Oliver Glasner: Rechnen hilft uns nicht in Köln

Wolfsburg.  Der Trainer des VfL Wolfsburg will die Aufholjagd Schritt für Schritt gehen – und ohne große Worte.

Oliver Glasner.

Oliver Glasner.

Foto: Darius Simka/regios24 / regios24

Für den VfL Wolfsburg ist die Winterpause vorbei, mit dem Bundesliga-Spiel am Samstagnachmittag beim 1. FC Köln beginnt die Rückrunde – und die Aufholjagd. Denn der Klub hat die Hinrunde auf Rang 9 abgeschlossen, gab aber im Wintertrainingslager in Portugal offensiv das Ziel Europapokal-Qualifikation aus. Dafür muss das Team nach Ansicht von Geschäftsführer Jörg Schmadtke 30 Punkte holen – mindestens. Das Rechnen beginnt mit Anpfiff der FC-Partie. Einer hat jedoch keine Lust auf Mathematik: Oliver Glasner. „Wir wollen uns nach oben orientieren“, sagt Wolfsburgs Trainer zwar. „Aber wenn wir jetzt zu rechnen beginnen, hilft uns das genau gar nicht fürs Köln-Spiel. Genau gar nicht.“

Der 45 Jahre alte Österreicher will bei seiner Strategie bleiben und eine Aufgabe nach der anderen abarbeiten. Glasners Aufholjagd geht Schritt für Schritt voran. Das klingt dann in der öffentlichen Wahrnehmung weniger spannend und offensiv als bei anderen Akteuren, aber Glasner war schon als Aktiver ein Defensivspezialist.

Die Aufholjagd ist dennoch sein klares Ziel. Und dafür fordert er von seinen Spielern vollen Einsatz. „Die Zielsetzung ist die eine Sache“, sagt er. „Entscheidend ist aber, dass bei jedem die Bereitschaft stimmt, alles für das Ziel zu investieren.“ Denn: „Wir sind nicht das einzige Team, das die internationalen Plätze erreichen will.“

Das Trainingslager in Portugal bewerten alle Beteiligten äußerst positiv. Weil die Spieler ihre Fitness über die kurze Weihnachtspause hinweg transportieren konnten, konnte der Trainer andere Bereiche ansteuern. Seine Rezeptliste für eine erfolgreiche Rückrunde klingt daher so: „Wir wollen Dinge wie die defensive Kompaktheit, die wir bisher gut gemacht haben, weiter stabilisieren. Vor der Weihnachtspause war auch bei unseren Torchancen ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Daran wollen wir anknüpfen, obwohl wir in den Spielen für unsere guten Leistungen nicht viele Punkte geholt haben.“ Das sind Glasners Themen: die Stärken stärken und die Schwächen schwächen. „Es gibt viel zu tun“, sagt der Österreicher.

Nicht nur der offensive Aufwärtstrend, der mit einer Systemumstellung einherging, gibt dem Trainer ein gutes Gefühl für die Rückrunde. Auch die Comebacks von Xaver Schlager und Daniel Ginczek sorgen für mehr Möglichkeiten im VfL-Kader. Schlager hat nach seinem Knöchelbruch schon gezeigt, dass er in jedem Spiel den Unterschied ausmachen kann. Und Ginczek, der wegen einer Rücken-OP ausgefallen war, erhöht die Variabilität im Angriff, der allein von Wout Weghorsts Form abhängig und daher oft zu leicht berechenbar war.

Das positive Grundrauschen darf nur nicht dafür sorgen, dass jemand nachlässt. Wie etwa am Ende des Trainingslagers. In den Tests gegen Seoul (1:1) und Genf (1:2) enttäuschten die Wolfsburger auf ganzer Linie, Glasner und Schmadtke übten Kritik. „Wir wissen, dass wir es besser können, haben die Themen angesprochen, analysiert und trainiert. Allerdings“, sagt Glasner, „muss man Testspiele richtig einschätzen.“ Im letzten Test der Sommerpause hatte der VfL den französischen Klub OGC Nizza mit 8:1 abgefertigt. „Und eine Woche später mussten wir im DFB-Pokal in Halle in die Verlängerung“, sagt der Trainer. Vielleicht sorgen die Spiele in Portugal daher unmittelbar vor dem Rückrunden-Start in Köln noch für die nötige Gewissensschärfe im Kader.

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