Güterzugunglück bei Gifhorn

Nach Zugunglück im Kreis Gifhorn: Bahnstrecke vor Freigabe

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Zugunfall bei Leiferde: Strecke soll früher freigegeben werden

Zugunfall bei Leiferde- Strecke soll früher freigegeben werden

Die Bergungsarbeiten auf der Bahnstrecke Hannover-Berlin, wo am 17. November zwei Güterzüge kollidiert sind, sind einen großen Schritt weiter.

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Leiferde.  Die Arbeiten an der Bahnschnellstrecke Hannover-Berlin sind nach dem Bahnunfall bei Leiferde beendet. Ab 11. Dezember herrscht wieder Normalbetrieb.

Es ist geschafft: Rund drei Wochen nachdem auf der Bahnschnellstrecke Hannover-Berlin zwischen Dalldorf und Leiferde im Kreis Gifhorn zwei Güterzüge kollidiert sind, sind die Gleise nicht nur wieder geräumt, sondern auch komplett repariert. Die Deutsche Bahn versichert: Ab Sonntag, 11. Dezember, rollen auf dieser wichtigen Verkehrsachse zwischen Ost und West wieder die Züge.

„Es sind keine Bauarbeiter mehr vor Ort“, sagte eine Bahnsprecherin am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung. Die beiden Tage vor der Wiederinbetriebnahme würden noch genutzt, um Kontrollarbeiten vorzunehmen. Aktuell verkehren ausschließlich Güterzüge auf der Strecke, heißt es von Enno. Noch bis Donnerstag waren die wiederhergestellten Oberleitungen ausgerichtet und beschädigte Leitungen für die Sicherungstechnik ersetzt worden.

Bahnunfall bei Leiferde verzögert Freigabe der Weddeler Schleife

Die Wiedereröffnung der Bahnstrecke, an der auch die Haltestellen Ohof/Meinersen, Leiferde, Gifhorn und Calberlah liegen, findet fünf Tage früher statt als ursprünglich geplant. Dafür werde die Sperrung der Weddeler Schleife auf der Bahnstrecke zwischen Wolfsburg und Braunschweig etwas später aufgehoben – nämlich erst am 16. Dezember statt wie vorgesehen am 11. Dezember. Dies habe Auswirkungen auf die von der Privatbahngesellschaft Enno betriebenen Linien RE30 und RE50. Auch bei der Linie RE30 Hannover-Gifhorn-Wolfsburg gibt es in den nächsten Tagen Einschränkungen, teilt die Gesellschaft in Uelzen mit.

Die dortige Verspätung hänge indirekt mit dem Bahnunglück bei Dalldorf zusammen, sagte die Sprecherin der Deutschen Bahn: „Alle Streckenkapazitäten waren ausgereizt. So konnten die Materialien für die Weddeler Schleife erst später transportiert werden.“ Mit der Inbetriebnahme der Strecke Hannover-Berlin am Sonntag sollte aber in der ganzen Region eine deutliche Entlastung eintreten.

Bedeutet: Die Schienenersatzverkehre auf der Enno-Linie RE30 und der Erixx-Linie RB47 werden ab Sonntag eingestellt – die Züge verkehren ab Mitternacht wieder nach regulärem Fahrplan.

Güterzugunfall bei Leiferde – die Vorgeschichte

Ursprünglich hatte die Deutsche Bahn Einschränkungen bis zum 16. Dezember vorhergesagt. „Das hohe Engagement aller Mitarbeitenden und die Unterstützung des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehr haben dafür gesorgt, dass die komplizierten Bergungsarbeiten schneller als geplant abgeschlossen werden konnten“, hieß es allerdings Anfang Dezember von der Bahn.

Schwerlastkräne hatten die zerstörte Zugmaschine am 1. Dezember vom Seitenraum neben den Gleisen auf einen Abschleppwagen gehievt. Beim ersten Umheben waren am Montag zuvor noch rund 2.000 Liter Hydrauliköl ausgelaufen. Die kontaminierte Erde musste ausgekoffert werden. Die Kessel- und Containerwaggons waren zu diesem Zeitpunkt bereits von der Strecke beseitigt und abtransportiert.

