Tagesbetreuung

Posthof Badenhausen: Von Party-Scheune zur psychischen Hilfe

| Lesedauer: 4 Minuten
Die examinierte Krankenschwester Ute Reinhard mit „Cenzor“ und dem Katzennachwuchs „Purzel“. Die Tiere stehen bei der Tagesbetreuung hilfreich zur Seite.

Die examinierte Krankenschwester Ute Reinhard mit „Cenzor“ und dem Katzennachwuchs „Purzel“. Die Tiere stehen bei der Tagesbetreuung hilfreich zur Seite.

Foto: Petra Bordfeld / HK

Badenhausen.  Neue Tagesstätte „Gezeitenwende“ öffnet für Erwachsene mit chronischen psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen und seelischen Behinderungen.

Wer von der Kreisstraße, die von Eisdorf nach Teichhütte führt, in Richtung Badenhausen abbiegt, kann sehen, dass sich auf dem historischen Gutdenkmal am Posthof mit der Eröffnung einer Tagesstätte zu Badenhausen eine reale Gezeitenwende vollzogen hat. Dafür haben die examinierte Krankenschwester Ute Reinhardt, die vielen aus ihrer Arbeit als Leiterin eines Seniorenheimes bekannt sein dürfte, und ihre beste Freundin Carola Camp sowie Rudolf Müller, Eigentümer des Posthofes, gesorgt.

Um vorzustellen, was sich hinter den Gemäuern der ehemaligen Party-Scheune getan hat und noch tun wird, hatten die beiden Frauen zu einem informativen Eröffnungstreffen eingeladen, an dem auch Pfarrer Thomas Waubke und Ortsbürgermeister Erich Sonnenburg teilgenommen haben.

Erich Sonnenburg sprach den beiden Initiatorinnen der Tagesbetreuung „Gezeitenwende“ große Anerkennung für deren Mut aus, eine Sache aufzubauen, die er so noch nicht kennt. „Diese Gezeitenwende ist große Klasse, und ich bin überzeugt davon, dass sie auf den richtigen Weg abgebogen sind.“ Bevor er einen Umschlag überreichte, wünschte er ihnen viel Spaß, Kraft und Erfolg beim Gehen eben dieses Weges.

Tagesstätte „Gezeitenwende“ – Woher kommt der Name?

„Wie sind Sie auf den Namen Gezeitenwende gekommen?“, wurde gefragt. Ute Reinhardt erklärte, dass sie erst einmal überlegt hätten, welcher Begriff genau das ausdrückt, was sie erreichen wollen. Und Carola Camp, die immer mit starken Schultern hinter ihr stünde, sei auf die Idee gekommen, dass ja jetzt die Zeit für eine Wende eingeläutet werde. Und genau die rufe dazu auf, loszulassen, und eine Wendung bei Betreuung und Überlegungen zu nehmen.

„Und wir wollen erwachsene Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen, Suchterkrankungen und seelischen Behinderungen mit mehr beschäftigen, als ausnahmslos mit Malerei.“ Den Betroffenen wolle man bei der Bewältigung des Alltages helfen. Jeder einzelne Klient und jede Klientin, für die insgesamt 24 Plätze zur Verfügung stehen, soll aus der soziale Isolation herausgeholt und ins Leben zurückbegleitet werden.

Tierische Unterstützung

Dabei werden ihnen die Pferde, Hunde und Katzen hilfreich zur Seite stehen, die hier zur Tagesbetreuung gehören. Denn die tierischen „Mitarbeiter“ stehen auf dem Grasland der benachbarten „Ponderosa“, die anderen Vierbeiner auf dem Gelände des Posthofes.

„Das Medium Tier lässt sich gut einbringen, um Menschen zu unterstützen.“ In diesem Zusammenhang versicherte sie, dass die unendlich lange Corona-Zeit nicht so ruhig an ihr vorbeigegangen wäre, wenn sie nicht ihre Tiere gehabt hätte. Die Geschäftsführerin betonte aber auch, dass niemand gezwungen werden wird, eines der Tiere zu berühren. Bereits ein Augenkontakt könne auch schon Berge versetzen.

Ein Stück zu Hause fühlen

Im Mittelpunkt stünde die Zufriedenheit der Klienten. „Wir konnten auch einen Facharzt gewinnen, der regelmäßig vorbeischaut“. Übrigens hätte bereits eine zukünftige Klientin reingeschaut und sich bei dem ersten Besuch so wohl gefühlt, als sei sie zu Hause angekommen. „Und genau das wollen wir, dass alle sich ein Stück zu Hause fühlen und gerne herkommen.“

Auf die Frage, wie ein Tag so aussehen könnte, sagte Reinhardt, er beginne mit einem gemeinsamen Frühstück, bei dem alle an einer langen Tafel sitzen und den neuen Tag besprechen.

Wie ein Tag aussehen soll

Es gibt fünf Zimmer, die unterschiedliche Angebote beherbergen. Der eine Raum ist eine Werkstatt, im nächsten kann gekocht und gebacken werden. Basteln und Weiteres erfolgt im nächsten Raum. Auch für Entspannung ist ein Raum vorhanden. Eine Gruppe macht sich zudem auf den Weg zur Ranch. Diese Aufteilung werde wöchentlich gewechselt.

Beim gemeinsamen Mittagessen werde der Nachmittag grob kalkuliert. Wer möchte, darf sich in den Umgang mit dem Computer und der Fotokamera einweihen lassen, andere dürfen auch auf den benachbarten Sportplatz oder einfach spazieren gehen oder Fahrrad fahren. Geplant sei auch mal eine Tagesfahrt, die aus Spenden finanziert werden soll. Den Grundstein dafür habe der Umschlag von Erich Sonnenburg gelegt.

Anschließend besichtigten die Gäste die liebevoll gestalteten Räume. Weitere Informationen gibt es unter www.gezeitenwende.com.

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