Klimaserie: Stromfressern auf der Spur

Hohe Rechnungen sind nicht unabänderlich. Klimaschutz kann auch sparen helfen.

Ein Wechselstromzähler in einem Stromkasten eines Haushaltes.

Ein Wechselstromzähler in einem Stromkasten eines Haushaltes.

Foto: Arno Burgi / dpa

Denkt denn nicht jeder vor dem Gedanken an das Klima erstmal daran, das eigene Geld zu sparen?

Das fragt unser Leser Franz Albert aus Wolfenbüttel

Zum Thema recherchiert
Nina Schacht

Braunschweig. Spätestens wenn die Stromrechnung ins Haus flattert, fragen sich viele, wie sich der Energieverbrauch in den eigenen vier Wänden reduzieren lässt. Doch wann lohnt sich der Austausch des Kühlschranks oder Fernsehers, und worauf sollten Verbraucher beim Kauf eines energieeffizienten Gerätes achten? Margrit Zawieja von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Niedersachsen sagt schon mal grundsätzlich, das klimafreundlichste Gerät müsse nicht automatisch auch das teuerste sein.

Lieber LEDs statt Hallogenlampe im Deckenfluter

Vor dem Kauf gelte es herauszufinden, welche Geräte zu Hause einen hohen Stromverbrauch verursachen. „Es gibt in der Regel nicht den einen Stromfresser, meist sind es mehrere Geräte, die zuviel Energie verbrauchen“, sagt Zawieja. Doch bevor man sich auf die Suche nach einzelnen Geräten macht, empfiehlt die Verbraucherschützerin die eigene Stromrechnung mit anderen Haushalten zu vergleichen. Das ist über eine Tabelle, die auf der Stromrechnung zu finden ist, möglich. Auch die Verbraucherzentrale bietet Vergleichswerte auf ihrer Homepage an. „Wenn ich dann merke, dass mein Stromverbrauch höher ist, als der von Haushalten mit gleicher Personenzahl, dann sollte ich prüfen, an welchen Geräten das liegen könnte“, so die Expertin.

Oft sind alte Geräte für einen hohen Energieverbrauch entscheidend oder jene, die Wärme erzeugen, wie etwa Klimageräte oder Kühl- und Gefrierschränke. Deckenfluter oder Sternenhimmel aus Lichtern, in denen Halogenlampen montiert wurden, verbrauchen ebenfalls viel Energie. „Diese sollten gegen LEDs ausgetauscht werden,“ rät Zawieja.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt mit einem Strommessgerät diese Geräte genauer unter die Lupe zu nehmen. „Die Werte lassen sich dann mit denen von neuen Geräten vergleichen. Alternativ können Verbraucher auch den Strom auf dem Zähler ablesen, etwa vor und nach dem Duschen, um zu überprüfen, wieviel Strom für die Warmwasseraufbereitung verbraucht wurde“, berichtet Zawieja.

Leser macht Stromverbrauch mit selbstentwickeltem gerät sichtbar

Unser Leser Franz Albert hat für den eigenen Gebrauch ein Gerät entwickelt, das den Stromverbrauch in seinem Haushalt sichtbar macht. Der gelernte Elektroingenieur im Ruhestand hat seine Stromkosten im Blick. „Ein Durchgang mit einer Spülmaschine im Vollprogramm kostet rund 30 Cent“, sagt Franz Albert.

Der Wolfenbütteler überprüft mit seinem Messgerät online den Stromverbrauch in seinem Haushalt. „Wenn man den Garten aus einem eigenen Brunnen bewässert, kostet dies etwa 27 Cent, wenn die Pumpe dabei eine ganze Stunde lang läuft“, sagt der Elektroingenieur. Der Verbraucher könne vor allem dann sparen, wenn er Licht und Arbeitsgeräte konsequent ausschaltet, vor allem auch in Kaffee- und Mittagspausen. „Meistens dauern die Pausen ja doch länger. Doch die Standby-Zeiten eines leistungsstarken Computers mit Bildschirm könnten durchaus schon mal 10 Cent pro Stunde kosten. „Und das jeden Tag des Jahres“, so Albert.

