Kein Freispruch für VW

Es wäre ein Irrglaube, davon auszugehen, dass VW ein fehlerfreies Unternehmen wird.

Verschwörungstheoretiker, von denen es in diesen aufgewühlten Zeiten leider viel zu viele gibt, werden sich bestätigt sehen: Die Verfahren gegen VW-Vorstandschef Herbert Diess sowie den Aufsichtsratsvorsitzenden und ehemaligen Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch werden eingestellt. Gegen sie wurde in Zusammenhang mit dem Abgas-Betrug wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt. Böse Geister mögen nun an den alten Spruch denken: „Die Kleinen lässt man hängen, die Großen lässt man laufen.“

Was dabei allzu leicht übersehen werden kann: Die Vereinbarung zwischen der Braunschweiger Justiz und den Verfahrensbeteiligten ist keineswegs ein Freispruch. Das Verfahren wurde nur gegen die Geldauflage von neun Millionen Euro eingestellt. Das ist nicht nichts, auch wenn der Betrag von VW und nicht von den beiden Top-Managern beglichen wird.

Wenn einige Beobachter der Aufarbeitung des Abgas-Betrugs nun ein Unwohlsein verspüren, weil immer noch kein Hauptverantwortlicher für den beispiellosen Fall identifiziert wurde, ist das nachvollziehbar. Allerdings wurde der Schlusspunkt noch nicht gesetzt, der Betrug wird die Justiz noch Jahre beschäftigen und schreit geradezu nach einer gründlichen Aufarbeitung.

Dass das Unternehmen VW aus dem Betrug gelernt hat, ist unübersehbar. Dazu gehört ein Generationswechsel im Vorstand, ein neuer Umgang mit Werten und das unter den klassischen Autobauern vergleichsweise frühe Bekenntnis zur E-Mobilität.

Es wäre ein Irrglaube, davon auszugehen, dass VW ein fehlerfreies Unternehmen wird. Das ist allein angesichts der Größe schlicht unrealistisch. Haften bleiben muss allerdings ein speziell ausgeprägtes Bewusstsein, unrechtmäßiges Handeln zu benennen und konsequent abzustellen.

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