Norbert Röttgen im Interview: „Ich will es und traue es mir zu“

Goslar.  Der ehemalige Bundes-Umweltminister Norbert Röttgen kandidiert für den Bundesvorsitz der CDU und will das Kanzleramt.

Norbert Röttgen ist einer von drei Kandidaten für den Bundes-Vorsitz der CDU. In Goslar erklärte er, warum er sich das Amt – und auch die Kandidatur als Bundeskanzler – zutraut.

Norbert Röttgen ist einer von drei Kandidaten für den Bundes-Vorsitz der CDU. In Goslar erklärte er, warum er sich das Amt – und auch die Kandidatur als Bundeskanzler – zutraut.

Foto: Petra Hartmann / GZ

Norbert Röttgen will Bundesvorsitzender der CDU werden und tritt am 4. Dezember als Kandidat um die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer an. Der ehemalige Bundes-Umweltminister und aktuelle Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag kam auf Einladung seines Parteifreundes Roy Kühne Mittwochabend nach Goslar, um sich der Parteibasis vorzustellen.

Am Rande der Veranstaltung stellte er sich den Interview-Fragen von Petra Hartmann, Redakteurin der Goslarschen Zeitung.

Herr Röttgen, bevor wir uns der Politik widmen, zunächst eine Frage, die die Fernsehnation bewegt: Sie sind heute Abend zu Gast in der Heute Show. Warum? Und haben Sie keine Angst davor?

Ich gucke ja nicht viel Fernsehen, aber ich versuche, die Heute Show nicht zu verpassen. Sie ist toll gemacht. Oliver Welke hatte mich eingeladen. Besondere Angst habe ich nicht, dass ich da durch den Kakao gezogen werde, das machen sie eher mit den Politikern, die nicht im Studio sind. Und ein bisschen Selbstironie gehört eben dazu.

Laut ZDF-Vorschau soll es darum gehen, dass Sie als „Underdog“ im politischen Dreikampf antreten. Tatsächlich haben Sie mit Armin Laschet und Friedrich Merz ja zwei politische Schwergewichte als Konkurrenten. Sehen Sie sich selbst als Underdog, als schwächeren, weniger aussichtsreichen Kandidaten?

Nein. Gerade in den letzten Wochen hat sich die Sache sehr gut für mich entwickelt. Ich bin angetreten mit dem politischen Anliegen, die CDU zu erneuern und auf die wichtigen Fragen unserer Zeit vorzubereiten. Ich habe kein Amt, aus dem heraus ich mich für ein weiteres Amt bewerbe, sondern möchte etwas bewegen. Wir drei liegen jetzt gleich auf.

Warum sollten die Delegierten auf dem Bundesparteitag Sie zum Vorsitzenden wählen?

Weil ich den klarsten Erneuerungswillen habe, den Willen, dass wir für Veränderungen in unserem Land eintreten und moderner werden müssen. Ich stehe in der CDU für kein Lager. Ich möchte, dass wir richtig in den politischen Wettbewerb eintreten. Einen Wettbewerb, den wir nur gewinnen können durch Glaubwürdigkeit. Das gilt auch für den Klimaschutz, ein Thema, das wir nicht einfach den Grünen überlassen dürfen.

Apropos Umweltschutz: Ein beherrschendes Thema, auch wenn es durch Corona zeitweise etwas in den Hintergrund getreten ist, ist ja der Klimawandel ...

Auf jeden Fall. Klimakompetenz ist Zukunftskompetenz und damit unverzichtbar für eine zukunftsfähige CDU. Wir müssen den Klimawandel bekämpfen.

Wie?

Nicht so, wie es die Grünen sich vorstellen, die einfach nur ihre Ziele und Wünsche äußern. Sondern mit konkreten, marktwirtschaftlichen Instrumenten. Der CO2-Handel beispielsweise ist ein ganz entscheidendes Instrument, das Emissionen steuert, indem man einen Preis dafür festsetzt. Was etwas kostet, das will man vermeiden – und entwickelt neue Technologien. Deutschland und Europa müssen zeigen, dass man das Klima schützen und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Wenn wir das schaffen, werden China und Indien es uns nachmachen. Das ist entscheidend, weil der Klimawandel ein globales Phänomen ist. Für uns als Europäer ist wichtig, dass wir uns einig sind.

Wenn Sie Parteivorsitzender werden, wie sehen Ihre Ziele für die Entwicklung der CDU aus?

Die CDU muss jünger, weiblicher und digitaler werden. Sie muss sich in der Breite gesellschaftlich öffnen. Gleichzeitig brauchen wir mehr innerparteiliche Diskussion. Wenn man junge Leute für die CDU gewinnen will, muss man ihnen schon etwas mehr anbieten, als Klatschpersonal auf Parteitagen zu sein. Das ist schon für uns Ältere unbefriedigend.

Wir brauchen den Dialog mit dem Bürger, und wir brauchen die Kompetenz und Expertise, die in der Gesellschaft vorhanden ist. Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt, dass uns der Dialog mit der Wissenschaft nur hilft. Das haben wir sehr gut hinbekommen. Hier müssen wir uns weiter öffnen, auch in anderen Bereichen.

Verbunden mit dem Amt des Vorsitzenden stellt sich auch die K-Frage: Sie wollen auch als Kanzler-Kandidat antreten?

Wenn man CDU-Vorsitzender werden will, mit der Entscheidung zu gestalten, dann gehört dazu, dass man sich das Kanzleramt auch zutraut und es auch will. Ich will und traue es mir zu. Aber am Wichtigsten ist für mich, dass wir die Bundestagswahl gewinnen, und dafür ist es entscheidend, dass sich die CDU und die CSU darauf einigen, dass sie die Bestaufstellung wählen.

Bis zu Ihrer Entlassung als Bundesumweltminister im Jahr 2012 galten Sie ja als Angela Merkels Kronprinz. Wäre die Kandidatur eine späte Genugtuung?

Kronprinzen gibt es nicht in einer Demokratie. Ich war Bundesminister und Bundestagsabgeordneter.

Zum Abschluss ein Blick von Berlin auf den Harz: Was verbinden Sie mit Goslar, und was hätten die Goslarer Christdemokraten davon, Sie zu unterstützen?

Mit Goslar verbinde ich vor allem meinen sympathischen und kompetenten Kollegen Roy Kühne und eine sehr schöne Stadt – ich bin vorher schon einmal hier gewesen. Ich kann den Goslarern versichern, dass ich für eine moderne CDU in der Mitte der Gesellschaft stehe, für außenpolitische Kompetenz in einer krisengeschüttelten Zeit und für ökologische Glaubwürdigkeit. Das sind wichtige Qualifikationen, um Wähler, auch Wechselwähler, anzusprechen und zu gewinnen und so im kommenden Jahr ein starkes Ergebnis für die CDU bei der Bundestagswahl zu erzielen.

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