Ignacio Camacho wagt den nächsten Neustart

Wolfsburg.  Der 29 Jahre alte Spanier ist zurück beim VfL Wolfsburg und hat zeitnah zwei Wochen Quarantäne hinter sich.

Ignacio Camacho.

Ignacio Camacho.

Foto: Christian Schroedter / imago/Christian Schroedter

Als Ignacio Camacho letztmals für den VfL Wolfsburg in einem Pflichtspiel auf dem Rasen stand, hieß Wolfsburgs Trainer noch Bruno Labbadia, der Gegner im September 2018 war Borussia Mönchengladbach mit Coach Dieter Hecking. Die Partie in der VW-Arena endete 2:2, und Jörg Schmadtke hob danach die Bedeutung Camachos für das Team des VfL hervor. „,Cama’ ist“, sagte der Geschäftsführer, „unser Spiritus Rector, der Kopf der Mannschaft.“ Nun, knapp 550 Tages später heißt der VfL-Trainer Oliver Glasner, in Mönchengladbach coacht Marco Rose, und Camacho? Der hat wegen permanenter Probleme mit dem Sprunggelenk seit dieser Partie im September 2018 kein weiteres Pflichtspiel für die Wolfsburger mehr absolviert. Es ist ein Sportler-Drama mit ganz wenigen Höhen und sehr viel Tiefen. Der 29 Jahre alte Spanier hat sich nun aber mal wieder aufgerappelt für seinen nächsten Neustart. Doch auch der lief schleppend an.

Vor knapp zwei Wochen war Camacho aus seiner spanischen Heimat, wo er in Ruhe und vertrauter Umgebung für seine vollständige Genesung arbeitete, zurückgekehrt nach Wolfsburg. Doch wegen der Corona-Pandemie steckt er seitdem in freiwilliger Quarantäne. Glasner berichtet, dass der Mittelfeldspieler „ausschließlich individuelles Training zu Hause“ absolviere. Doch in der neuen Woche, so der Plan der Wolfsburger, soll Camacho dem Team, das derzeit in Kleingruppen trainiert, nähergebracht werden.

Eine Rückkehr auf den Platz in dieser Saison – wie auch immer sie fortgesetzt wird –, scheint wegen der Historie des Spaniers utopisch. Dabei hatte sie so verheißungsvoll begonnen.

Ende Juni bat Glasner seine neue Mannschaft zum Trainingsauftakt. Camacho war dabei. Der Spanier hatte zuvor neun Monate, seit ebenjenem 2:2 gegen Gladbach, mit seinem maladen Sprunggelenk im linken Knöchel gerungen. Der Spanier war der Hoffnung, dass der jüngste der vielen medizinischen Eingriffe der letzte bleiben kann. Im Testspiel gegen Rostock (2:1) feierte er dann sein Comeback. Die pure Freude stand ihm ins Gesicht geschrieben. Aber sie hielt nur kurz.

Denn sein Sprunggelenk reagierte auf die Belastung. Und es warf ihn wieder aus der Bahn. Das Trainingslager in Schladming muss für Camacho nicht nur körperlich, sondern besonders mental eine Folter gewesen sein. Denn während seine Kollegen fußballerisch, taktisch und körperlich aufs nächste Level gehoben wurden, konnte der Spanier vom Nebenplatz aus nur zusehen und einfachste Lauf- wie Koordinationsübungen absolvieren. Meist barfuß, um die Gelenkstruktur zu stärken. Ende August bei Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius schlich Camacho mit einem überdimensionalen orthopädischen Schuh durch die VW-Arena. Glasner erklärte: „Er hat permanent Schmerzen.“

Da die aber auch trotz der Sonderbehandlung durch den Spezialschuh nicht vergingen, reiste Camacho zurück in seine Heimat. Über Weihnachten war er zur Kontrolle in Wolfsburg, flog aber wieder zurück. Jetzt wagt er den nächsten Genesungsschritt.

Wie geht es weiter? Sein Vertrag beim VfL endet im Sommer 2021 nach vier Jahren. Bisher hat er nur 17-mal in der Bundesliga für die Wolfsburger gespielt. Kommt noch eine Partie hinzu? Glasner sagt: „Er ist für diese Saison nicht mehr eingeplant, eher für die nächste.“ Ein 18. Einsatz würde dem Drama ein Happy End verpassen.

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