Mehr Gäste im Harz – Arbeitszeiten werden immer extremer

Osterode  Der Harz kam im vergangenen Jahr auf 4,4 Millionen Übernachtungen. Das sind 35 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Doch das hat auch Schattenseiten.

Bei einer aktuellen Branchenumfrage der NGG gaben 81 Prozent der Befragten an, ihre Arbeitsbelastung habe in den letzten Jahren zugenommen. Fast jeder Zweite muss demnach in der Freizeit für den Betrieb einspringen.

Bei einer aktuellen Branchenumfrage der NGG gaben 81 Prozent der Befragten an, ihre Arbeitsbelastung habe in den letzten Jahren zugenommen. Fast jeder Zweite muss demnach in der Freizeit für den Betrieb einspringen.

Foto: karepa / Fotolia

Touristen zieht es in heimische Betten: Der Harz verzeichnete im vergangenen Jahr 4,43 Millionen Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland. Das sind 35 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Die NGG Süd-Ost-Niedersachsen-Harz beruft sich dabei auf Angaben des Statistischen Bundesamtes.

NGG-Geschäftsführerin Katja Derer spricht von einer „starken Bilanz – die jedoch nur mit dem starken Engagement der Beschäftigten überhaupt möglich ist“. Allein im Landkreis Göttingen beschäftige das Gastgewerbe nach Angaben der Arbeitsagentur rund 7.500 Menschen. „Allerdings fehlen hier zunehmend Fachkräfte – auch, weil die Branche ein Image-Problem hat“, ist Derer überzeugt.

Ein Hauptgrund: immer extremere Arbeitszeiten. Zwar gehöre das Arbeiten am Abend oder am Sonntag für Hotelfachleute und Kellner fest zum Job. „Aber in den vergangenen Jahren sind die Schichten deutlich länger und die Erholungszeiten kürzer geworden. Das macht nicht jeder ewig mit“, sagt die Gewerkschafterin. Sie kritisiert insbesondere die Forderungen von Unternehmern, das Arbeitszeitgesetz zu lockern.

„Geht es nach dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, dann sollen 13-Stunden-Arbeitstage bald zum Normalfall werden. Aber hier steht die Gesundheit der Beschäftigten auf dem Spiel. Nicht umsonst gibt es gesetzliche Grenzen“, so Derer. Das Arbeitszeitgesetz schreibe eine Regelarbeitszeit von acht Stunden täglich vor. In Ausnahmefällen kann sie auf zehn Stunden ausgedehnt werden. Nach einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin steige das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde.

„Arbeiten am Limit“

Im Kreis Göttingen arbeiteten gerade gelernte Fachkräfte „längst am Limit“. Die dürfe man nicht mit „Horror-Arbeitszeiten“ verprellen. Schon jetzt falle es der Branche schwer genug, Schulabgänger für eine Ausbildung zu gewinnen.

Bei einer aktuellen Branchenumfrage der Gewerkschaft gaben 81 Prozent der Befragten an, ihre Arbeitsbelastung habe in den letzten Jahren zugenommen. Fast jeder Zweite muss demnach in der Freizeit für den Betrieb einspringen. Dabei betreffen ungewöhnliche Arbeitszeiten auch viele andere Wirtschaftsbereiche. Bundesweit arbeitet jeder mittlerweile vierte Beschäftigte regelmäßig am Wochenende, so der aktuelle Mikrozensus. In der Hotellerie und Gastronomie liege die Quote sogar bei 86 Prozent, hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ermittelt.

Statt längere Arbeitszeiten zu fordern, sollten Hoteliers und Gastronomen die Branche attraktiver machen: „Das fängt bei einer guten Ausbildungsqualität an und reicht bis zur Bezahlung nach Tarif. Und wenn das Personal Spaß hat, kommen die Gäste auch gern wieder.“

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