Wildtieren soll die Ausbreitung erleichtert werden

Goslar.  Nationalpark Harz und Landkreis Goslar arbeiten in einem Gemeinschaftsprojekt an der Planung von Biotopverbundsystemen.

Das älteste im Harz bekannte Luchsmännchen an einem der Kamerastandorte.

Das älteste im Harz bekannte Luchsmännchen an einem der Kamerastandorte.

Foto: Landkreis Goslar / Nationalpark Harz

Um so genannte Biotopverbundsysteme im Kreisgebiet Goslar besser planen zu können, haben sich der Landkreis Goslar und die Nationalparkverwaltung Harz bereits im vergangenen Jahr auf den Weg gemacht, die Ausbreitung von Wildtieren im nördlichen Harzvorland zu untersuchen.

An fünf Standorten zwischen Lutter und Vienenburg (Wahrenberg, Appelhorn, Bärenkopf, Barley und Harly) haben die Projektpartner in Abstimmung mit den Niedersächsischen Landesforsten zehn Wildkameras installiert, um Luchs, Wildkatze und Co. nachzuspüren. Die gesammelten Daten geben zum einen Aufschluss über die Verbreitung von Wildtieren, zum anderen liefern sie wichtige Informationen darüber, wie Biotopverbundsysteme zum Wohl der Tiere künftig besser geplant werden können. Darüber informiert die Kreisverwaltung.

Unüberwindbare Barrieren

Demnach sei die Bedeutung solcher Systeme für die Entwicklung und Ausbreitung der heimischen Tierwelt groß, denn Kernbereiche als Rückzugsgebiete liegen oft für sich isoliert. Unter anderem Autobahnen oder Bundesstraßen stellen unüberwindbare Barrieren dar, die eine Ausbreitung der Wildtiere verhindern. Aber auch Infrastrukturmaßnahmen, wie die Erweiterung von Siedlungen sowie die Nutzungsintensivierung in der Landwirtschaft führen zu einem beständigen Verlust wertvoller Lebensräume und engen die Wandermöglichkeiten insbesondere von größeren Tierarten immer weiter ein. Landkreis Goslar und Nationalpark wollen mit ihrem Gemeinschaftsprojekt etwas gegen diese Entwicklung unternehmen und das Kreisgebiet für Tiere und Pflanzen durchlässiger gestalten.

Rainer Schlicht, beim Landkreis zuständig für das Projekt, erklärt, dass schon einfache Maßnahmen einen großen Effekt haben können: „Mit der gezielten Anpflanzung von Hecken oder der Schaffung von gefahrlosen Querungshilfen an Straßen oder Bahnlinien kann bereits ein wertvoller Beitrag für die Tiere geleistet werden.“

Sinnvolle Stelle identifizieren

Von der Umsetzung solcher Maßnahmen ist man jedoch noch ein Stück weit entfernt. Laut Schlicht geht es bislang in erster Linie darum, Stellen zu identifizieren, an denen Maßnahmen sinnvoll und durchführbar sind. Seit 2019 sind daher zwei Planungsbüros damit beauftragt, für zwei Abschnitte Gutachten zu erstellen. Die Erkenntnisse des Wildtiermonitorings fließen dort mit ein.

Für das nördliche Harzvorland ist das Gutachten mittlerweile fertiggestellt und kann auf der Internetseite des Landkreises unter www.landkreis-goslar.de eingesehen werden. Für den westlichen Bereich rund um die Stadt Seesen mit den Anschlüssen an die Nachbarlandkreise wurde mit der Erarbeitung des Gutachtens vor kurzem begonnen. Der Abschluss soll im kommenden Jahr erfolgen. Die Umsetzung geeigneter Maßnahmen folgt im Anschluss.

Ein geplanter Biotopverbund soll der dauerhaften Sicherung der Population wildlebender Tiere und Pflanzen einschließlich ihrer Lebensstätten, Biotope und Lebensgemeinschaften sowie der Bewahrung, Wiederherstellung und Entwicklung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen dienen.

An kaum einer Tierart wird die Notwendigkeit solcher Biotopverbundsysteme deutlicher als am Beispiel des Luchses, der sich vom Harz aus mit den anderen Vorkommen in Deutschland und Europa verbinden soll, um langfristig den genetischen Austausch und das Überleben der Art zu sichern.

Das Ergebnis des Monitorings sei im nördlichen Harzvorland erfreulich: Der Luchs konnte bislang an drei der fünf Standorte, nämlich am Wahrenberg bei Ostlutter, im Appelhorn bei Langelsheim und immerhin mit einem einzelnen Foto in der Barley bei Dörnten nachgewiesen werden, heißt es vonseiten der Kreisverwaltung. Die Wildkatze hingegen taucht an allen fünf Standorten recht häufig auf. Fast überall konnten nachtaktive Baummarder, Dachse, Füchse, Hasen, Rehe, Wildschweine und Waschbären dokumentiert werden. Ein Iltis, ein Damhirsch oder ein aus Osteuropa eingewanderter Marderhund wurden selten abgelichtet. Es entstand sogar ein Foto eines Fischotters. Ein Wolf erschien nicht auf den Fotos.

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