Wolfsburgs Hoffnungsträger heißt Aeroliner

Wolfsburg.  Der VW-Aufsichtsrat hat ein E-Modell für das Stammwerk genehmigt. Es soll 2025 oder 2026 vom Band laufen und zu Tesla aufschließen.

ID.3-Produktion im VW-Werk Zwickau. Die Fabrik ist Vorbild für den Aufbau einer Elektro-Auto-Fertigung in Wolfsburg.

ID.3-Produktion im VW-Werk Zwickau. Die Fabrik ist Vorbild für den Aufbau einer Elektro-Auto-Fertigung in Wolfsburg.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Die vergangenen Monate waren aus Sicht der Wolfsburger VW-Beschäftigten alles andere als ermunternd. Zwar sorgte und sorgt Corona vielerorts für Sorgenfalten, in Wolfsburg sind sie aber noch etwas tiefer. Die am Mittellandkanal gefertigten Modelle Golf und Tiguan verkaufen sich schleppend, das Werk ist alles andere als gut ausgelastet. Und während die VW-Welt außerhalb Wolfsburgs auf Elektro-Mobilität umgestellt wird, bläst im Stammwerk der alte Wind des Verbrenners. Perspektive sieht anders aus. Das soll nun alles ganz anders werden, nachdem der Aufsichtsrat des Autobauers vergangene Woche entschieden hat, „der Konzernsitz Wolfsburg soll mittelfristig die richtungsweisende Fabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektrofahrzeugen werden“ – und damit eine Forderung des Betriebsrats erfüllt. Ein Modell gibt es auch schon, Arbeitsname des Hoffnungsträgers: Aeroliner. Der Name ist nach Informationen unserer Zeitung bereits beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet.

Volumenmodell soll Maßstäbe setzen

In der Ankündigung des Aufsichtsrats heißt es weiter, dass in Wolfsburg „das künftig führende Elektrofahrzeug der Marke Volkswagen Pkw auf der Grundlage hoch produktiver und auch in Bezug auf Kosten wettbewerbsfähiger Standortbedingungen gebaut werden“ soll. Dabei werde es sich um ein Volumenmodell handeln, also ein Auto, das in hoher Stückzahl gebaut wird, wie unsere Zeitung erfuhr. Und dieses Modell soll technisch das Neueste beinhalten, was VW zu bieten hat.

Tesla soll eingeholt werden

Dazu gehört die dann neueste Batterie-Generation mit entsprechenden Reichweiten. Außerdem soll das Auto mit einer Software ausgerüstet sein, die von der neuen, in Ingolstadt beheimateten Car-Software-Organisation entwickelt wird. Mit einem für die VW-Konzernmodelle einheitlichen Betriebssystem will der Autobauer nichts weniger als zum Software-Primus Tesla aufschließen. Wolfsburg wäre also nicht mehr, wie es aktuell anmutet, abgehängt, sondern die innovative Speerspitze des Unternehmens.

300.000 Autos jährlich nicht unrealistisch

Wie unsere Zeitung erfuhr, sind auch die Erwartungen, beziehungsweise die Ansprüche an das Produktionsvolumen groß. Eine Jahresfertigung um die 300.000 Fahrzeuge scheint nicht unrealistisch. Das wäre ein echtes Pfund für das Stammwerk. Zum Vergleich: In guten Jahren werden um die 800.000 Autos in Wolfsburg gebaut, die Kapazität reicht bis zu eine Million. In diesem Jahr kratzt das Produktionsvolumen aber gerade mal an der 500.000er-Marke. Anders ausgedrückt: Dem Werk fehlt es an Auslastung, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Da wäre ein neues Volumenfahrzeug hoch willkommen.

Mischung aus SUV, Coupé und Limousine

Deshalb stand ein zusätzliches Modell für Wolfsburg ganz oben im Forderungskatalog des VW-Betriebsrats. Und zwar ein elektrifiziertes Modell, um eine Perspektive zu schaffen. Zugesagt worden war bisher nur ein zusätzliches großes SUV, bis vergangene Woche die Entscheidung für den Stromer fiel. Der soll im Design ebenfalls hervorstechen, wohl in Richtung Cross Coupé gehen. Das ist gestalterisch der neueste Schrei – das Auto wäre eine Mischung aus SUV, Coupé und Limousine.

Zwickau ist Vorbild

Vorbild für die künftige hochautomatisierte Produktion in Wolfsburg ist das sächsische Werk Zwickau. Das wurde von der Verbrenner- auf die E-Fahrzeug-Produktion umgerüstet. „Mit rund 1700 Robotern, fahrerlosen Transportsystemen und voll-automatisierten Fertigungsprozessen zeigt Zwickau, wie eine zukunftsweisende Volumenproduktion von Elektroautos heute aussieht“, heißt es in einer Presseerklärung des Unternehmens vom Oktober 2019.

Anlauf 2025 oder 2026

Bis das neue Modell kommt, wird aber noch eine Menge Wasser Aller und Hasselbach herunterfließen. Das neue Modell soll 2025 oder 2026 vom Band laufen, wie Betriebsratschef Bernd Osterloh in einer Video-Botschaft an die Mitarbeiter ankündigte.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (9)