Fake Shops profitieren vom Weihnachtsgeschäft

Göttingen.  Göttinger Polizei warnt: Online-Betrüger profitieren von Corona-Maßnahmen.

Cybercrime ist ein allgegenwärtiges Thema (Symbolbild).

Cybercrime ist ein allgegenwärtiges Thema (Symbolbild).

Foto: surachat / stock.adobe.com

„Auch Weihnachten ist keine Zeit für Leichtgläubigkeit“, sagt Thomas Breyer, Chef der Göttinger Kriminalpolizei. Im Gegenteil: Die Bedingungen seien derzeit nahezu ideal für Betrüger. Die Geschäfte sind geschlossen, und durch das bevorstehende Fest und fehlende Geschenke lässt sich mancher Käufer zu übereilten Handlungen hinreißen.

Schon während der ersten Welle der Corona-Pandemie habe sich die Zahl der Betrugsfälle im Online-Handel um 50 Prozent erhöht. Jetzt scheint sich dieser Trend zu verstetigen. Die Masche ist eigentlich immer gleich: Mutmaßliche Händler bieten Waren an, kassieren das Geld und liefern dann nicht. Das funktioniere im kleineren Stil über Plattformen wie Ebay-Kleinanzeigen genauso wie in großangelegten Fake Shops, erklärt Bernd Spörhase. Der Erste Kriminalhauptkommissar hat im November das Fachkommissariat für Betrugsfälle übernommen und ermittelt mit seinen 25 Mitarbeitern immer häufiger bei dieser Art der Kriminalität.

Betrügen leicht gemacht

„Leider bestimmt die Gier das Handeln der Menschen“, sagt Spörhase. So werde es Betrügern erst möglich gemacht, mit ihrer Masche erfolgreich zu sein. Wenn jeder Kunde überlegt handeln und vor der Überweisung des Geldes den Geschäftspartner überprüfen würde, hätten er und seine Kollegen deutlich weniger zu tun. Doch oft genug lasse man sich durch besondere Angebote dazu verleiten, die Bedenken fahren zu lassen. Ein Beispiel: Auf einer Plattform wird ein Produkt günstig angeboten, es erregt die Aufmerksamkeit eines Kunden, der schnell zugreift. Man wird sich handelseinig und verständigt sich auf die Bezahlung per Paypal. Dieses Bezahlsystem bietet eigentlich einen Käuferschutz, stellt sicher, dass das Geld erst fließt, wenn die Ware auch wirklich geliefert wurde.

Sicherheitsmaßnahmen umgehen

Allerdings lässt sich diese gebührenpflichtige Sicherheitsmaßnahme umgehen, indem man den meist unbekannten Verkäufer zum Freund erklärt. Breyer hat dazu einen Tipp: „Wem ich nicht mein Portemonnaie oder meinen Haustürschlüssel anvertrauen würde, den sollte ich bei Paypal nicht zum Freund machen.“ Sollte der Verkäufer nämlich böse Absichten haben, kommt er auf diesem Weg problemlos an sein Geld und kann in der Anonymität verschwinden.

Gleiches gilt im großen Stil auch bei den täuschend echt wirkenden Online-Fake Shops – also Geschäften, die lediglich als Internetseite existieren und auf Vorkasse bestehen. Es bedarf lediglich eines Servers und einer guten Suchmaschinenplatzierung. Vor allem im Bereich der technischen Markengeräte, bei Schmuck und neuerdings auch bei Corona-Schutzmasken funktioniert die großangelegte Betrugsmaschinerie. Hier ließen sich die Kunden am bereitwilligsten täuschen.

Die meisten Kunden machen gern Schnäppchen im Bereich technischer Markengeräte oder bei Schmuck. Deshalb ist hier die Gefahr, auf vermeintliche Super-Sonderangebote hereinzufallen, besonders groß. Dazu erklärt Bernd Spörhase, der Erste Kriminalhauptkommissar des Göttinger Fachkommissariat für Betrugsfälle: „Dabei sollte klar sein, dass Markengeräte mit einem definierten Ladenpreis nicht für deutlich weniger angeboten werden können.“ Kostet ein Apple-Handy beim Hersteller mehr als 1.000 Euro, sollte man bei einem Preisunterschied von 300 Euro skeptisch werden, so die Ermittler.

Doch die Erfahrung zeigt: Je größer der Rabatt, desto unvorsichtiger der Kunde. Die Aufklärung dieser Straftaten erweist sich laut Spörhase oftmals als kompliziert. Bei inländischen Transaktionen könnten die Ermittler der Spur des Geldes folgen. Habe das Geld aber das Land verlassen, werde es schwierig. Zwar sei es theoretisch möglich, mit internationalen Rechtshilfeersuchen die Täter auch im Ausland zu verfolgen. „Geht es bei Betrugsfällen allerdings um 50 oder 100 Euro, ist dieser Aufwand nicht gerechtfertigt.“

Digitale Spur über die IP-Adressen verfolgen

Wendet sich der Geschädigte schnell genug an die Polizei, bestehe auch die Möglichkeit, die digitale Spur über die IP-Adressen zu verfolgen, erklärt der Fachmann. Um dann aber tatsächlich einen solchen Fake Shop vom Netz zu nehmen, bedarf es in der Regel einer Zusammenarbeit mehrerer Ermittlungsgruppen unter Federführung einer Schwerpunktstaatsanwalt, wie sie beispielsweise auch in Göttingen existiert. „Doch so weit muss es gar nicht kommen“, sagt Breyer. Die Polizei appelliert an die Vernunft der Kunden. Jeder könne sich mit einfachen Mitteln schützen und so den Betrügern statt sich selbst das Weihnachtsfest vermiesen.

Das empfiehlt die Polizei Verbrauchern: „Sind Sie unsicher, nehmen Sie telefonisch Kontakt zum Shopbetreiber auf. Recherchieren Sie im Internet nach diesem Shop. Werden Sie misstrauisch, wenn der Kontakt nur über E-Mail erfolgen kann. Nutzen Sie Ihnen bekannte Bezahldienste oder den Kauf auf Rechnung. Folgen Sie keinen Links aus Spammails/unaufgefordert zugeschickten Werbemails auf solche gefälschten Seiten.

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