Immobilienpreise in Niedersachsen klettern weiter

Hannover.  Ländliche Regionen nutzen laut dem neuen Immobilienmarktbericht des Landes aber Angebotslücken.

Bauprojekt in Helmstedt mit 65 Wohnungen. Niedersachsen legte den neuen Immobilienmarktbericht vor. Ein Trend: ländliche Regionen holen auf.

Bauprojekt in Helmstedt mit 65 Wohnungen. Niedersachsen legte den neuen Immobilienmarktbericht vor. Ein Trend: ländliche Regionen holen auf.

Foto: Foto: Paxmann

Häuser, Wohnungen, Mehrfamilienhäuser: Die Immobilienpreise ziehen insgesamt in Niedersachsen weiter an. Bei der Präsentation des „Immobilienmarktberichts 2020“ sprach Innenminister Boris Pistorius (SPD) von einer Dekade steigender Preise in Niedersachsen. „Auffällig dabei ist, dass die Dynamik in den vergangenen drei Jahren noch zugenommen hat“, sagte der Minister. Anzeichen für eine „Immobilienblase“ sehen die Fachleute beim Land aber nicht.

Der Preis für ein durchschnittliches gebrauchtes Einfamilienhaus hat laut Bericht 2019 die 200.000 Euro-Marke durchbrochen. „2018 wurden im Durchschnitt noch 190.000 Euro bezahlt, 2019 waren es schon 212.000 Euro – das ist eine Steigerung um 12 Prozent, sagte Pistorius.

Teure Städte und „Speckgürtel“

Dabei gibt es allerdings regional starke Unterschiede. Während in Hannover im Durchschnitt 465.000 Euro fällig werden, sind es im Landkreis Holzminden nur 100.000 Euro. Seit 2009 habe sich der Durchschnittspreis für ein Einfamilienhaus in den nachgefragten Regionen Niedersachsens in etwa verdoppelt, sagte Pistorius weiter. Dazu gehören laut Bericht neben den Städten Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Osnabrück und Wolfsburg auch die Landkreise Vechta und Gifhorn. „Die Preissteigerungen enden damit nicht an den Grenzen der großen Städte, sondern betreffen auch strukturell gut aufgestellte ländliche Regionen“, betonte der Minister. Dabei spielt oft die Nähe zu VW eine wichtige Rolle.

Auch die Nachfrage nach Eigentumswohnungen stieg, die Preise kletterten um 14 Prozent. Zu den Landkreisen, in denen es seit 2009 mehr als eine Verdoppelung des Preises gab, zählen laut Bericht Peine und Gifhorn. Auch hier gilt die Nähe zu VW als wichtiger Faktor. In Hannover kostete eine neue Eigentumswohnung im Schnitt 4660 Euro pro Quadratmeter, in Braunschweig 3560 Euro. Die Insel Juist meldet bis zu 14.700 Euro. Am günstigsten ist hier der Landkreis Friesland mit 2180 Euro, wobei die zugehörige Insel Wangerooge in dieser Berechnung herausgenommen wurde. Auch Mehrfamilienhäuser wurden teurer.

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Im „Speckgürtel“ um attraktive Städte war die Bebauung wegen teilweise fehlender Flächen teilweise „deutlich rückläufig“, wie es heißt. Dies betrifft unter anderem Umlandgemeiden um Braunschweig, Hannover und Oldenburg (welche). Diese Angebotslücken nutzten ländliche Regionen, hieß es, in denen 2019 teilweise deutlich mehr Baugrundstücke verkauft worden seien. Das gilt in der Region für die Kreise Goslar, Helmstedt und Wolfenbüttel mit Steigerungen der Transaktionszahlen um mehr als 50 Prozent. Von einem Trend zum Bauen „auf dem Lande“ ist in einer Mitteilung des Ministeriums die Rede. Pistorius sprach von einem „Vermarktungsschwerpunkt hin zu zentrumsferneren Lagen“. „Die ländlichen Regionen holen also zumindest in Teilen auf“, sagte er. Beim Wohnbauland für Eigenheime stiegen unter anderem in Wolfenbüttel die Preise laut Pistorius stark an.

Landesregierung: Trend wird anhalten

Teurer werden auch Agrarflächen, und dies offenbar ohne entscheidenden Bezug zur Bodenqualität. Obwohl 2019 soviele Grundstücke verkauft wurden wie seit 1999 nicht mehr, sehen die Fachleute keine Hinweise auf gehäufte Spekulationsgeschäfte. Anzeichen für eine Immobilienblase in Niedersachsen gebe es weiterhin nicht. Wegen der anhaltenden Niedrig- oder Nullzinspolitik sowie der starken Nachfrage bei zuwenig Angebot erwartet das Land, dass der Trend anhält. Eine Immobilie als Altersanlage sei immer beliebter geworden, betonte Pistorius. Niedersachsen sei ein Flächenland mit einer relativ hohen Eigentumsquote. Deshalb sei die Preisentwicklung von zentralem Interesse.

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