Royals

Prinz Harry tötete Taliban: Bekenntnis mit fatalen Folgen?

| Lesedauer: 4 Minuten

"Prinz Harry hat seinen inneren Kompass verloren"

Beschreibung anzeigen

London  Prinz Harry sorgt für Aufregung. Warum sein Buch "Reserve" eine politische Zeitbombe ist und unkalkulierbare Gefahren heraufbeschwört.

Lange bevor der Inhalt der Memoiren von Prinz Harry, 38, bekannt wurde, nannte die britische Presse seine Bekenntnisse ein „Bombshell book“, ein "Bombenbuch" – wohl nicht ahnend, welche Zeitbombe der Prinz scharf gestellt hatte.

Als der Inhalt bekannt wurde, kommentierte ein ranghoher britischer Offizier: „Harry hat sich und seiner Familie selbst das Fadenkreuz auf den Rücken gemalt“. In seinem Buch „Spare“ (auf Deutsch: Reserve) bekannte Harry, er habe als Offizier in Afghanistan 25 Taliban-Kämpfer getötet, die ihm damals wie „Schachfiguren“ erschienen seien. Harry hatte am Hindukusch selbst die Geschütze eines Apache-Kampfhubschraubers – bewaffnet mit 30 Millimeter-Kanonen und Hellfire-Raketen – bedient.

Kriegsverbrechen: Bald könnte Prinz Harry eine Klage drohen

Während sich die Mehrheit der Medien eher damit beschäftigte, wer im Königshaus wann unpassender Weise umarmt oder zum falschen Zeitpunkt nicht in die Arme genommen hatte und wer die sechs Jahre ältere Frau war, die den 17-jährigen Harry seiner Unschuld beraubte, läuteten bei fassungslosen Militärs und Politikern sofort die Alarmglocken. In Düsseldorf wird seitdem ernsthaft überlegt, die dort in diesem Jahr geplanten „Invictus-Games“, eine Art Paralympics für im Dienst verwundete Militär-Angehörige mit Harry als Schirmherrn, aus Sicherheitsgründen abzusagen. Taliban-Vertreter beschimpften Harry über soziale Netzwerke als „betrunkenen Bastard“ und „verdammten Feigling“, der nochmal nach Afghanistan kommen sollte, wenn er ein Mann sei. Lesen Sie hier: Afghanistan: Deshalb dürfen Helfer jetzt nicht abziehen

Das britische Verteidigungsministerium weigert sich bis heute, Harrys Kriegserlebnisse zu kommentieren. Die renommierte Universität Birmingham wurde in offiziellen Mitteilungen sehr viel deutlicher – Dr. Emma Breeze, Professorin für internationales Strafrecht, kommentierte am Ende einer sehr juristischen Stellungnahme: „Wir sollten nicht vergessen, dass hinter jeder Zahl Menschen stehen, die Familien haben und respektiert werden sollen“. Sprecher der Elite-Militärakademie Sandhurst stellten klar, „die Army hat Prinz Harry nicht beigebracht, den Gegner zu entmenschlichen“. Angeblich soll es bereits Überlegungen geben, Harrys als Kriegsverbrecher in Den Haag anzuklagen.

Was Experten befürchteten, trat nur wenige Tage nach dem Erscheinen des Buches ein: Nach der Hinrichtung des iranisch-britischen Doppelbürgers Alireza Akbari, 61, wies das Außenministerium in Teheran auf Twitter alle Kritik aus London zurück – mit folgendem Statement: „Die britische Regierung, in deren Land ein Mitglied der königlichen Familie das Töten von 25 unschuldigen Menschen als Umstoßen von Schachfiguren betrachtet und kein Bedauern darüber zeigt, und alle, die mit einem blinden Auge über dieses Kriegsverbrechen hinwegsehen, sind nicht in der Position, anderen Predigten über Menschenrechte zu halten“. Nahost- und Militärexperten befürchten nun Bluttaten, jeweils mit Verweis auf Harrys Bekenntnisse. Er sei „ein dummer Junge“, gehört zu den harmlosesten Kommentaren. Lesen Sie hier: Iran-Proteste: Diese Menschen haben ein Todesurteil bekommen

Prinz Harry: Darum geht sein Plan nicht auf

Rätselhaft ist, warum Harry diese Büchse der Pandora geöffnet hat – und ohne Not, denn die Millionenhonorare für seine Memoiren hat er vor allem für erhoffte Indiskretionen aus einem Privatleben und dem Königshaus erhalten, die er zuverlässig geliefert hat. Er habe damit das Königshaus und die Regierung unter Druck setzen wollen, ihm den Personenschutz (auf Kosten der Royals und/oder Steuerzahler) zu geben, den er seit seinem Ausscheiden als Profi-Royal nicht mehr bekomme, ist eine der – zuletzt auch laut geäußerten – Vermutungen.

Auch interessant: William, der Vulkan: Warum Wutausbrüche ihm nicht schaden

Das könnte sogar stimmen, so bizarr es klingt, zumal Harrys bisherige „Verfolger“ in erster Linie Paparazzi oder neugierige Privatleute mit Fotohandys waren, von denen mit Sicherheit keine Gefahr für Leib und Leben drohte. Weder ihm noch Gattin Meghan, 41, und seinen Kindern. In den Geschichtsbüchern und Nachrichtensendungen wären Harrys sonstige Indiskretionen, Vorwürfe und Jammerei wahrscheinlich bald zu einer historischen Fußnote geworden. Durch einige Sätze wurden sie zu einer politischen Zeitbombe – mit einer unkalkulierbaren Gefahr, die weniger dem Rest des Könighauses als anderen Briten, mit oder ohne Uniform, drohen könnte und wohl auch wird. Ein hoher Preis für läppischen Familienkrach.