Seenotretter: Zahl toter Flüchtlinge im Mittelmeer steigt

Hannover.  Die Organisation „Jugend rettet“ hatte mit ihrem Schiff Iuventa eigenen Angaben zufolge rund 14.000 Geflüchtete vor dem Ertrinken bewahrt.

Die Initiative „Jugend rettet“ warnt vor einer Zuspitzung der Lage für Flüchtlinge im Mittelmeer.

Die Initiative „Jugend rettet“ warnt vor einer Zuspitzung der Lage für Flüchtlinge im Mittelmeer.

Foto: Olmo Calvo / dpa

Die Initiative „Jugend rettet“ warnt vor einer Zuspitzung der Lage für Flüchtlinge im Mittelmeer. Die Zahl der Toten sei wieder angestiegen, sagte Christoph Stürzekarn dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover. Der Freiwillige engagiert sich für „Jugend rettet“. Die Organisation hatte mit ihrem Schiff Iuventa, einem ehemaligen Fischkutter, eigenen Angaben zufolge rund 14.000 Geflüchtete vor dem Ertrinken bewahrt. Das Schiff liegt seit August 2017 im sizilianischen Hafen Trapani an der Kette und darf nicht auslaufen.

Vorwurf: Zusammenarbeit mit Schleusern

Die Behörden werfen dem Verein Zusammenarbeit mit Schleusern vor, was die Organisation zurückweist. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 20 Crewmitglieder wegen des Verdachts der Beihilfe zur illegalen Migration, eine Anklage wurde noch nicht erhoben. Den Seenotrettern drohen bis zu 15 Jahren Gefängnis. Ein Einspruch gegen die Beschlagnahmung der Iuventa sei abgelehnt worden, sagte Stürzekarn, gegen den nicht ermittelt wird.

Private Seenotrettung dürfe nicht weiter kriminalisiert werden, sagte Stürzekarn. Als er auf der Iuventa unterwegs war, habe sich der damals 28 Jahre alte Wirtschaftsinformatiker um die Technik an Bord gekümmert. Zuvor habe er seinen Job gekündigt und eine anderthalbjährige Auszeit genommen, um sich sozial zu engagieren.

Drei Monate an Bord verbracht

Er sei als Hobbysegler auf die Iuventa gekommen und habe den ehemaligen Fischkutter zusammen mit 20 weiteren jungen Menschen in Emden umgebaut. Auf zwei Seenotrettungsmissionen sei Stürzekarn mit dem Schiff mitgefahren und habe rund drei Monate an Bord verbracht.

Ebenfalls drei Monate habe es gedauert, bis er die Bilder seines ersten Toten aus dem Kopf bekommen habe. Dabei handelte es sich um einen Mann, den die junge Crew nur noch tot bergen konnte. Die Zeit auf der Iuventa habe ihn verändert, sagte Stürzekarn: „Mit Menschen zu tun zu haben, die nichts außer ihrem Leben und der Kleidung am eigenen Leib besitzen, lehrt Dankbarkeit.“ epd

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