge zu Beginn des Jahrhunderts waren ergiebiger, jetzt müssen wir noch vorhandene Ressourcen mit anderen „Mitbewerbern“ teilen. Diese kleineren Hilfseinrichtungen tun zweifellos ebenfalls Gutes, aber der Spenden-Kuchen wird kleiner, da auch die Menge des ausgedienten Edelmetalls weniger wird. Daher werden die Spendenakquise und die Öffentlichkeitsarbeit auch künftig wichtige Tätigkeitsschwerpunkte für uns bleiben.

Wir sind froh und dankbar, dass uns die Zahnärztekammer Niedersachsen seit der Stiftungsgründung in diesen Punkten zur Seite steht und seit 14 Jahren auch die Bundeszahnärztekammer mit ihrer Schirmherrschaft.

Die Corona-Krise hat in den vergangenen Monaten die Arbeit des HDZ stark beeinträchtigt. Was waren die größten Herausforderungen? Und wie war es überhaupt möglich, noch zu helfen?

War noch vor wenigen Monaten die Völkerwanderung in Richtung Europa aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Nigeria, Äthiopien und Eritrea im medialen Fokus, bestimmt heute die Pandemie die aktuellen Schlagzeilen. Und da sich die vorhandenen Nöte der Menschen in den genannten Ländern und anderswo durch Lockdown, Arbeitslosigkeit, Ausgangssperren und Hunger erheblich verschlimmert haben, hat das HDZ vor Wochen zu seinen Partnern Kontakt aufgenommen und mit Soforthilfen für den Kauf von Schutzausrüstungen und Lebensmitteln sorgen können.

Leider musste ich im März auch eine lange vorbereitete Projektreise nach Madagaskar stornieren. Hier stand die Einweihung einer HDZ-Grundschule für 250 Schülerinnen und Schüler an.

Welches sind die drei größten Projekte, die das HDZ derzeit fördert, oder neu initiiert?

Wir haben auch in diesem Jahr „unsere“ Leprazentren in Indien und China gefördert. Bei einer zusätzlichen Covid-Infektion sind die ehemals Leprakranken zusätzlich gefährdet. Auch wurden großzügige Investitionen für einen Anbau des HDZ-Lehrrestaurants in Saigon, für ein Kinderheim im Mekong-Delta und eine Berufsschule in Lemberg bereitgestellt. Wiederum ging es auch hierbei um Bildungsprojekte, die der nachrückenden Generation bessere Zukunftsperspektiven vor Ort bieten sollen. Insgesamt konnten Hilfsmaßnahmen in den ersten sechs Monaten mit fast 350.000 Euro realisiert werden.

Welche Auswirkungen wird Ihrer Meinung nach die Corona-Pandemie für die Entwicklungsländer haben und was werden wir in Europa davon spüren?

In den armen Ländern sind viele Tagelöhner derzeit verzweifelt unterwegs, um in den Zeiten der Pandemie irgendwie zu überleben. Das HDZ hat weltweit Partner, die mit unseren relativ bescheidenen Mitteln wenigstens den Hunger für eine gewisse Zeit stillen können. Die sogenannte Wertegemeinschaft muss sich aber – trotz eigener, unübersehbarer Sorgen – noch mehr mit ihnen solidarisch zeigen. Durch die Globalisierung ist zwar die europäische Wirtschaft in Corona-Zeiten in eine verheerende Zwickmühle geraten, da viele Zulieferfirmen in den Entwicklungsländern ausgefallen sind, aber es bleibt zu hoffen, dass sich nach dieser weltweiten Krise eine neue, eine menschlicherer Partnerschaft bilden wird und muss.

Wenn Sie sich für das HDZ etwas wünschen dürften zu Ihrem 75. Geburtstag – was wäre das?

„Viele Menschen, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern!“ (afrikanische Weisheit). Mein größter Wunsch ist, dass nicht nur die deutsche Zahnärzteschaft mit großen Schritten – ganz nach dem Motto „Gutes Leben – gutes geben“ –, sondern auch ihre Patienten das HDZ noch mehr unterstützen mögen. Selbst in die Jahre gekommen, denke ich auch an andere mögliche Spenden, die über die Gegenwart hinausgehen: zum Beispiel Zukunft gestalten mit einer Testament- oder Gedenkspende. Was bedeutet das? Es gibt sicherlich für jeden von uns Momente, in denen wir über das Leben nachdenken, zurückschauen und uns vielleicht auch fragen: „Was bleibt?“ Vielleicht haben Menschen den Wunsch, etwas zurückzugeben und anderen zusätzlich zu helfen. Themen, die einem am Herzen liegen, können eventuell über die eigene Lebenszeit hinaus weiter unterstützt werden. Oft werden diese Überlegungen auf später verschoben. Doch es lohnt sich, über Vermächtnisse und den eigenen letzten Willen nachzudenken.

Wenn dann das HDZ ein Begünstigter wäre, kann es auch künftig humanitäre Hilfsprojekte organisieren und finanzieren. Diese Form der Spende wirkt also weit über die Gegenwart hinaus und schenkt Hoffnung und Zuversicht. Denn ein rechtzeitiges soziales Engagement steht für eine gelebte Zuwendung zu Menschen, die sich selbst nicht helfen können.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder