Darauf haben Bahnfahrer in der Region seit Jahren gewartet

Braunschweig.  Das Nadelöhr Weddeler Schleife erhält das zweite Gleis. Der Bund zahlt 114 Millionen. Der 30-Minuten-Takt zwischen Braunschweig und Wolfsburg kommt.

Erste Vorarbeiten an der Weddeler Schleife gab es bereits im Sommer 2018 – hier bei Lehre an einer Brücke in der Nähe der Schunter. 

Erste Vorarbeiten an der Weddeler Schleife gab es bereits im Sommer 2018 – hier bei Lehre an einer Brücke in der Nähe der Schunter. 

Foto: Andre Dolle

Man mag es kaum glauben, aber der gestern viel zitierte „Durchbruch“ ist nach Jahrzehnten des Wartens endlich da: Das zweite Gleis der Bahnstrecke Weddeler Schleife kann ab März 2021 gebaut werden. Ab Dezember 2023 sollen die Nahverkehrs-Züge zwischen Braunschweig und Wolfsburg alle 30 Minuten fahren können.

Jetzt müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn diese Pläne des Landesverkehrsministeriums und des Regionalverbands Großraum Braunschweig nicht in die Tat umgesetzt werden können.

Durchschlagen wurde der Knoten im Bundeskabinett. Das hat sich auf 114 Millionen Euro für die Weddeler Schleife bis 2024 geeinigt. Inbegriffen sind die 50 Millionen, die der Haushaltsausschuss des Bundestages bereits im letzten November bewilligt hatte.

Heil und Ferlemann tauschten sich am Donnerstag aus

Nun muss der Bundestag dem Haushaltsplan am 11. Dezember noch zustimmen. Das dürfte Formsache sein, da sich die Große Koalition einig ist. Denn im Bundeskabinett hatten sich bereits Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, der zugleich SPD-Chef für den Bezirk Braunschweig ist, und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, ausgetauscht. Letzterer ist ebenfalls Niedersachse – und Bahnbeauftragter der Regierung.

Heil sprach gegenüber unserer Zeitung davon, dass er sich noch am gestrigen Donnerstag mit Ferlemann über die Weddeler Schleife ausgetauscht habe. Heil gab das klare Signal: Die Einigung steht.

Das gab auch das Landesverkehrsministerium am Donnerstag deutlich zu verstehen. Landesverkehrsminister Bernd Althusmann sprach von einem „Riesenerfolg“.

Extrazuschlag aus dem Verkehrsministerium

Die 114 Millionen fließen übrigens – anders als bisher vermutet – unabhängig vom sogenannten Deutschlandtakt. Mit dem vom Bund beschlossenen Projekt soll die Zahl der Bahnpassagiere bis 2030 bundesweit verdoppelt werden. Der Topf ist zwar Milliardenschwer, jedoch hatten viele Regionen Bedarf angemeldet. Das Geld für die Weddeler Schleife ist ein Extrazuschlag aus dem Verkehrsministerium. Die 114 Millionen sind im dortigen Etat vermerkt.

Der Entwurf liegt unserer Zeitung vor. Demnach fließen noch dieses Jahr 26 Millionen Euro, nächstes Jahr sind es 38 Millionen, in zwei Jahren 9 Millionen, 2023 sind es 17 Millionen und 2024 schließlich noch einmal 24 Millionen Euro. Das sind 114 Millionen Euro. Hinzu kommen 55 Millionen Euro aus dem sogenannten Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Hier ist der Bund noch einmal mit 75 Prozent beteiligt, den Rest zahlt das Land. Fünf Millionen Euro haben das Land und der Regionalverband bereits an Planungskosten ausgegeben. Das Projekt ist somit überfinanziert – wer hätte das noch vor wenigen Monaten gedacht? Das zweite Gleis kostet rund 150 Millionen Euro. Zur Verfügung stehen 174 Millionen – sollten sich die Baukosten noch erhöhen.

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Die erste umfassende Sperrpause kommt im Oktober

Die Zeit drängte. Die Bahn will die Bauleistung noch im Herbst ausschreiben, damit Ende dieses Jahres oder Anfang kommenden Jahres der Zuschlag erfolgen kann. Die Bahn hat bereits ein kompliziertes System an Sperrpausen fertiggestellt. Aufgrund der Bauarbeiten müssen Züge umgeleitet werden, andere müssen warten. Laut Annette Schütz, Sprecherin aus dem Landesverkehrsministerium, kommt die erste umfassende Sperrpause im Oktober 2021. Da müssen sich Bahnfahrer aus der Region auf Verzögerungen einstellen.

Der Linken Bundestagsabgeordnete Victor Perli aus Wolfenbüttel sagte: „Der parteiübergreifende Druck der Region hat gewirkt“ – auch wenn der Ausbau der Schiene für Minister Andreas Scheuer (CSU) keine Priorität habe. Der Braunschweiger CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Müller sagte laut Mitteilung: „Das sind fantastische Nachrichten für die Region.“

Stichwort: Die Weddeler Schleife

Die Bahnstrecke zwischen Weddel im Kreis Wolfenbüttel und Fallersleben, einem Ortsteil von Wolfsburg, ist knapp 22 Kilometer lang. Der 150 Millionen Euro teure Bau des zweiten Gleises ist nicht nur ein Nahverkehrsprojekt. Steht das zweite Gleis, entfällt für ICE und Gü-terzüge ein verspätungsanfälliges Nadelöhr von Süden Richtung Berlin. Deswegen will sich der Bund an den Kosten beteiligen. Die Weddeler Schleife wurde Mitte der 90er Jahre eingleisig gebaut.

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