Experte: Digitale Medien beeinträchtigen soziale Fähigkeiten

Hannover.  Laut Boris Zizek schreiben junge Menschen lieber Kurzbotschaften, anstatt direkte Gespräche zu führen. Auch Hausaufgaben kämen zu kurz.

Digitale Medien verführten dazu, Erfahrungen, wie etwa das direkte Absagen einer Verabredung, nicht mehr selbst zu machen.

Digitale Medien verführten dazu, Erfahrungen, wie etwa das direkte Absagen einer Verabredung, nicht mehr selbst zu machen.

Foto: ra2 / ra2 studio - Fotolia

Kinder und Jugendliche verlieren nach Ansicht des Erziehungswissenschaftler Boris Zizek durch digitale Medien wichtige soziale und kognitive Fähigkeiten. Mehr als die Hälfte der jungen Menschen schreibe lieber in Kurzbotschaften-Diensten wie Whatsapp über Probleme, anstatt sie in direkten Gesprächen zu thematisieren, sagte Zizek der Hannoverschen „Neuen Presse“ (Mittwoch). „Da geht viel soziales Miteinander verloren.“

Absagen werden digital erledigt

Dieses sogenannte „Texting“ scheine auch Verbindlichkeit abzubauen, sagte der Professor der Leibniz-Universität anlässlich der Tagung „Digital Youth“ vom 12. bis 14. Juni in Hannover. Digitale Medien verführten dazu, Erfahrungen, wie etwa das direkte Absagen einer Verabredung, nicht mehr selbst zu machen. Wichtige Kompetenzen würden nicht mehr erworben. „Es gibt inzwischen Sportvereine, wo man telefonisch absagen muss. Seitdem ist das Fehlen stark zurückgegangen.“ Jugendliche ließen sich zunehmend von den digitalen Medien steuern und lernten nicht mehr, sich mit etwas vertieft auseinanderzusetzen, warnte Zizek.

Hausaufgaben, Whatsapp und Youtube

Sie könnten mehrere Dinge gleichzeitig im Blick behalten, etwa bei Musik Hausaufgaben erledigen und gleichzeitig Whatsapps-Nachrichten beantworten. Es falle ihnen aber schwer, längere Texte zu lesen. Der Professor empfiehlt, trotz zahlreicher gut gemachter Lehrfilme auf YouTube nicht auf althergebrachte Methoden der Auseinandersetzung mit Themen wie das Lesen zu verzichten. „Selbst gute Youtube-Tutorials ersetzen keinen echten Lehrer.“ Wichtig sei immer ein Blick hinter die Bühne. „Die Jugendlichen sollten das Medium beherrschen und nicht durch es berieselt und beherrscht werden.“

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