Letzte Generation

Klimaaktivisten blockierten Wolfenbütteler Straße in Braunschweig

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Braunschweig.  Mitglieder der Gruppe „Letzte Generation“ hatten sich auf der Wolfenbütteler Straße festgeklebt. Es gab einen Stau auf der A36 bis Wolfenbüttel.

Sechs Klimaaktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ blockierten am Montagmorgen für etwas mehr als zwei Stunden die Wolfenbütteler Straße in Braunschweig auf Höhe von Schloss Richmond stadteinwärts. Drei von ihnen hatten sich an der Fahrbahn festgeklebt. Auf Transparenten forderten sie „Stoppt den fossilen Wahnsinn!“.

Die Aktion hatte gegen 7.15 Uhr begonnen – ein langer Rückstau war schnell die Folge. Die Stimmung bei vielen Autofahrern war gereizt. „Was soll der Scheiß?!“, rief ein Mann.

„Letzte Generation“ fordert: Keine neuen Ölbohrungen in der Nordsee

Eine andere Frau bat die Demonstranten: „Tun Sie mir einen Gefallen, gehen Sie bitte weiter. Schaffen Sie wenigstens eine Möglichkeit, dass wir durchfahren können.“ Einer der Blockierer, der Braunschweiger Edmund Schultz, antwortete: „Das geht nicht. Was wir hier machen, ist die einzige Chance, noch etwas gegen die Klimakatastrophe zu tun.“ Die Frau entgegnete ratlos: „Aber ich brauche mein Auto, um zur Arbeit zu kommen. Ich kann euer Anliegen verstehen, aber so geht es nicht.“

Eine andere Autofahrerin fragte empört: „Ist das euer Ernst?“ Edmund Schultz: „Wir müssen ein politisches Zeichen setzen! Es tut uns leid, dass ihr betroffen seid.“

Mit der Aktion will die Gruppe eine sogenannte Lebenserklärung von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) fordern: Es dürfe keine neue fossile Infrastruktur geben, insbesondere keine neuen Öl-Bohrungen in der Nordsee. Wind- und Solarenergie müsse mit Hochdruck ausgebaut werden.

Polizei macht Mittelspur der Wolfenbütteler Straße frei

Zwei der Demonstranten hatten sich mit jeweils einer Hand auf der Fahrbahn festgeklebt, einer der Männer mit dem Fuß. Erste Einsatzkräfte der Polizei trafen kurz nach 7.30 Uhr vor Ort ein.

Wenig später sorgte die Polizei dafür, dass zumindest die Mittelspur geöffnet wurde und die Autos durchfahren konnten. Eng wurde es, wenn LKWs die Stelle passierten.

Stau auf A36 bis Wolfenbüttel-Nordwest

Laut Polizeisprecher Dirk Oppermann gab es einen massiven Stau auf der Autobahn 36 zurück bis zur Anschlussstelle Wolfenbüttel-Nordwest. Die Technische Einsatzeinheit der Polizei rückte schließlich an und löste die Aktivisten von der Fahrbahn. Dabei gingen die Beamten vorsichtig mit Holzspatel und Sonnenblumenöl vor.

Immer wieder hupten frustrierte Autofahrer. Gegen 9.30 Uhr war die Fahrbahn wieder frei. „Zwei Personen sind nicht freiwillig gegangen, sondern mussten von der Straße getragen werden“, so Oppermann. Alle sechs Aktivisten erhalten Strafanzeigen wegen Nötigung im Straßenverkehr. Zwei von ihnen waren minderjährig und wurden von ihren Müttern abgeholt.

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Bundesweit in sechs Städten fanden Straßenblockaden statt

Wie schon seit mehreren Monaten fanden ähnliche Straßenblockaden am Montagmorgen laut der Gruppe „Letzte Generation“ bundesweit in fünf weiteren Städten statt: Köln, Stuttgart, Bremen, Heidelberg (an zwei Orten) und Kempten. Außerdem drehen Aktivisten der Gruppe immer wieder auch Sperrventile an Öl-Pipelines ab. Ziviler Ungehorsam sei nötig, betonen sie immer wieder, weil nur noch wenige Jahre blieben, um umzusteuern und den Klimawandel aufzuhalten.

Edmund Schultz hat sich bereits an mehreren Aktionen beteiligt. In Braunschweig ist er vor allem durch sein Engagement in der Baumschutz-Initiative bekannt geworden. Vor Kurzem hat er eine Fahrraddemo auf der A39 organisiert.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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