Lockdown: Wie sieht die Lage am Theater Nordhausen aus?

Nordhausen.  Kreativ und zu fast jedem Kompromiss bereit: Interview mit Intendant Daniel Klajner zur Theaterschließung vom 2. bis 30. November.

Porträt von Theaterintendant Daniel Klajner vor dem Theater in Nordhausen.

Porträt von Theaterintendant Daniel Klajner vor dem Theater in Nordhausen.

Foto: Marco Kneise

Nachdem der Betrieb gerade wieder angelaufen war, bedeutet der aktuelle Teil-Lockdown für November eine erneute Schließung kultureller Einrichtungen. Wie sieht die Lage zum Beispiel im Theater Nordhausen aus? Antworten gibt Intendant Daniel Klajner im Interview.

Herr Klajner, wie war Ihre Gefühlslage, nachdem die Bundeskanzlerin angekündigt hatte, dass alle Theater vom 2. bis zum 30. November zu schließen sind?

Natürlich trifft es uns alle, unser Publikum und auch die Belegschaft, sehr. Aber es war in Anbetracht der exponentiell steigenden Corona-Fallzahlen absehbar, und ich will an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass wir uns mit Überzeugung der Verordnung fügen. Denn bei den gesellschaftlichen Anstrengungen ist eine Solidarität nötig, um die einzelnen Interessen der verschiedenen Branchenbereiche nicht bei der Bekämpfung der pandemischen Ausbreitung gegeneinander auszuspielen. Obwohl auch festzuhalten ist, dass es deutschlandweit keine einzige nachgewiesene Ansteckung in einem Theater oder Konzertsaal gab.

Welche Höhepunkte, auf die sich das Publikum schon eingestellt und gefreut hat, werden ausfallen?

Die gute Nachricht zuerst: Die großen drei für den November geplanten Premieren, die Operette „Der Vetter aus Dingsda“, das Musical „Lola Blau“ und die „Meerjungfrau“, können wir alle in den Dezember schieben. Es wird so sein, dass wir – was meines Wissens auch noch kein Theater so umgesetzt hat – am ersten Dezemberwochenende an drei aufeinanderfolgenden Tagen drei Premieren rausbringen, beginnend mit „Der Vetter aus Dingsda“. Bedauerlicherweise entfallen das Weihnachtsmärchen „Rumpelstilzchen“ in Sondershausen, zwei Sinfoniekonzerte, ein Kammerkonzert und unser erstes Chorkonzert, auf das wir uns so gefreut haben.

Das heißt, Sie glauben fest daran, dass im Dezember das Theater wieder öffnet?

Klar! Wenn wir nicht, so wie auch in der Vergangenheit, daran glauben würden, dass wir gleich nach den Beschränkungen wieder auftreten werden und uns dementsprechend vorbereiten, dann hätten wir überhaupt keinen Spielplan.

Wie gehen die Mitarbeiter mit dem erneuten Lockdown um?

Als hinter dem Theater der erste Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg gefunden wurde und wir für zwei Tage schließen mussten, dachten wir, dass die Welt, unsere Welt untergeht. Dann kam Corona … Was wir schon immer von uns selbst wussten, hat sich da noch viel klarer gezeigt: Unser Wille zu spielen ist übermächtig. Dabei sind wir kreativ, flexibel, zu fast jedem Kompromiss bereit, arbeiten bis über die Leistungsgrenzen hinaus und spielen sofort dann, wenn wir wieder dürfen. So bereiten wir uns in großer Vorfreude minutiös darauf vor, unser Publikum mit Aufführungen und Konzerten im Dezember von Neuem zu beglücken.

Gerät die Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH wegen der neuerlichen Schließung in eine finanzielle Schieflage?

Nein, denn die Finanzierung ist seit 2016 langfristig bis Ende 2024 sichergestellt. Die Einnahmeausfälle können wir durch geeignete Maßnahmen, die künstlerisch nicht sichtbar werden, ausgleichen.

Was können diejenigen Theaterbesucher machen, die schon Karten für Veranstaltungen gekauft haben, die nicht stattfinden werden?

Sie haben die Möglichkeit Karten für später stattfindende Vorstellungen zu tauschen. Der Eintrittspreis kann auch in Form eines Gutscheins erstattet werden. Mit dem Verzicht auf eine Erstattung kann dem Theater geholfen werden, die finanziellen Ausfälle etwas zu minimieren. Eine Spendenquittung wird vom Kassenpersonal gerne ausgestellt. Eine Rückerstattung des Eintrittspreises ist selbstverständlich auch möglich. In jedem Fall ist es erforderlich, die Originaleintrittskarten mit dem online erhältlichen Formular an die Theaterkasse zurückzusenden. Die Theaterkasse bleibt zu den bekannten Öffnungszeiten erreichbar. Die Mitarbeiter stehen auch per Mail oder telefonisch mit Rat und Tat zur Seite.

Wir wünschen Ihnen und uns allen eine baldige „Wiedereröffnung“.

Herzlichen Dank! – Was ich noch anmerken möchte: Ich möchte die Besucher anregen, die Angebote wahrzunehmen. So kann sich jeder eine private Freude machen und damit gleichzeitig ein starkes Signal für die Erhaltung der Kultur setzen. Wir bieten auch ein Geschenk-Wahlabo an, mit dem Besucher das Theater unterstützen und zugleich anderen – etwa zu Weihnachten – eine Freude bereiten können. Wir freuen uns auf unser Publikum!

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