Waldumbau: Hordengatter schützen Neuanpflanzungen vor Verbiss

Harz  Überall in den Landesforsten entstehen derzeit Hordengatter, etwa an der Sösetalsperre. Ihr Aufbau ist eine Heidenarbeit für die Forstleute.

Das neue Hordengatter unterhalb des Unterwasserbeckens der Sösetalsperre bei Osterode.

Das neue Hordengatter unterhalb des Unterwasserbeckens der Sösetalsperre bei Osterode.

Foto: Michael Paetzold / HK

Der Klimawandel hat in der Bewirtschaftung der Wälder eine hohe Dynamik entwickelt, mit dem Abgesang auf die Fichte müssen nun andere Baumarten her, die das neue Klima besser verkraften. Überall in den Landesforsten entstehen derzeit Hordengatter, die neue Anpflanzungen vor Verbiss durch das Wild schützen sollen. Auch an der Sösetalsperre ziehen sie sich inzwischen gut sichtbar die Berghänge hinauf, ihr Aufbau ist eine Heidenarbeit für die Forstleute.

Dem Wild in die Suppe gespuckt

"Wir nehmen jetzt für die Hordengatter heimisches Holz, meist dauerhaftere Lärche oder Douglasie", weiß der Lerbacher Revierförster Heiner Wendt, Mitarbeiter der Landesforsten. Diese Anlagen seien zwar teurer als Einfriedungen aus Draht, aber man müsse sie nicht abbauen, weil sie nach Jahren von selber vergehen. Hainbuche, Rot- und Traubeneiche sowie Weißtanne werden so vor dem Hunger des Schalenwildes geschützt, das sich Knospen, Triebe und Blätter von Sträuchern und Bäumen gerne munden lässt. Der Verbiss von Endtrieben (auch Terminaltrieb- oder Leittriebverbiss) bewirkt bei den Bäumen einen Höhenzuwachsverlust und bei jungen Bäumchen (Keimlinge, Sämlinge) eine erhöhte Mortalität (Totverbiss).

Für die Forstleute müsse sich nun erweisen, welche Baumarten im Harz auf welchen Standorten Zukunft haben, so der Forstmann. Gesetzt werde auf eine gute Durchmischung der Arten für eine größere Risikostreuung. Das neue Hordengatter direkt an dem gerade sanierten Unterwasserbecken der Sösetalsperre wurde auf dem Gelände der Harzwasserwerke als Ausgleichsmaßnahme zur Dammsanierung angelegt und umschließt einen neuen Bestand an Roteichen.

Weiterentwickeltes ökologisches Waldbauprogramm

Die niedersächsische Landesregierung hat 2017 die Weichen für ein weiterentwickeltes ökologisches Waldbauprogramm für den Landeswald gestellt. Das Programm „LÖWE+“ führt das seit 1991 bewährte Landesprogramm „Langfristige Ökologische Waldentwicklung in den Niedersächsischen Landesforsten (LÖWE)“ fort. Nach über einem Vierteljahrhundert wurden die 13 waldbaulichen Grundsätze für die Landesforsten ökologisch und gemeinwohlorientiert aktualisiert. "LÖWE+“ berücksichtigt nun auch neue Erkenntnisse über den Klimawandel, den Erhalt der biologischen Vielfalt und den Boden- und Naturschutz.

Der Umbau des Landeswaldes in artenreiche, klimaschützende Mischwälder wird forciert. In Zukunft soll der Anteil der Laubbaumarten mindestens 65 Prozent betragen. Vor 25 Jahren waren noch zwei Drittel des Landeswaldes nicht standortheimische Nadelwälder. Nach „LÖWE+“ sollen sich altersgemischte Wälder aus standortgemäßen Baumarten entwickeln. Kahlschläge sollen vermieden werden. Dabei soll die natürliche Waldverjüngung auch durch Anpassung des Wildbestandes in starkem Maße unterstützt werden. Für den Klima- und Naturschutz wird der Anteil von natürlichen Waldgesellschaften und ökologischen Hotspots deutlich erhöht. Auch der Wasserschutz durch die Wälder wird verstärkt anerkannt.

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