War eine zweite Person am Mord in Lindau beteiligt?

Göttingen  Ein ehemaliger Nachbar sagte im Prozess gegen einen 28-Jährigen vor dem Landgericht aus. In Lindau war eine zerstückelte Leiche ausgegraben worden.

Die Polizei hatte im August 2018 südlich von Lindau den Leichnam eines Menschen geborgen. Der Mann wurde vermutlich im Dezember 2017 ermordet und an der Stelle vergraben.

Die Polizei hatte im August 2018 südlich von Lindau den Leichnam eines Menschen geborgen. Der Mann wurde vermutlich im Dezember 2017 ermordet und an der Stelle vergraben.

Foto: HEIDI NIEMANN / pid

War noch eine zweite Person an dem Mordfall in Lindau beteiligt? Diese Frage ist am Dienstag im Prozess vor dem Landgericht Göttingen aufgetaucht. Seit Anfang Februar muss sich dort ein 28-jähriger Mann aus Landsberg am Lech verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Anfang Dezember 2017 an seinem damaligen Wohnort in Katlenburg-Lindau einen 37-jährigen Nachbarn getötet zu haben. Später habe er die Leiche zerstückelt und vergraben. Zeugenaussagen zufolge soll allerdings schon vor dem Fund der Leiche ein anderer Hausbewohner etwas über die Tat gewusst und erzählt haben.

Das Gericht hatte am Dienstag unter anderem einen Auszubildenden als Zeugen geladen, der ebenfalls in dem Mehrfamilienhaus wohnt und sowohl den Angeklagten als auch das Mordopfer kannte. Er habe zu beiden kaum Kontakt gehabt, berichtete er. Der Angeklagte sei dort als Hausmeister tätig gewesen. Das spätere Mordopfer habe er nur zweimal gesehen.

Teilweise seien die Hausbewohner recht merkwürdig und auffällig gewesen, meinte der Zeuge. Einer sei „ziemlich okkult“ gewesen, habe „viel verworrenes Zeug“ geredet und sich öfters mit einem anderen Bewohner über Seelen und Geister unterhalten, die im Haus herumspuken sollten. Seinem Eindruck nach war jener Nachbar mit dem Hang zum Okkultismus mit dem Angeklagten befreundet gewesen und hatte sich öfters in dessen Wohnung aufgehalten. Der Angeklagte, so erinnerte sich der Zeuge, sei dann im Januar 2018 aus dem Haus ausgezogen. Im Januar sei ihm aufgefallen, dass er den 37-Jährigen lange nicht mehr gesehen hatte.

Einige Monate später, im Juni 2018, kam bei einer Grillparty im Vorgarten des Hauses das Gespräch auf das Verschwinden des 37-Jährigen. Ein bereits stark angetrunkener Mitbewohner habe damals gesagt, dass er wisse, was mit diesem passiert sei, berichtete der Zeuge. Der Nachbar habe erklärt, dass der 37-Jährige umgebracht und rund 300 Meter entfernt vergraben worden sei. Er habe zudem gesagt, dass daran zwei Leute beteiligt gewesen seien und er auch die Stelle zeigen könne, wo die Leiche vergraben worden sei. Da dieser betrunken gewesen sei, habe er ihm die ganze Geschichte nicht geglaubt. Als er ihn zwei Tage später in nüchternem Zustand darauf angesprochen habe, habe dieser sich gar nicht mehr dazu äußern wollen. Einige Wochen später habe er dann in der Zeitung gelesen, dass in der Nähe des Hauses eine Leiche ausgegraben worden war.

Im Nachhinein finde er es auffällig, dass einige Monate zuvor mehrere Bewohner fast zeitgleich das Haus verlassen hätten. Auch der Nachbar mit dem Hang zum Okkultismus sei ausgezogen.

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