Polizei Göttingen verschärft Kampf gegen Internet-Kriminalität

Göttingen.  In Südniedersachsen werden immer mehr Unternehmen Opfer von Cybercrime. Eine Kooperation mit dem Verein „G4C“ soll Aufklärung und Prävention stärken.

Cybercrime ist heutzutage ein allgegenwärtiges Thema.

Cybercrime ist heutzutage ein allgegenwärtiges Thema.

Foto: surachat / stock.adobe.com

Immer mehr Straftaten werden im Internet begangen – auch im Landkreis Göttingen. Einer bestimmten Form der Cyberkriminalität sagt die Polizeidirektion Göttingen, die unter anderem für Göttingen, Duderstadt und das Untereichsfeld zuständig ist, deshalb jetzt den Kampf an: Erpressern, die die digitalen Daten von Betrieben verschlüsseln und nur gegen Geldzahlung wieder freigeben, will die Polizei künftig gemeinsam mit dem Verein German Competence Centre against Cybercrime (G4C) das Handwerk legen. Am Freitag unterzeichneten Uwe Lührig, Präsident der Polizeidirektion, und „G4C“-Geschäftsführer Peter-Michael Kessow in Göttingen eine Kooperationsvereinbarung – die erste ihrer Art in Deutschland.

„Cyberkriminalität kann für betroffene Unternehmen existenzbedrohend sein“, sagte Lührig beim Pressetermin im Gebäude der Polizeidirektion.

Zahl der Straftaten steigt

Das Ziel der Zusammenarbeit mit „G4C“ sei, den Schutz vor Straftaten im Internet oder unter Nutzung von Informationstechnik zu verbessern und IT-gestützte Ermittlungsmethoden zu entwickeln und anzuwenden. Mit „G4C“ habe man einen professionellen und vertrauensvollen Partner gefunden: Der gemeinnützige Verein wurde 2013 von Vertretern aus Banken und Versicherungen gegründet und berät und unterstützt Unternehmen in Deutschland, die mit Cyberkriminalität konfrontiert werden.

Der verstärkte Kampf gegen Cyberkriminalität scheint mit Blick auf die Zahlen dringend nötig. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion seien 2019 4481 Delikte registriert worden, trug Lührig vor – ein Anstieg um mehr als 300 im Vergleich zum Vorjahr. Da zudem wohl noch viel mehr Fälle nicht gemeldet würden, liege die Dunkelziffer wohl deutlich höher, warnte der Polizeipräsident. Gerade im Bereich der Unternehmenserpressung blieben viele Fälle unerfasst, so Lührig. Hier seien in den vergangenen fünf Jahren nur 34 Fälle bei der Polizei gemeldet worden, obwohl Umfragen zufolge bereits mehr als drei Viertel der deutschen Unternehmen Opfer von Cyberkriminalität geworden sind. 100 Milliarden Euro Schaden entstehen so vorsichtigen Schätzungen zufolge deutschen Unternehmen.

Furcht vor Vertrauensverlust

Ziel bleibe es, dass sich betroffene Unternehmen direkt an die Polizei wenden, betonte Lührig. Aber: „Wir wissen aus Erfahrung, dass sich viele Betroffene gar nicht trauen, Vorfälle zu melden. Sie fürchten einen Vertrauensverlust, wenn ihr Name in Verbindung mit Cyberkriminalität fällt.“ Auch deshalb sei der Schulterschluss mit „G4C“ als gemeinnützigem Verein aus der Wirtschaft sinnvoll.

Der Verein werde zeitnah ein Regionalbüro in Göttingen öffnen, um sich auch als Ansprechpartner vor Ort zu etablieren, kündigte Kessow an. Die Zusammenarbeit von Polizei und Verein soll vor allem im Informationsaustausch bestehen – nicht über Betroffene, sondern über Vorgehensweisen und Techniken der Täter.

„Betriebe legen wert auf Diskretion“, sagte Kessow. Wer an „G4C“ herantrete, helfe damit auch anderen Betrieben. Denn: Künftig wird der Verein sein Wissen über neue Formen der Cyberkriminalität an die Polizei in Göttingen weitergeben – damit diese für Ermittlungen besser gerüstet ist und ihre Präventionsarbeit ausbauen kann.

„Prävention durch Information“ sei entscheidend im Kampf gegen Cyberkriminalität, betonte Alexander Knepper, Leiter der Koordinierungsstelle digitale Ermittlungen in der Polizeidirektion.

Mit den Informationen des „G4C“ könne man schnell und vor Ort Unternehmen vor neuen Bedrohungen warnen und Verhaltenstipps geben – um Kriminalität gar nicht erst stattfinden zu lassen. In diesem Bereich gebe es durchaus noch Verbesserungspotenzial, ergänzte Lührig.

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