Bei Eintracht Braunschweig bleibt es unruhig

Braunschweig.  Die Nicht-Entlastung eines Teils der Führungsmannschaft erschwert den Neubeginn bei den Blau-Gelben.

Ein Bild von der Jahreshauptversammlung aus dem Jahr 2018. Diesmal zeigten viele Eintracht-Mitglieder einigen aus dem Führungszirkel des Vereins virtuell die Nein-Karte.

Ein Bild von der Jahreshauptversammlung aus dem Jahr 2018. Diesmal zeigten viele Eintracht-Mitglieder einigen aus dem Führungszirkel des Vereins virtuell die Nein-Karte.

Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de

Diese Nachricht wird alle Eintracht-Fans freuen. Die jüngste Reihe der Corona-Tests bei Braunschweigs Zweitliga-Fußballern hat ergeben, dass sich in den vergangenen Tagen kein weiterer Profi mit dem Virus infiziert hat. Damit bleibt es in der Mannschaft bei den drei infizierten Spielern , die sich alle aber zuletzt im Reha-Training befanden. Der Rest des Teams konnte dagegen am Mittwoch die gewohnte Vorbereitung auf das Heimspiel am Samstag gegen den Karlsruher SC (13 Uhr) starten.

Bei anderen Themen ist die blau-gelbe Familie dagegen im Moment ziemlich gespalten, wie die Jahreshauptversammlung der Eintracht am vergangenen Freitag noch einmal deutlich machte. Die Verweigerung der Entlastung für die Aufsichtsräte Frank Fiedler, Rainer Ottinger und Philipp Lehmann sowie das Präsidiumsmitglied Kay-Uwe Rohn zeigt, dass auch mit der Wahl von Christoph Bratmann zum Eintracht-Präsidenten noch längst nicht alle Gräben zugeschüttet wurden, die sich in den vergangenen Wochen vor allem rund um die Fast-Kandidatur des Unternehmers Helmut Streiff aufgetan haben.

„Keiner hat sich etwas zuschulden kommen lassen“

Mit Unverständnis hatte Bratmann bereits bei der Jahreshauptversammlung auf die Nicht-Entlastungen reagiert, und auch gegenüber unserer Zeitung wurde der frisch gewählte Präsident nun noch einmal deutlich. „Eine Nicht-Entlastung von insgesamt vier Präsidiums- und Aufsichtsratsmitgliedern ist sicher nicht das geeignete Instrument, um persönliche Kritik an der Amtsführung auszuüben. Gemäß unserer Satzung bedeutet die Verweigerung der Entlastung, dass dem Verein oder der Kapitalgesellschaft nachhaltig Schaden zugefügt worden ist. Das weise ich für alle Betroffenen entschieden zurück. Keiner von ihnen hat sich etwas zuschulden kommen lassen“, stellte der SPD-Politiker klar.

Er war am vergangenen Freitag zwar mit einer großen Mehrheit zum Vereinsvorsitzenden gewählt worden. Doch die Nicht-Entlastungen seiner Kollegen in der Führungsriege legt auch einen kleinen Schatten über den Beginn der Amtszeit. Jedenfalls macht das Misstrauensvotum gegen Fiedler und Co. es Bratmann nicht gerade einfacher, bei der Eintracht Aufbruchsstimmung zu entfachen. Die getrübte Stimmung war auf der großteils digital durchgeführten Veranstaltung zu spüren. Besonders, nachdem die Fanabteilung durch ihren Vorsitzenden Mario Goldmann gegen Ende nachgelegt hatte und mit scharfen Worten ab sofort einen Fanvertreter im Aufsichtsrat fordert.

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Bratmann will als Präsident mit allen zusammenarbeiten

Statt optimistisch nach vorne zu blicken, muss Bratmann also erst einmal Stellung zu den Gräben nehmen, die sich bei den Blau-Gelben auftun. „Wer Verantwortung übernimmt läuft auch immer Gefahr, nicht alle zufrieden stellen zu können. Aber niemand hat entweder bewusst oder grob fahrlässig zum Schaden unserer Eintracht gehandelt, sodass eine Nichtentlastung gerechtfertigt wäre. Sie alle engagieren sich vielmehr seit Jahren ehrenamtlich für unsere Eintracht und investieren viel Zeit und Mühe in diese Arbeit“, verteidigt Bratmann seine Mitstreiter.

Er will mit allen weiter zusammenarbeiten, obwohl sie gerade von vielen Mitgliedern der Fanabteilung kritisch gesehen werden und teilweise auch sehr offen zum Rückzug aufgefordert werden. „Daher wird dieses Abstimmungsergebnis auch keine weiteren Folgen nach sich ziehen. Im Namen der Vereinsführung spreche ich mich dafür aus, dass sie alle ihre Ämter auch weiterhin genauso gewissenhaft und verantwortungsbewusst ausfüllen werden, wie bisher. Fehlendes Vertrauen in die Arbeit der Gremien kann nur durch Dialog und Transparenz hergestellt werden, darauf bauen wir in den nächsten Monaten. Dieses setzt aber auch die Bereitschaft aller Gruppierungen dazu voraus“, unterstreicht Bratmann. Ob er damit alle erreicht, werden die nächsten Monate zeigen. Und nur, wenn ihm das gelingt, wird seine Amtszeit als Präsident auch ein Erfolg.

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