"Extremperson"

Corona-Ursprung im Labor? Drosten wehrt sich gegen Vorwürfe

| Lesedauer: 3 Minuten
Omikron-Subtyp: auch Berlin ist betroffen

Omikron-Subtyp: auch Berlin ist betroffen

Untersuchungen zufolge gibt es einen Subtypen der Omikron-Variante, der noch ansteckender sein könnte als das Original. Auch in Berlin verbreitet sich der Subtyp.

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Berlin  Der Hamburger Forscher Roland Wiesendanger erhebt Vorwürfe gegen Christian Drosten. Der ist empört und wehrt sich nun auf Twitter.

  • Immer wieder sorgt die Theorie für Aufsehen, der Ursprung des Coronavirus liege angeblich in einem Labor
  • Nun hat Christian Drosten deutlich auf eine Veröffentlichung eines Magazins reagiert
  • In einem Interview hatte Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger Vorwürfe gegen Drosten geäußert

„Kein Interview, sondern ein Vorkommnis“. Mit diesen Worten hat der Berliner Charité-Chefvirologe Christian Drosten auf eine Veröffentlichung im liberal-konservativen Online-Magazin „Cicero“ reagiert. Das Magazin hatte zuvor ein Gespräch mit dem Hamburger Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger publiziert – in dem jener Drosten schwere Vorwürfe macht.

Christian Drosten wehrt sich gegen Vorwürfe

Konkret wirft Wiesendanger Drosten vor, dass der gemeinsam mit weiteren Virologen gezielt die Öffentlichtkeit über den Ursprung des Coronavirus getäuscht habe. Dagegen wehrt sich der Virologe bei Twitter. „Cicero bietet einem Extremcharakter die Bühne und provoziert persönliche Angriffe gegen mich durch suggestive Fragen“, kritisierte Drosten am Donnerstagabend. Belastbaren Tatsachenbehauptungen werde in dem Gespräch ausgewichen.

Am Freitag teilte Drosten „aus gegebenem Anlass“ zudem einen im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Artikel aus dem Jahr 2021. Unter dem Titel „Die Wissenschaft, nicht Spekulation, ist essenziell um herausfinden, wie Sars-Cov-2 den Menschen erreichte“ hatte Drosten zusammen mit anderen Forschenden unter anderem für einen wissenschaftlichen Umgang mit dem Coronavirus gepocht.

Virologe Drosten vermutet gezielte Kampagne hinter Artikeln

Neben dem Interview mit dem Nanowissenschaftler Wiesendanger im „Cicero“ war auch eines mit ihm in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) erschienen. In beiden führte der Forscher in mehreren Punkten seine Theorie aus, Sars-CoV-2 stamme aus einem Labor in Wuhan. Führenden internationalen Virologen wie Drosten, die von einem Ursprung des Virus aus dem Tierreich ausgehen, warf er bewusste Irreführung und Vertuschung vor. Bei Twitter vermutet der Virologe wegen der ähnlich-lautenden Interviews, es werde eine Kampagne (gegen ihn, d. Red.) betrieben.

Eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war in einem Bericht zur Herkunft des Coronavirus zu dem Schluss gekommen, die Theorie, das Virus könne mit einem Labor-Vorfall zu tun haben und sei somit künstlichen Ursprungs, sei „extrem unwahrscheinlich“. Wiesendanger vertritt eine gegensätzliche Position.

Vor rund einem Jahr sorgte er mit einer Untersuchung für Schlagzeilen, in der er zum Ergebnis kam, dass sowohl Zahl als auch Qualität der Indizien für einen Labor-Unfall am virologischen Institut der Stadt Wuhan in China als Ursache der Pandemie sprächen. In der Kritik stand nicht zuletzt die Methodik der Arbeit – als Quellen nutzte er beispielsweise auch Youtube-Videos.

Fakten zu Christian Drosten

  • Geburtsdatum: 12. Juni 1972
  • Position: Leiter der Virologie an der Berliner Charité
  • Thema: Corona-Pandemie

Die "Cicero"-Redaktion reagierte zunächst ihrerseits mit einem Tweet auf Drostens Kritik an dem Interview. "Wir halten die Kategorisierung unseres Gesprächspartners als "Extremcharakter" in diesem Kontext für nicht weiterführend", hieß es. Man biete an, ein Streitgespräch zwischen Wiesendanger und Drosten zu organisieren und zu dokumentieren.(pcl/dpa)

Dieser Artikel ist zuerst auf morgenpost.de erschienen.

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