Experten vermuten 500-Kilogramm-Bombe in Göttingen

Göttingen.  Die Sprengung ist am Samstag geplant. Etwa 14.000 Bürger müssen evakuiert werden, der Zugverkehr wird komplett lahmgelegt.

Bei dem möglichen Bombenfund am Göttinger Schützenanger könnte es sich um eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handeln.

Bei dem möglichen Bombenfund am Göttinger Schützenanger könnte es sich um eine 500 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handeln.

Foto: Stefan Rampfel / HK

Bei Sanierungsarbeiten an Abwasserrohren im Göttinger Schützenanger wurde in den vergangenen Tagen ein Gegenstand geortet – Experten des Kampfmittelräumdienstes gehen davon aus, dass es sich dabei um eine rund 500 Kilo schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg handelt.

Am Montagnachmittag wurde auf einer Pressekonferenz über weitere Einzelheiten des möglichen Bombenfunds am Göttinger Schützenanger informiert. Harald Melzer, Leiter des Fachbereichs Ordnung, sagte: „Wir fürchten, dass sie einen Säurezünder hat. In diesem Fall muss die Bombe vor Ort gesprengt werden.“ Wenn die Grube vom Grundwasser befreit ist, werde die Bombe komplett freigelegt, so Melzer. Dann würden Sand- und Wasserpacks um die Bombe platziert, um die Sprengwirkung abzufedern.

Der Evakuierungsradius beträgt einen Kilometer um den Fundort, so dass nicht nur der Bahnhof komplett geschlossen wird, sondern auch wichtige Straßen wie die Weender Landstraße, der Maschmühlenweg, die Goßlerstraße und die Pfalz-Grona-Breite. Auch das Hochhaus „Iduna-Zentrum“ muss geräumt werden. Frei bleiben die Groner Landstraße, die Berliner Straße und die Robert-Koch-Straße, die bis zum Freitag in beiden Richtungen befahrbar sein soll, nachdem sie mehrere Monate wegen Bauarbeiten gesperrt war.

Frank Gloth von der Berufsfeuerwehr sagte: „Die Evakuierung wird durchgeführt von Stadtordnungsdienst, Polizei und Feuerwehr. Sie beginnt um 7 Uhr morgens und soll um 11.30 Uhr abgeschlossen sein. Hierzu werden viele Freiwillige Feuerwehren alarmiert, deren Mitglieder von Haustür zu Haustür gehen.“ Von der Evakuierung betroffen sind etwa 14.000 Menschen. 1.350 Gebäude und 1.400 Gewerbebetriebe müssen geräumt werden.

Als Notunterkünfte für die Evakuierten ist die Geschwister-Scholl-Gesamtschule für die Anwohner vorgesehen, die westlich der Bahnlinie wohnen, und die Mensa des Universitätsklinikums für die Anwohner, die östlich der Bahngleise wohnen.

Der komplette Zugverkehr wird am Samstag eingestellt. Die genauen Uhrzeiten waren am Montag noch nicht bekannt. Hier gibt die Bahn demnächst weitere Informationen. Jeweils zeitnahe Informationen werden auf der Webseite www.goettingen.de mitgeteilt. Ein Bürgertelefon für Fragen aus der Bevölkerung ist eingerichtet. Die Nummer lautet 0551/7075-100. Auch der Messenger-Dienst der Stadt und die App KatWarn geben aktuelle Informationen bekannt.

In den betroffenen Bereichen werden Zettel in verschiedenen Sprachen für die Anwohner verteilt. Wenn die Evakuierungsphase beendet ist, wird über alle Kanäle darüber informiert. Eine genaue Uhrzeit ist nicht bekannt.

Was bei einer Explosion im Sperrradius passieren kann, hat Göttingen im Jahr 2010 erlebt, als auf dem Schützenplatz ein Blindgänger mit Säurezünder unkontrolliert explodierte und drei Menschen in den Tod riss (wir berichteten).

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