Ist die Stromrechnung zu hoch, muss nicht immer der Kauf eines neuen Gerätes notwendig sein. Mitunter hilft es auch eigene Verhaltensweisen zu ändern, denn manchmal zapfen Geräte die Leitungen an, obwohl sie gar nicht im Betrieb sind. „Einige Handys verbrauchen Strom, wenn sie bereits voll aufgeladen sind, aber noch an der Steckdose angeschlossen sind. Gerade bei älteren oder preiswerten Ladegeräten ist das der Fall“, sagt Zawieja.

Geräte die älter als zwölf Jahre sind, besser austauschen

Oder das Ladekabel steckt im Leerlauf, also ohne Handy in der Steckdose. „Schuld für den Energieverbrauch ist der Trafo“, sagt Zawieja. Er wandelt den Spannung um. Um zu prüfen, ob ein Ladekabel Strom verbraucht, muss man es anfassen. „Ist es warm, dann fließt Strom.“

„Den Netzstecker sollte man auch bei Geräten ziehen, die man mit einer Fernbedienung ein- und ausschalten kann, denn diese müssen ja immer bereit sein. Ältere Geräte können im Standby bis zu 15 Watt verbrauchen – das sind 30 Euro pro Jahr!“, sagt Albert.

Die Verbraucherzentrale rät, Geräte, die älter als zwölf Jahre sind, auszutauschen. Bei Waschmaschine und Geschirrspüler sollte auch auf den Wasserverbrauch geachtet werden, denn je mehr Wasser erwärmt werden muss, desto höher sei der Energieverbrauch. Auch ein Blick auf Dichtungen von Kühl- und Gefrierschränken lohne sich. „Spröde Dichtungsteile sorgen dafür, das warme Luft in die Geräte gelangt“, erklärt Zawieja.

Beim Kauf empfiehlt die Verbraucherschützerin auf die sogenannten Energieeffizienzklassen zu achten, sie sind mit Buchstaben gekennzeichnet. „Wir raten meist zu dem Kauf eines Gerätes mit einer besseren Effizienzklasse, denn der Kaufpreis hat sich nach 10 bis 15 Jahren amortisiert“, sagt Zawieja.

Doch nicht unbedingt sei das teuerste Gerät auch das klimafreundlichste. „Man sollte genau hinschauen. Beim Preis spielt auch der Hersteller eine Rolle, der Verbraucher zahlt den Markennamen mit“, sagt die Energieberaterin. Wichtig sei ein Blick in die Gebrauchsanweisung des Geräts. Dort stehe, wieviel Energie die jeweiligen Spül- und Waschprogramme der Maschinen verbrauchen. Vorsichtig sollte man bei den sogenannten Schnellprogrammen sein, sie spülen das Geschirr zwar in einem relativ kurzen Zeitraum, müssen aber dafür bei hohen Temperaturen mehr Leistung erbringen.

So testen Sie im Haushalt:

Die Verbraucherzentrale leiht kostenlos Strommessgeräte aus. Verbraucher können ihre Stromrechnung auch in den Beratungsstellen prüfen lassen. Wer seine Haushaltsgeräte zu Hause testen lassen möchte, dem bieten die Verbraucherzentrale einen kostenlosen Basis-Check an. Durch den Austausch von Geräten lässt sich laut Verbraucherzentrale bis zu ein Drittel der Stromkosten einsparen.

Mit dem Gerät von Franz Albert lässt sich der Stromverbrauch im Tagesverlauf online über ein Diagramm anzeigen. Der Strommesser sei in Workshops an Schulen oder in Volkshochschulen einfach nachzubauen. Interessenten können sich unter energylog@freiraum-sued.de melden.

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