Arbeitnehmerrechte

Amazon bei Barmke bezieht Stellung gegenüber Verdi

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Bei Barmke entsteht ein Logistikzentrum des Versandhaus-Riesen. Gewerkschaften kritisieren das Unternehmen immer wieder in Bezug auf die Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach Vorwürfen auf einer Informationsveranstaltung durch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi reagiert das Unternehmen nun. (Archivbild)

Bei Barmke entsteht ein Logistikzentrum des Versandhaus-Riesen. Gewerkschaften kritisieren das Unternehmen immer wieder in Bezug auf die Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach Vorwürfen auf einer Informationsveranstaltung durch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi reagiert das Unternehmen nun. (Archivbild)

Foto: Darius Simka / regios24

Helmstedt.  Das Unternehmen weist die Vorwürfe der Gewerkschaft auf Überwachung und Gängelung seiner Mitarbeiter zurück.

Amazon wird ab August bei Barmke ein Logistikzentrum betreiben. Die Gewerkschaft Verdi hatte vergangene Woche in Helmstedt zu den Arbeitsbedingungen beim Versandhandelsriesen informiert. Nun hat Amazon zu den Verdi-Aussagen Stellung bezogen.

Auf der Verdi-Veranstaltung in der Politischen Bildungsstätte hatte der ehemalige Verdi-Mitarbeiter Jörg Lauenroth-Mago, der sich mehr als zehn Jahre im Osten Deutschlands mit den Arbeitsbedingungen der dortigen Amazon-Mitarbeitenden beruflich beschäftigt hat, unter anderem mitgeteilt, dass in den Lager- und Logistikarbeitsbereichen „sehr viele Kameras“ angebracht seien.

Amazon: „Es findet keine Überwachung statt!“

Dazu teilte uns Thorsten Schwindhammer, bei Amazon als Public Relations Manager tätig, schriftlich mit: „Bei Amazon findet keine Überwachung statt! Wir nutzen Videokameras zum Beispiel für Notausgänge und Fördertechnik. Die entsprechenden Aufzeichnungen sind nur dem Sicherheits- und Technikpersonal zugänglich.“

Weiterhin hatte Lauenroth-Mago mitgeteilt, dass gemäß seiner Kenntnisse die im Bereich Lager/Logistik bei Amazon tätigen Mitarbeitenden viel kontrolliert und kontinuierlich Bewegungsdaten erhoben würden. Dazu Amazon: „Es werden keine Bewegungsdaten getrackt, lediglich die Artikel. Für digitale und andere Systeme gelten natürlich bei der Verarbeitung von Daten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Vorschriften und Gesetze zur Datenspeicherung in Deutschland und der EU, an die sich jedes Unternehmen zu halten hat.“

Betreibt Amazon Leistungskontrolle?

Und dass die bestellten Artikel bei jedem Arbeitsschritt von den Mitarbeitenden gescannt werden, diene nach Aussage von Amazon lediglich zur Nachverfolgung der Ware und sei zudem schlicht ein Kundenservice. Dass die dabei gewonnenen Daten auch zu individueller Leistungskontrolle, so wie es Verdi behauptet hatte, genutzt werden, weist Amazon-Mitarbeiter Thorsten Schwindhammer ab.

Zum Thema Leistungskontrolle hat sich Amazon wie folgt geäußert: „Wie alle Unternehmen haben auch wir Erwartungen hinsichtlich der Leistung unserer Mitarbeiter:innen – dies allerdings ausschließlich mit Blick auf die operative Planbarkeit der Einhaltung unserer Kundenversprechen. Bei uns werden Produktivitätsrichtwerte nach objektiven Gesichtspunkten festgelegt und über längere Zeiträume evaluiert. Hierbei wird insbesondere die durchschnittliche Leistung der Belegschaft selbst berücksichtigt. Unsere Führungskräfte arbeiten selbstverständlich eng mit ihren Mitarbeiter:innen zusammen, um diese zu fördern und zu coachen. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Beschäftigten ständig daran, unsere Prozesse zu verbessern und die Arbeitsabläufe zu optimieren.“

Ohne Digitalisierung keine moderne Logistik

Nach Auffassung von Amazon ist das Thema Digitalisierung existenziell für eine moderne Logistik: „Ohne Digitalisierung und Daten könnte keine High-Tech Logistik bestehen.“ Dank der Digitalisierung könnten saisonbedingte Auftragsschwankungen abgebildet, Personalbedarfe vorausschauend organisiert werden, und datenbasiert auf Engpässe reagiert, zuverlässige Schichtpläne für die Mitarbeitenden erstellt und die aus ergonomischen Gesichtspunkten wichtige Jobrotation ermöglicht werden.

Diese Aspekte der Digitalisierung im beruflichen Umfeld hatte Verdi aber auch nicht in Frage gestellt. Die Gewerkschaft hinterfragt allerdings, ob und in welchem Umfang Leistungsdaten, beispielsweise mittels der Scan-Vorgänge erhoben und auf einzelne Mitarbeitende bezogen ausgewertet werden dürften. Amazon verweist diesbezüglich auf gesetzliche Regelungen, die eingehalten würden, und entsprechende Abstimmungen mit Betriebsräten an „etablierten Logistikzentren“.