Polizei Göttingen

Festnahme eskaliert – Staatsanwalt ermittelt gegen Polizisten

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Bei der Identitätsfeststellung eines Mannes am Sonntag in Göttingen kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung mit Beamten. Ein Polizist und der Mann wurden verletzt. Auf Twitter wurde das Video eines Augenzeugen veröffentlicht.

Bei der Identitätsfeststellung eines Mannes am Sonntag in Göttingen kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung mit Beamten. Ein Polizist und der Mann wurden verletzt. Auf Twitter wurde das Video eines Augenzeugen veröffentlicht.

Foto: Screenshot / Twitter

Göttingen.  Bei einer Polizeikontrolle in Göttingen kam es zu einer Auseinandersetzung. Ein Video zeigt, wie ein Mann von einem Polizisten geschlagen wird.

Nach einem Polizeieinsatz in der Göttinger Innenstadt, bei dem am Sonntagmorgen ein Polizist einem 28-jährigen Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Göttingen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Gegen den 31-jährigen Beamten werde wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt, teilte Behördensprecher Andreas Buick am Montag mit. Das Verfahren wurde für die weiteren Ermittlungen an die Polizei Hildesheim abgegeben. Außerdem wurde gegen ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet.

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Der Vorfall ereignete sich im Zusammenhang mit einer geplanten Identitätsfeststellung gegen 6.40 Uhr am Kornmarkt in der Fußgängerzone. Dabei sind der 28 Jahre alte Göttinger und ein Polizeibeamter verletzt worden. Auch gegen den 28-Jährigen wird ermittelt, hier kommen die Straftatbestände Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, tätlicher Angriff auf Polizeibeamte und Beleidigung in Frage. Da er ein Einhandmesser bei sich führte, habe die Polizei gegen den bereits polizeilich bekannten Mann zusätzlich ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet, berichtete Polizeisprecherin Jasmin Kaatz.

Der mutmaßlich unter Alkoholeinfluss stehende 28-Jährige war den Beamten nach bislang vorliegenden Informationen bereits im Vorfeld an anderen Orten in der Innenstadt durch verbal aggressives Verhalten und provozierende Gesten gegenüber an ihm vorbeifahrenden Streifenwagen aufgefallen. Laut Angaben der Polizei stellte er sich im Bereich Kornmarkt schließlich einer Funkstreife in den Weg und hinderte das Fahrzeug an der Weiterfahrt. Dabei gestikulierte der Mann erneut aggressiv und provozierend in Richtung der Beamten.

Versuche, den Mann zu beruhigen, schlugen fehl

Wegen seines Verhaltens sollte nunmehr die Identität des Mannes festgestellt werden. Einer wiederholten Aufforderung, sich auszuweisen, kam er aber nicht nach. Stattdessen reagierte der 28-Jährige erneut aggressiv und ging in bedrohlicher Körperhaltung auf die Beamten zu. Alle Versuche, beruhigend auf ihn einzuwirken, schlugen fehl. Ein Beamter ergriff den Göttinger schließlich, um ihn zu überwältigen. Dabei umklammerte der 28-Jährige den Beamten und beide fielen zusammen auf den Boden. Hier wehrte sich der Mann weiter massiv mit Schlägen und Tritten.

Der genaue Hergang ist derzeit aber unklar und Bestandteil der weiteren Ermittlungen. Mithilfe weiterer Funkstreifen konnte der Göttinger überwältigt und gefesselt werden. Er wurde für die Entnahme einer Blutprobe zum Polizeidienstgebäude transportiert und von dort zur ärztlichen Versorgung in ein Krankenhaus gebracht. Der Polizeibeamte musste ebenfalls im Krankenhaus behandelt werden.

Video in Sozialen Medien aufgetaucht

In den Sozialen Medien ist inzwischen ein Video aufgetaucht, das ein unbekannter Zeuge mit dem Handy aufgenommen hat. Das Video des Augenzeugen wurde unter anderem auf Twitter veröffentlicht. Demnach schlägt ein Beamter dem Mann ins Gesicht, bevor er niedergedrückt wird. Vier Beamte sind zu sehen, die den Mann auf den Boden drücken, um ihn an Beinen und Händen zu fixieren. Dabei drückt einer der Beamten dem Mann mit dem Knie den Kopf auf das Straßenpflaster. Blutspuren sind auf dem Boden zu sehen. Dieses Video bilde nur einen Ausschnitt des Gesamtgeschehens ab, erklärte Polizeipräsidentin Gwendolin von der Osten. Solche Teilinformationen dürften jedoch nicht zu einer Vorverurteilung führen.

Der 31-jährige Beamte hatte bei dem Einsatz eine Bodycam am Körper getragen. Nach Angaben der Polizei hat eine erste Sichtung der Aufnahme ergeben, dass es vorher einen körperlichen Angriff des 28-Jährigen gegeben hatte. Das Video dokumentiere, wie der aggressive Mann, unmittelbar nachdem er den Beamten umklammert habe und gemeinsam mit ihm auf den Boden gestürzt sei, auf den Polizeikommissar eingeschlagen habe. Dabei habe er den Beamten mutmaßlich mit Faustschlägen erheblich im Gesicht verletzt. Der Beamte sei aufgrund der Verletzungen bis auf Weiteres nicht dienstfähig.

In der Stellungnahme der Polizei heißt es, der 28-Jährige habe sich gegen alle Bemühungen der Beamten, ihn zu überwältigen, „heftig und ohne Unterlass mit Schlägen und Tritten zur Wehr gesetzt“. Zu den Faustschlägen sei es schließlich gekommen, um den massiven Widerstand des 28-Jährigen zu überwinden. Dieser habe hierbei mutmaßlich Gesichtsverletzungen erlitten. In der Folge sei es den vier eingesetzten Beamten gelungen, den Mann in Bauchlage zu drehen und zu überwältigen.

Zeugen werden gebeten, sich unter 0551/491-2115 bei der Polizei Göttingen zu melden.

Vorfall im September sorgte für Aufsehen

Im September hatte ein anderer Vorfall für Aufsehen gesorgt. Damals hatte ein Polizist während eines Einsatzes in einer Wohnung im Göttinger Stadtteil Holtensen einem 19-Jährigen mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Während des Einsatzes – es war bereits der dritte Einsatz der Polizei in der Wohnung an diesem Morgen – befand sich der 19-Jährige in einem Videostream.

Der Polizeibeamte habe vom Amtsgericht Göttingen eine Verwarnung mit Strafvorbehalt wegen Körperverletzung im Amt erhalten, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, Andreas Buick, mit. Sollte es demnach innerhalb der auf ein Jahr festgesetzten Bewährungs zu einem erneuten Verstoß kommen, behält sich das Gericht vor, dem Polizisten eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 90 Euro (insgesamt 3.600 Euro) aufzuerlegen. Der Polizist musste zudem 1.000 Euro an die Stiftung Opferhilfe zahlen. Außerdem leitete die Polizeidirektion Göttingen gegen ihn ein Disziplinarverfahren ein. Weil er die Beamten lautstark beschimpft hatte, verhängte das Amtsgericht gegen den 19-Jährigen eine Geldstrafe von 55 Tagessätzen zu je 15 Euro (insgesamt 825 Euro).

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