Mehr Radfahrer im Harz – neue Schilder markieren Gefahrenstellen

Harz.  Die Harzwasserwerke wollen Fahrradfahrer besser auf Gefahrenstellen an der Oberharzer Wasserwirtschaft aufmerksam machen.

Lars Schmidt von den Harzwasserwerken (links) und Marcus Hödl vom Betriebshof Clausthal stellten die neue Beschilderung vor.

Lars Schmidt von den Harzwasserwerken (links) und Marcus Hödl vom Betriebshof Clausthal stellten die neue Beschilderung vor.

Foto: Michael Paetzold / HK

Das Oberharzer Wasserregal mit seinen vielen idyllisch gelegenen Teichen war schon immer ein touristischer Höhepunkt. Jetzt, durch die Corona-Pandemie, haben sie, hat der gesamte Harz, neue touristische Aufmerksamkeit erlangt. Die Menschen bleiben im Land und machen auch im Harz Urlaub.

Viele Radler unterwegs

Auf die vielen Radfahrer, die jetzt im Gebirge unterwegs sind und deren Zahl durch die E-Bikes stark angestiegen ist, haben sich jetzt die Harzwasserwerke, zuständig für den Erhalt und die Pflege der Harzteiche mit ihren technischen Anlagen, eingestellt und warnen mit einer umfassenden Beschilderung vor Gefahrenstellen. Und die gibt es reichlich, zum Beispiel schmale Brücken mit niedrigen Geländern, steil zu den Wasserflächen abfallendes Gelände und anderes mehr. Die Details im Folgenden.

Am Donnerstag stellten Lars Schmidt, Kaufmännischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke, zusammen mit Marcus Hödl vom Betriebshof Clausthal die Maßnahme am Hasenbacher Teich vor. Der Betriebshof bringt die Schilder an. Sie hoffen, dass die Hinweisschilder ihre Wirkung nicht verfehlen und die Radler zum rücksichtsvollen und vorsichtigen Fahren anregen.

„Wollen die Leute nicht ärgern“

„Uns geht es nicht darum, die Leute zu ärgern. Hinter dieser Maßnahme steht ausschließlich Sachzwang“, versicherte am Donnerstag Lars Schmidt, Kaufmännischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke, der zusammen mit Marcus Hödl vom Betriebshof Clausthal die neue Beschilderung mit Warnhinweisen für Radfahrer stellvertretend für die Beschilderung an etwa 30 Harzteichen am Hasenbacher Teich nahe Buntenbock vorstellte.

Die historischen Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft (OHWR) sind bei Touristen und der Bevölkerung seit jeher beliebt und werden von Fahrradfahrern gerne als Ausflugsziel genutzt. Das gilt derzeit besonders, weil der Harz durch die Corona-Pandemie zu einem besonderen Touristenmagnet geworden ist.

Teilweise befahren die Radfahrer dabei jedoch Wege, die als Radweg nicht geeignet sind. Eine schmale Brücke über einen Ablauf am Hasenbacher Teich ist so eine Gefahrenstelle, an der es rechts und links mehrere Meter hinunter geht. Und so mancher ist da mit seinem Rad und Elektroantrieb recht sportlich unterwegs.

Technische Anlagen

Um die Fahrradfahrer in Zukunft besser auf Gefahrenstellen hinzuweisen, werden an ausgewählten Dämmen des OHWR nun Hinweisschilder aufgestellt. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um Betriebsanlagen der Harzwasserwerke handelt“, so der Kaufmännische Geschäftsführer. Die rund 60 Teiche seien ja eigentlich Talsperren, die besonderer Kontrolle unterliegen. Als Betreiber der Oberharzer Wasserwirtschaft werden die Harzwasserwerke und ihre Anlagen regelmäßig auf ihre Sicherheit hin überprüft.

Bei der aktuellen Sicherheits-Zertifizierung, die einem TÜV für Talsperren ähnelt, wurde bemängelt, dass einige Dämme an den Teichen nicht ausreichend für Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer gesichert sind und ein Gefahrenpotenzial für Besucher darstellen. Doch bauliche Veränderungen, mit denen Abhilfe geschaffen werden könnte, sind problematisch, da es sich bei den Dämmen um ein UNESCO-Weltkulturerbe handelt. Schmidt: „Es besteht für die Harzwasserwerke als Betreiber nicht die Möglichkeit, die Verkehrssicherung mit einer Baumaßnahme vorzunehmen.“

Aus diesem Grund haben sich die Harzwasserwerke dazu entschlossen, an rund der Hälfte der 65 Dämme im OHWR die Hinweisschilder für Fahrradfahrer aufzustellen. Die Nutzung dieser Wege als Radfahrer erfolgt auf eigene Gefahr. „Auf einigen Dämmen wird es für Radfahrer auch ohne Gegenverkehr schnell zu eng und gefährlich, da die Wege nicht für den öffentlichen Verkehr gebaut wurden. Mit den neuen Schildern wollen wir auf die Gefahrenstellen hinweisen und die Radfahrer schützen“, sagt Lars Schmidt,

Enge Wege und Böschungen

Bei den Gefahrenstellen handelt es sich vor allem um Wege, auf denen die Böschung seitlich steil ins Wasser abfällt oder Geländer an Brücken und Engstellen zu niedrig sind. Die geplante Anbringung der Schilder im historischen OHWR erfolgt in enger Absprache mit der Denkmalschutzbehörde und wird vom Betriebshof Clausthal umgesetzt.

In einem ersten Schritt wurden an einigen stark genutzten Dämmen zunächst vorhandene Verbotsschilder aufgestellt, um das Unfallrisiko an vielbefahrenen Strecken schnellstmöglich zu minimieren. Zuletzt nahm der Radverkehr durch die erhöhte Besucherzahl in Zeiten der Corona-Pandemie stark zu. „Durch die Coronakrise kam es an den gefährlichen Stellen an Wochenenden und Feiertagen teilweise sogar zu Staus und gefährlichen Situationen mit Gegenverkehr, deshalb mussten wir sofort reagieren“, erklärt Lars Schmidt.

Mountainbiker und Fahrradfahrer können die Wege also auch weiter für ihre Touren nutzen. „Gleichzeitig appellieren wir dabei aber an die Vernunft der Radfahrer und bitten um größere gegenseitige Rücksichtnahme. Wenn wir das erreichen, dann haben wir schon viel gewonnen“, so Schmidt abschließend.

Hintergrund: Oberharzer Wasserwirtschaft

Die Oberharzer Wasserwirtschaft ist ein jahrhundertealtes Anlagensystem aus der Zeit des historischen Bergbaus im Harz. Das weitläufige System aus 65 Teichen, mehr als 70 Kilometer Gräben und diversen Wasserläufen erstreckt sich auf eine Fläche von mehr als 200 Quadratkilometern. Die Harzwasserwerke sind seit 1991 Betreiber der Anlagen und für die Pflege verantwortlich.

Aufgrund der erneuten Trockenheit werden die Anlagen derzeit auch für die Unterstützung der Trinkwasserproduktion herangezogen.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder