Neuentdeckter Johannesstollen führte Wasser aus dem Berg

Clausthal-Zellerfeld.  Im Harz wurde überraschend ein Stollen aus dem 16. Jahrhundert gefunden. Jetzt gibt es erste Infos, was es mit dem Johannesstollen auf sich hat.

Das LBEG und die Arbeitsstelle Montanarchäologie im NLD haben der Öffentlichkeit die Wiederentdeckung des Johannesstollens in Clausthal-Zellerfeld vorgestellt.

Das LBEG und die Arbeitsstelle Montanarchäologie im NLD haben der Öffentlichkeit die Wiederentdeckung des Johannesstollens in Clausthal-Zellerfeld vorgestellt.

Foto: Eike Bruns / LBEG

Bei der Sanierung des Schachts Silberkrone am Brauhausberg in Clausthal-Zellerfeld sind die Mitarbeiter der beauftragten Fachfirma BST Mansfeld auf den Johannesstollen getroffen (wir berichteten). „Das war zwar nicht völlig unerwartet, aber dass er noch in so einem guten Zustand ist, ist eine tolle Entdeckung“, sagte Thomas Finkeldey, der beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) für die Gefahrenabwehr zuständig ist. Was es mit dem Stollen auf sich hat.

Wasserlösungsstollen

Der Johannesstollen ist ein alter Wasserlösungsstollen, der Wasser aus dem Berg führte, damit die Bergwerke nicht voll Wasser laufen. Über den Stollen sei wenig bekannt. Die vorhandenen Pläne, sogenannte Risswerke, seien sehr lückenhaft. Der Stollen dürfte aber mindestens aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammen. Das Besondere daran sei, dass er nahezu im Originalzustand erhalten ist: „Sein Aussehen und die Spuren, die wir hier entdecken, geben uns Aufschluss über sein Alter und wie damals die Bergleute gearbeitet haben“, erklärte Dr. Katharina Malek von der Arbeitsstelle Montanarchäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege.

„Sechser im Lotto“

Mit ihrem Kollegen Georg Drechsler dokumentiert Malek jedes Mal, wenn die Fachleute der Firma BST Mansfeld ein weiteres Stück freigelegt haben, den Johannesstollen und die darin enthaltenen alten Spuren der Bergleute. So hat sich beispielsweise das Tretwerk aus Holz gut erhalten, aber auch Löcher von den Balken der Arbeitsbühnen. „Aus wissenschaftlicher Sicht bietet sich uns hier eine einmalige Gelegenheit, den durch die komplette Verfüllung seit Jahrhunderten unveränderten Stollen mit den historischen Arbeitsspuren zu untersuchen“, zeigt sich Dr. Malek erfreut. „Ich glaube, wir stehen hier vor einer kleinen Sensation“, fügte sie hinzu. Thomas Finkeldey unterstrich die Bedeutung des Fundes: „Es ist ein Sechser im Lotto!“

Bergschaden nach Tauperiode

Ursprünglicher Auslöser war ein Bergschaden. Nach einer Tauperiode war im Januar 2019 eine rund 50 Zentimeter tiefe Mulde unter der Straße Am Brauhausberg entstanden. Grund dafür war der unter dieser Stelle liegende Schacht Silberkrone. Das LBEG und die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld leiteten zunächst Sofortmaßnahmen zur Sicherung ein. Im Anschluss sollte der etwa von 1668 bis 1700 betriebene Schacht saniert werden.

In 20 Metern Tiefe

Bei der Sicherung des rund 46 Meter tiefen Schachts, die sich aufgrund schwieriger Bodenverhältnisse länger als geplant hinzog, stießen die Fachleute in rund 20 Metern Tiefe auf den Johannesstollen. „Für uns stand relativ schnell fest, dass wir den Stollen wieder aufwältigen, um zum rund 65 Meter entfernten Schacht Kron-Kahlenberg zu kommen“, erklärte Thomas Finkeldey, da dieser weiter östlich gelegene Schacht auch saniert werden solle. Es ist somit möglich, von unten eine Betonplombe zu setzen, um den Schacht Kron-Kahlenberg zu sichern. Zum Abschluss sollen dann voraussichtlich noch im Jahr 2020 der Johannesstollen und schließlich der Schacht Silberkrone verfüllt und somit dauerhaft gesichert werden.

Dokumentation für die Nachwelt

„Aus denkmalpflegerischer Sicht ist gleichzeitig die notwendige fachliche Dokumentation des Originalzustandes für die Nachwelt entstanden“, ergänzte Dr. Malek. Dies geschehe mit modernsten, in der Montanarchäologie erprobten Verfahren. Dabei würden tausende Fotos per Hand aus unterschiedlichen Perspektiven gemacht und mithilfe eines Algorithmus zu einem 3-D-Modell zusammengerechnet.

Erst nach dem Abschluss der Sicherungsarbeiten wird die wissenschaftliche Auswertung abgeschlossen werden können. Die Experten erhoffen sich dadurch mehr über die Geschichte des Stollens und damit über den alten Bergbau im Oberharz zu erfahren. Die Ergebnisse sollen ebenfalls der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Ein Video von den Arbeiten am Schacht Silberkrone mit weiteren Hintergrundinformationen ist im YouTube-Geochannel des LBEG unter www.youtu.be/fiDEaWgLiNs zu finden.

Hintergrund

Vor gut einem Monat hatte das LBEG mit der Technischen Universität Clausthal eine Kooperation zum so genannten Nachbergbau geschlossen. Ein Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, genau solche Bergschäden, wie sie durch die Senkung des Schachts Silberkrone entstanden sind, schon frühzeitig zu erkennen oder gar zu vermeiden. Nötig dazu ist auch die wissenschaftliche Aufarbeitung von teilweise jahrhundertealten Unterlagen, die zum Großteil vom Bergarchiv im Niedersächsischen Landesarchiv zur Verfügung gestellt werden. Sie sind wie im Fall des Johannesstollens oftmals nur ungenügend oder aber lückenhaft überliefert worden.

„Darüber hinaus werden durch die enge Zusammenarbeit des LBEG mit der Arbeitsstelle Montanarchäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege wertvolle historische Funde und die technischen Meisterleistungen alter Bergmannskunst der Nachwelt erhalten“, heißt es dazu vonseiten des LBEG.

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