Polizei Niedersachsen

Stumpfe Gewalt ist Ursache für Tod des 14-Jährigen in Wunstorf

| Lesedauer: 6 Minuten
Blumen liegen an einer Tannenbaumschonung und einem Brachgelände in Wunstorf-Blumenau in der Region Hannover. Nach dem Fund der Leiche eines 14-jährigen Jungen in Wunstorf bei Hannover sind für die Ermittler noch viele Fragen offen. Tatverdächtig wird ein weiterer 14-jähriger Junge.

Blumen liegen an einer Tannenbaumschonung und einem Brachgelände in Wunstorf-Blumenau in der Region Hannover. Nach dem Fund der Leiche eines 14-jährigen Jungen in Wunstorf bei Hannover sind für die Ermittler noch viele Fragen offen. Tatverdächtig wird ein weiterer 14-jähriger Junge.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Wunstorf.  Es ist ein schrecklicher Verdacht: Tötete ein 14-Jähriger in Hannover einen Gleichaltrigen? Gegen den mutmaßlichen Täter liegt nun ein Haftbefehl vor.

Im Fall des getöteten 14-jährigen Jungen aus dem niedersächsischen Wunstorf steht stumpfe Gewalteinwirkung als Todesursache fest. „Das ist das Ergebnis des Obduktionsberichtes“, sagte Can Türkay, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, am Freitag. Die stumpfe Gewalteinwirkung als Todesursache deutet in Richtung von Medienberichten, nach denen ein Stein als Tatwaffe in Frage kommen soll. Die Ermittler informierten zudem darüber, dass der gleichaltrige Mordverdächtige bei der Jugendrichterin zu den Vorwürfen schwieg.

Das zuständige Amtsgericht hatte am Donnerstag Untersuchungshaft für den Beschuldigten angeordnet, weil das Mordmerkmal der Heimtücke – wie von der Staatsanwaltschaft beantragt – gesehen wird. „Der 14-Jährige war arg- und wehrlos“, hatten die Ermittler ihre Sicht dazu erläutert. Er habe nicht damit gerechnet, dass er von seinem „Spielkameraden“ umgebracht werden könnte, hieß es. Der Verdächtige sei in die Jugendanstalt Hameln gebracht worden.

Nachdem der Beschuldigte ersten Polizeiberichten zufolge die Ermittler selbst darüber informiert hatte, den gleichaltrigen Jungen getötet und versteckt zu haben, schwieg er später vor der Jugendrichterin. Er habe sich bei der Vorführung nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte Staatsanwalt Türkay. Der Junge habe mittlerweile einen Pflichtverteidiger an seiner Seite.

Leiche des 14-Jährigen nach Suchaktion gefunden

Nach einer mehrstündigen Suchaktion war am Mittwoch die Leiche des zuvor vermissten 14-jährigen Jungen in der Ortschaft Blumenau gefunden worden. Im Rahmen der Ermittlungen habe ein gleichaltriger Freund des Jungen gegenüber der Polizei angegeben, diesen getötet zu haben, hieß es.

Mitschülerinnen und Mitschüler gedachten des getöteten Teenagers am Freitag in der Schule mit einer Trauerandacht, an der auch Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg teilnahm, wie die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers mitteilte. „Wir legen unsere Verzweiflung und unsere Ratlosigkeit zusammen. Es kann nicht sein, es darf und soll nicht sein. Die tiefe Traurigkeit darüber, dass ein Mitschüler tot ist, getötet worden ist“, sagte Landesbischof Ralf Meister dort laut Mitteilung in seiner Ansprache.

Wunstorf: Vater meldete 14-Jährigen als vermisst – nachts macht Verdächtiger Aussage

Der Vater des 14-Jährigen hatte seinen Sohn bereits am Dienstag gegen 18.30 Uhr als vermisst gemeldet. Er war nach einem Treffen mit einem ebenfalls 14-Jährigen aus Wunstorf nicht zurück nach Hause gekommen. Ob sich der Junge mit dem späteren Täter oder mit einem anderen Gleichaltrigen verabredet hatte, ist laut Polizei noch Gegenstand der Ermittlungen.

Zunächst gingen die Beamten einem Polizeisprecher zufolge von einem Vermisstenfall aus, dann kam die Wendung in der Nacht. Durch die Aussage des mittlerweile Festgenommenen stand ein Tötungsdelikt im Raum. Dennoch hatten die Beamten am Morgen noch Hoffnung, den Vermissten lebend zu finden.

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Bei der Suche mit einem Großaufgebot der Polizei bereits unmittelbar nach seinem Verschwinden wurden auch Personenspürhunde und ein Polizeihubschrauber eingesetzt. Nach der Aussage des Freundes, er habe den 14-Jährigen getötet und versteckt, wurde die Suchaktion ausgeweitet. Feuerwehrkräfte und Polizei-Hundertschaften durchkämmten den Luther Forst, ein Waldstück bei Wunstorf. Auch in der Nacht wurde die Suche fortgesetzt. Die Leiche des Jungen wurde schließlich in etwa drei Kilometer Entfernung von dem Waldstück von Einsatzkräften gefunden.

Wegen des Polizei-Einsatzes war die Bahnstrecke Hannover in Richtung Minden beziehungsweise Nienburg am Morgen zeitweise gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn kam es zu Verspätungen und Zugausfällen. Betroffen waren Regionalbahnen sowie alle ICE- und IC-Züge auf der Strecke zwischen Minden in Westfalen beziehungsweise Bremen und Hannover.

Ähnliches Alter: Parallelen zu Fall aus Salzgitter

Weil es sich um einen sehr jungen Tatverdächtigen handle, müssten dessen schutzwürdige Interessen beachtet werden, sagte ein Polizeisprecher. So könne er unter anderem nur im Beisein seiner Eltern befragt werden. Tötungsdelikte mit sehr jungen Tatverdächtigen kommen Kriminologen zufolge nicht häufig vor. In Braunschweig steht jedoch seit Ende Dezember ein ebenfalls 14-Jähriger vor Gericht. Er soll gemeinsam mit einem zur Tatzeit 13-jährigen Mitschüler ein 15 Jahre altes Mädchen aus Salzgitter heimtückisch ermordet haben.

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In der Kleinstadt in der Nähe des Steinhuder Meeres war das Verbrechen schnell Gesprächsthema. „Wir haben es im Internet gelesen und haben gestern Abend auch mitgekriegt, wie der Suchhubschrauber losflog“, sagte eine ältere Frau vor einem Supermarkt in Wunstorf. „Es ist ganz furchtbar.“ Sie habe großes Mitgefühl mit den Angehörigen des Opfers und auch des mutmaßlichen Täters. „Das stelle ich mir ganz fürchterlich vor, da kriege ich direkt eine Gänsehaut. Ich habe immer gedacht, sowas passiert doch nicht bei uns in Wunstorf“, sagte die Frau, die ihren Namen nicht in den Medien lesen wollte.

„Meine Gedanken und Gebete sind bei der Familie des getöteten Jugendlichen und bei der Schulgemeinschaft“, sagte der evangelische Landesbischof Ralf Meister.

Eine andere Frau vor dem Supermarkt stellte sich die Frage, ob Gewalt unter Jugendlichen mehr geworden sei. „Klar gibt es mal Schlägereien, aber wenn hier jetzt auch noch Leute umgebracht werden, ist das ja noch mal eine andere Nummer“, sagte sie. Einer Schülerin auf der Straße war der Schock über die Nachricht anzusehen. Sie sagte: „Wir haben es in den Nachrichten gehört, sonst wissen wir noch nichts darüber. Das fühlt sich schon komisch an.“