Kirche und Kultur

„Reflexionen“: Künstler stellen in St. Salvatoris aus

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Blick auf den Altar.

Blick auf den Altar.

Foto: Kirchengemeinde

Zellerfeld.  Welche Anregungen stellt der Zellerfelder Tübke-Altar Kunstschaffenden als Betrachtenden? Antworten erfahren Besucher noch bis 31. August.

In diesem Jahr wird der Zellerfeld Altar von Werner Tübke 25 Jahre alt (wir berichteten). Dieses Jubiläum würdigt die Kirchengemeinde mit einer Ausstellung von Künstlern des Bundes Bildender Künstler Harz. Die Ausstellung „Reflexionen – Antworten auf den Zellerfelder Altar von Werner Tübke“ läuft noch bis zum 31. August und ist täglich in der Zeit von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Die Künstler haben sich nach einer gemeinsamen Einführung durch Pastor André Dittmann in die Sujets und Bedeutungsebenen des Altars aufgemacht, selbst tätig zu werden. Die gestellte Aufgabe ist: Mit eigenen künstlerische Reaktionen und Antworten auf die Fragen und Anregungen reagieren, die der Altar den Künstlerinnen und Künstlern als Betrachtenden stellt. Der Zellerfelder Altar quasi gespiegelt und reflektiert in den neu entstehenden Werken regionaler Kunstschaffender.

„Schon einmal haben diese in der St. Salvatoris-Kirche ihre Werke der Öffentlichkeit präsentiert: 2018 gab es die Ausstellung mit dem Titel „Wasser(s)kraft“, die sich rund um das Element Wasser bewegte. Wasser – auch Ergebnis der göttlichen Schöpfung. Und wichtige Zutat für die Taufe. Es gab spannende und auch zur Diskussion anregende Spannungen zwischen Kirchenraum und Kunstwerk. Man darf also auch auf die diesjährige Ausstellung gespannt sein“, erklärt Pastor André Dittmann von der St. Salvatoris-Gemeinde.

An der Ausstellung beteiligen sich die Künstlerinnen und Künstler Hilda Groll, Detlef Hänsel, Hansjörg Hörseljau, Dr. Johanna Junk, Erika König-Pahl, Thomas Krutmann, Antje Löffler, Werner Reichel, Martin Schenk, Swetlana Schneider, Thomas Velte und Ulla Weigelt.

Eine der Antworten auf den Tübke-Altar gibt unserer Zeitung der Bad Lauterberger Detlef Hänsel: „Mit dem kinetischen Objekt ,Bethlehem Bewegt!’ reflektiere ich darüber, welche Bedeutung die Geburt von Jesus Christus für mich hat. Dabei interessiert mich besonders die Beziehung zwischen dem werdenden Menschen Jesus und seinen Eltern.“ Denn laut dem Psychoanalytiker Hans-Joachim Maatz sei das wichtigste menschliche Bedürfnis gewollt, verstanden und bestätigt, versorgt und beschützt zu werden – in einem Wort geliebt zu werden. Das schreibe er in seinem Buch „Das falsche Leben“, und dort hieße es weiter: „Aber wie erfährt man Liebe? Indem mir jemand eine Beziehung schenkt, in der ich gesehen, verstanden, bestätigt und unverzerrt gespiegelt werde!“

Hänsel: „So stelle ich mir die Beziehung zwischen Jesus und seiner Mutter Maria vor. Maatz sieht das folgendermaßen: ,Nur Mutterliebe steht in der besonderen Verpflichtung, Liebe als Vorleistung bereit zu stellen: Ich liebe Dich, weil Du mein Kind bist! Und das heißt, ich sorge für dich, ich beschütze dich, ich bin neugierig auf dich und bemüht, dich zu verstehen und zu erkennen.’ Ich glaube fest daran, dass Jesus diese ideale Mutterliebe erfahren hat, und sich gerade deshalb zu dieser seltenen und großartigen Persönlichkeit entwickeln konnte.“ Aber schon seit vielen Generationen und selbst noch in unserer heutigen Zeit erführen die meisten Kinder leider keine solche „bedingungslose“ Liebe, so Hänsel. Ihm schiene es so, als hätten wir Menschen es immer noch nicht gelernt, unseren Nachwuchs „artgerecht“ aufzuziehen und zu betreuen. „Ich meine damit gar nicht mal den allerschlimmsten Fall, das nicht gewollte Kind. Ich denke dabei nur an die Fremdbetreuung unserer Kinder in den ersten drei Lebensjahren, denn eine zu frühe Trennung des Kindes von der eigenen, liebevollen Mutter ist immer eine traumatische Erfahrung“, ergänzt der Bad Lauterberger und sagt weiter: „Im Markus Evangelium wird uns als zweites wichtigstes Gebot überliefert: ,Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!’ Wer sind denn unsere Nächsten, wenn nicht unsere Kinder?“

In Hans-Joachim Maaz Buch hieße es, „Liebe bringe die besten Bedingungen zur Entfaltung des Selbst. Liebe kann als ein optimales Gärtnern verstanden werden, um alle ,Nährstoffe’ und Entwicklungsbedingungen zur Verfügung zu stellen, damit das Kind sich selbst gut erkennen und verstehen lernt und damit es sich gut bestätigt und unterschieden von jedem anderen erleben kann. Liebe ist Freilassen, Liebe ist dafür zu sorgen, dass es dem anderen gut geht, dass dieser sich selbst leben kann mit allen Chancen, Andersartigkeiten und Begrenzungen“, zitiert Hänsel den Psychoanalytiker. „Deshalb ist eine solche elterliche Liebe für unseren Nachwuchs mindestens genauso wichtig wie das tägliche Brot. Und jetzt lieber Betrachter drehe die Kurbel an dieser ,historischen’ Brotschneidemaschine mit Bedacht.“ Sein Werk bestehe unter anderem aus einer mechanische Brotschneidemaschine, Metallbaukasten-Teilen und einer Spieluhr.“

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