Trotz blühender Wirtschaft kriegen mehr Niedersachsen Sozialhilfe

Hannover.   17.000 Einwohner hat Niedersachsen 2017 hinzu bekommen. Die Wirtschaft läuft gut, die Arbeitslosigkeit geht zurück. Doch nicht alle haben etwas davon.

Symbolbild.

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Foto: Oliver Berg / dpa

Niedersachsens Bevölkerung ist im sechsten Jahr in Folge gewachsen und steuert auf die Acht-Millionen-Marke zu. Ende des Jahres 2017 lebten gut 7,96 Millionen Menschen in Niedersachsen, das waren 17.090 Männer, Frauen und Kinder mehr als im Vorjahr. "Der Bevölkerungsgewinn ist ausschließlich mit der Zuwanderung aus dem Ausland begründet, denn es gibt weiterhin ein Geburtendefizit", sagte die Präsidentin des Landesamtes für Statistik, Simone Lehmann, am Freitag in Hannover bei der Vorstellung des Niedersachsen-Monitors. Die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt haben sich den statistischen Erhebungen zufolge gut entwickelt. Dennoch stieg die Zahl der Menschen, die Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe empfingen.

Thema Zuwanderung

In Niedersachsen lebten 2017 laut Statistik rund 713.000 Ausländer. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag mit 9,0 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt in den westdeutschen Bundesländern (12,7 Prozent). Die Zahl der Einbürgerungen in Niedersachsen stieg das dritte Jahr in Folge und lag bei 8785 Personen. Von ihnen stellten Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit die größte Gruppe (1208), gefolgt von den Briten (295), deren Zahl sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte. "Ein Zusammenhang mit dem Brexit liegt nahe", sagte Lehmann.

Thema Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Die Wirtschaft Niedersachsens wuchs 2017 preisbereinigt um 2,5 Prozent und damit stärker als im Bundesdurchschnitt (2,2 Prozent). Von der wachsenden Wirtschaft profitierte der Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte mit 4,07 Millionen erneut einen Höchststand, sie stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent. Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote leicht, sie betrug am Ende des vergangenen Jahres 5,8 Prozent. "Das ist der niedrigste Wert seit den 90er Jahren", sagte Lehmann. Im ersten Halbjahr 2018 setzte sich der positive Trend fort, die Arbeitslosigkeit sank auf 5,1 Prozent. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren kämpfte Niedersachsen mit einer Arbeitslosenquote von 8,8 Prozent.

Thema Gleichberechtigung

Auf dem niedersächsischen Arbeitsmarkt kommt die Gleichstellung von Männern und Frauen nur langsam voran. Von 20 Personen mit Minijobs waren statistisch gesehen 13 Frauen und 7 Männer. Bei der Teilzeitarbeit bleibt der Frauenanteil 2017 mit 80 Prozent unverändert und liegt weiter über dem bundesweiten Durchschnitt (77,3 Prozent). Genau wie im Vorjahr verdienen Frauen in Niedersachsen im Durchschnitt 20 Prozent weniger als Männer.

Thema Armutsgefährdung

Die Quote der von Armut bedrohten Menschen ging im vergangenen Jahr leicht zurück. Als armutsgefährdet gelten Menschen, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen müssen. Die Quote lag 2017 bei 15,8 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte unter dem Spitzenwert von 2016. Auffällig in Niedersachsen ist, dass die Armutsgefährdungsquote bei Ausländern bei 41,0 Prozent lag - deutlich über der bundesdeutschen Quote (36,2 Prozent). Auch Arbeitslose (55,9 Prozent) und Alleinerziehende (42,1 Prozent) haben ein hohes Risiko, in die Armut abzugleiten. Trotz guter Konjunktur erhöhte sich die Zahl der Menschen in Haushalten, die 2017 Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe erhielten, um 0,9 Prozent auf knapp 608.000 Personen.

Thema Familie

In Niedersachsen gingen im vergangenen Jahr 30,4 Prozent der drei- bis sechsjährigen Kinder ganztägig in einen Kindergarten. Zwar hat sich das Land damit seit 2012, als der Wert noch bei 19 Prozent lag, enorm gesteigert. Bundesweit liegt es jedoch an vorletzter Stelle. Beim Spitzenreiter Thüringen erreichte die Ganztagesbetreuung eine Quote von 91,8 Prozent. Seit dem 1. August 2018 können Eltern in Niedersachsen ihren Nachwuchs bis zu acht Stunden am Tag gebührenfrei in einer Kita betreuen lassen. Das Statistische Landesamt geht davon aus, dass die Ganztagesquote dadurch in den kommenden Jahren steigen wird.

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