Anschließend hatte die Deutsche Bahn eine Gleis-Stopfmaschine eingesetzt. Das ist ein bis zu 105 Meter langer Stahlkoloss, der unter sich die Gleise anhebt und das darunter befindliche Schotterbett korrigiert und verdichtet. Diese Maschinen sind auch in der Lage, die Gleise zu richten.

Unfallstelle bei Leiferde: Feuerwehr beendete Gas-Einsatz nach über einer Woche

Am 26. November hatte die Feuerwehr die Unfallstelle für die weiteren Arbeiten der Bahn freigegeben – nach über einer Woche erschwerter Arbeit. Am Vortag schließlich hatten die Einsatzkräfte Entwarnung gegeben: Alles Gas aus den vier umgekippten und beschädigten Gaskesselwagen waren abgepumpt oder abgefackelt, alle Kessel mit Stickstoff befüllt. Kurz: die Gefahr gebannt.

Auf der Strecke waren in der Nähe von Leiferde (Kreis Gifhorn) am Donnerstag zwei Güterzüge zusammengestoßen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hatte die Unfallstelle am Donnerstag besucht, um sich ein Bild von der aktuellen Lage zu machen – und lobte die Einsatzkräfte: „Das ist eine Situation, die wir noch nicht so oft hatten. Die Situation, dass Propangas in solchen Mengen ausströmt und und befüllte Güterwaggons darum herum liegen – das ist eine hochexplosive Angelegenheit und da hat die Feuerwehr hier vor Ort, die Samtgemeindefeuerwehr mit Unterstützung der Werkfeuerwehr aus Dormagen, Marl und Ludwigshafen wirklich ganze Arbeit geleistet. Dadurch konnte Schlimmeres verhindert werden.“

Gesamteinsatzleiter und Samtgemeindebrandmeister Sven Mayer informierte ihn im Stabsraum zuvor über die aktuelle Lage an der Einsatzstelle. Pistorius sprach außerdem sein Lob gegenüber den Einsatzkräften aus: „Als Minister bin ich ja auch für kleinere und größere Katastrophen zuständig. Und um der Feuerwehr zu danken und den Einsatzkräften, weil das wirklich richtig große Leistung ist, das kann man gar nicht laut genug sagen.“

Die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte vor Ort lief auch laut Carsten Schaffhauser, Sprecher der Kreisfeuerwehr, „vorbildlich“. Nicht nur sei die Samtgemeindenfeuerwehr und die Unterstützung der Werkfeuerwehr unmittelbar zur Stelle gewesen, auch THW, DRK und die DB hätten tolle Arbeit geleistet: „Alles wurde sofort geliefert, seien es die Mineralgemische für die Wege zur Unfallstelle oder die Fackeln für die Verbrennung des Propangases. Die Versorgung der Einsatzkräfte vor Ort war auch von Anfang an sichergestellt.“

Güterzugunfall: Bundespolizei gibt Unfallursache bekannt

Als Ursache des Unglücks, bei dem ein Lokführer leicht verletzt wurde, nannte die Bundespolizei nach ersten Erkenntnissen kein technisches Versagen des auffahrenden Zuges oder der technischen Sicherungseinrichtung der Bahnstrecke. „Die Bahnunfallermittler stellten fest, dass der betroffene Streckenabschnitt durch eine Mitarbeiterin der DB AG fälschlicherweise freigeben wurde, obwohl dort noch ein Güterzug hielt.

Die Mitarbeiterin ließ den darauffolgenden Güterzug mit 25 Kesselwagen in diesem Abschnitt mit 40 Stundenkilometer fahren, der dann auf den stehenden Zug auffuhr. Gegen die Mitarbeiterin der DB AG wird nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt“, teilte Kevin Müller mit, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Hannover.