VfL-Legende Uwe Otto im Podcast - Das Problem mit dem Nachwuchs

Wolfsburg.   In der zweiten Folge des Podcasts „Wölfe-Talk“ spricht Uwe Otto über VfL-Karriere und Jugendarbeit.

Redakteur Leonard Hartmann (links) im Gespräch mit VfL-Legende Uwe Otto.

Redakteur Leonard Hartmann (links) im Gespräch mit VfL-Legende Uwe Otto.

Foto: regios24/Michael Uhmeyer

Als Uwe Otto das Trikot des VfL Wolfsburg trug, war die Heimat der Grün-Weißen noch der Elsterweg. Der beinharte Verteidiger gehörte zum Team, das mit dem Aufstieg in die 2. Liga 1992 den Weg in den Profifußball ebnete. „Wir haben zum Teil noch auf Schotter trainiert, was heute unvorstellbar ist“, erklärt der 57-Jährige im „Wölfe-Talk“, dem neuen Podcast unserer Zeitung. Otto gibt Einblicke in die Zeit damals, spricht über das legendäre 4:5 im DFB-Pokal gegen Werder Bremen, aber bezieht auch Stellung zu einem ganz aktuellen Thema: der Nachwuchsarbeit beim Bundesligisten.

Yari und Nick Otto verlassen den VfL

Denn dort hakt es im Moment etwas. Seit Maximilian Arnold und Robin Knoche hat es kein Talent aus der Nachwuchsakademie geschafft, sich im Profiteam auf Dauer durchzusetzen. „Wenn man bedenkt, wie erfolgreich in der Jugend gearbeitet wird, und man letztendlich schaut, was dabei für ,oben’ herauskommt, ist es sehr wenig“, sagt Otto. „Wieso, weshalb und warum das so ist, kann man nur mutmaßen.“ Doch er hat eine Theorie, und die stammt aus eigener Erfahrung. Denn schließlich haben seine Söhne selbst in der Jugend des VfL gespielt: Yari und Nick entwickelten sich bis zur U19 bei den Grün-Weißen, ehe sie den Klub verließen und sich Eintracht Braunschweig anschlossen.

Zur ersten Podcast-Folge geht es hier: VfL-Kapitän Guilavogui im Podcast: „Wir haben den besten Job“

Ihren Jahrgang 1999 hat Uwe Otto daher intensiv verfolgt. Im ersten A-Jugend-Jahr seiner Söhne wurden diese mit dem VfL souverän Meister der Bundesliga Nord/Nordost. „Im zweiten Jahr hat Hertha BSC jedoch einen Riesenschritt gemacht und dem VfL die Meisterschaft entrissen“, erinnert sich Otto. Was ist also in diesem einen Jahr passiert? Die Antwort betrifft genau das, was in Wolfsburg oft Thema ist: die mangelnde Durchlässigkeit aus dem Nachwuchsbereich ins Profiteam. „Die Berliner haben ihre Talente schon früher im Herrenbereich mitmachen lassen, was bei den Grün-Weißen eher selten ist. Da ist die Kontinuität nicht da. Das ist der Unterschied.“

Gian-Luca Itter als Beispiel

Mit Palko Dardai, Florian Baak, Keeper Dennis Smarsch und allen voran Arne Maier (Markwert 20 Millionen Euro) gehören gleich vier Spieler aus dem Hertha-Jahrgang 1999 fest zum Bundesliga-Team. Beim VfL hat niemand den Sprung geschafft. „Das beste Beispiel ist doch Gian-Luca Itter“, erklärt Otto. Der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Gold spielte mit Ottos Söhnen zusammen in der Wolfsburger U19, machte dann sieben Bundesliga-Spiele für den VfL. Doch der Durchbruch blieb ihm verwehrt, vor der Saison „flüchtete“ Itter zum SC Freiburg.

Auch für Yari und Nick ging’s am Ende der A-Jugend beim VfL nicht mehr weiter. Dabei war das Interesse der Wolfsburger durchaus da. „Aber sie hatten andere Vorstellungen als wir“, sagt Vater Otto, der seine Söhne bei der TSG Mörse einst selbst trainiert hatte. In Braunschweig jedoch wurden die Wünsche erfüllt. „,Oben’ trainieren und die Möglichkeit, in der Regionalliga zu spielen, das war unser Ansatz“, erklärt der 57-Jährige.

„Bei den Grün-Weißen wurde uns gesagt: Wir machen das nicht.“ Auch bei der Eintracht lief es aufgrund des überraschenden Abstiegs aus der 2. in die 3. Liga anders. Yari als Stürmer kam gleich auf 21 Einsätze und vier Tore im ersten Herrenjahr. Verteidiger Nick hatte einen schwereren Stand, ist aktuell an Regionalligist SSV Jeddeloh verliehen.

Fußball ist immer verrückt

Otto gibt zu: „Es tat schon weh. Ich hätte es gerne gesehen, dass beide in Wolfsburg geblieben wären.“ Aber, so der Wolfsburger Aufstiegsheld von 1992 weiter, „so verkehrt ist es in Braunschweig nicht“. Wird es jemals eine Rückkehr zum VfL für seine Söhne geben? „Der Fußball ist immer verrückt. Aber im Moment ist es schwer vorstellbar.“

Zu hören sind die Folgen jeweils mittwochs vor einem Bundesliga-Heimspiel ab 21.30 Uhr auf www.wolfsburger-nachrichten.de/podcast oder bei Spotify und demnächst auch bei Apple Podcast.

Podcast „Wölfe-Talk“

Mit dem ersten Heimspiel des Jahres startet der Podcast unserer Zeitung über den VfL Wolfsburg. Mit Gästen aus dem Verein und der Fanszene wird über alles gesprochen, was die Grün-Weißen betrifft.

Zu hören sind die Folgen jeweils mittwochs vor einem Bundesliga-Heimspiel ab 21.30 Uhr auf www.wolfsburger-nachrichten.de/podcast oder bei Spotify und demnächst auch bei Apple Podcast.

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