E-Scooter – „Der kleine Roller kann die Welt nicht retten“

Braunschweig.  Experten haben verhaltene Erwartungen an den E-Scooter. Das liegt auch an der geringen „Lebenserwartung“ der Fahrzeuge.

Ein Mann fährt auf dem Fahrradweg mit einem E-Scooter.

Ein Mann fährt auf dem Fahrradweg mit einem E-Scooter.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Nun rollen die E-Scooter auch bei uns. Mir stellt sich jedoch die Frage nach dem sinnvollen und ökologischen Nutzen. Das Treten und Fahren stärkt Geist und Muskulatur. Es macht sogar mit 72 Jahren noch viel Spaß.

Das schreibt unser Leser Peter Sturm aus Wolfenbüttel.

Zum Thema recherchierte David Krebs.

Die Muskulatur stärken die E-Scooter wohl eher nicht. Trotzdem verspricht man sich von den kleinen Fahrzeugen viele Vorteile. Die Elektroroller sollen umweltfreundliche Fortbewegung vor allem in Städten ermöglichen. Alexander Jung von Agora Verkehrswende, einer stiftungsgeförderten Denkfabrik in Berlin, hat jedoch gedämpfte Erwartungen: „Man kann nicht in ein paar Wochen mit einem kleinen Roller die Welt retten.“

Klimakiller Akku?

Daten zur Umweltverträglichkeit in Deutschland oder Niedersachsen gibt es bisher noch nicht, sagt Lotta Cordes, Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover, auf Anfrage unserer Zeitung. In Bezug auf E-Scooter-Batterien könne man auf Erfahrungen mit Batterien in Pedelec-Elektrofahrrädern zurückgreifen. Die Klimabelastung dieser Batterien, die bei Herstellung und Entsorgung entsteht, werde nach etwa hundert eingesparten Pkw-Kilometern wieder ausgeglichen, heißt es in einer Untersuchung des Umweltbundesamtes von 2014.

Sind die E-Scooter überhaupt lange genug im Gebrauch, um diese Strecke abzufahren? „Die Batterien halten knapp drei Jahre, wenn sie nicht extern beschädigt werden“, erläutert Alexander Jung. Verschleißteile wie Bremsen seien aber oft viel früher das Problem. Hier komme es darauf an, wie ernst Vertreiber die Reparatur ihrer Elektroroller nehmen. Jung schätzt die Lebensdauer auf zwischen 10 und 18 Monate. Genug Zeit, um in der Klimabilanz positiv herauszukommen. Die Rechnung geht jedoch nur auf, wenn die Rollerfahrer ansonsten alleine mit dem Auto gefahren währen.

Wie werden die E-Scooter genutzt?

„Erste Erhebungen aus dem Ausland fallen relativ durchwachsen aus.“, sagt Alexander Jung. In Portland in den USA wurde bereits ein Bericht angefertigt. Nur 34 Prozent der Befragten sagten, dass sie wegen des E-Scooters auf ein Auto, Taxi oder einen Service wie Uber verzichtet hätten. Jung betont, dass die Roller mit den öffentlichen Verkehrsmitteln eingesetzt werden sollten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Flottenmanagement. Die Miet-Roller müssten eingesammelt und aufgeladen werden, erklärt Jung von der Berliner Denkfabrik. Neben nichtmotorisierten Fahrzeugen, ergebe sich hier eine weitere Möglichkeit der Verbesserung dadurch, die Batterien austauschbar zu verbauen. So könne jemand nachts die Batterien wechseln, ohne die E-Scooter einsammeln zu müssen. Das Einsammeln der Batterien geht dann ja auch per Elektroroller.

E-Scooter-Flut in deutschen Städten?

Viele E-Scooter-Vermieter benutzen ein Modell, bei dem die Roller überall abgestellt werden können. Manche stört die Vielzahl von abgestellten Rollern. „Hier braucht es eine enge Zusammenarbeit der Vertreiber mit den Kommunen, die sehen wir auch schon“, sagt Alexander Jung. Teilweise gebe es schon Sperrzonen. Auch würden einige Vertreiber Fotos von den abgestellten E-Scootern fordern, um sicherzustellen, dass diese korrekt geparkt wurden.

Schwierigkeiten beim Recycling

Die Hersteller sind in der Pflicht. Batterien unentgeltlich zurückzunehmen und stofflich zu verwerten. Dies ist im deutschen Batteriegesetz geregelt.

Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft sieht die Entsorgung der E-Scooter-Batterien trotzdem kritisch: „Über die Entsorgung hat sich niemand irgendeinen Gedanken gemacht“, sagt Pressesprecher Bernhardt Schodrowski im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Batterien seien oft im Gerät fest verbaut, was die Wiederverwertung stark erschwere. Bei unsachgemäßer Lagerung und Behandlung seien die Lithium-Ionen Batterien außerdem gefährlich.

„Es kommt immer wieder zu Bränden“, sagt der Sprecher. „Schon beim Entwerfen neuer Produkte, muss die Entsorgung mitgedacht werden.“

Die rechtliche Lage

Wo die E-Scooter fahren dürfen und wo das nicht, regelt die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, sagt Christoph Ricking vom Verkehrsministerium in Hannover.

In geschlossenen Ortschaften sind die Roller auf baulich angelegten Radwegen, gemeinsamen Geh- und Radwegen, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen erlaubt. Falls diese nicht vorhanden sind, darf auch auf der Fahrbahn oder auf Spielstraßen gefahren werden.

Durch ein zusätzliches Schild kann das Fahren mit E-Scootern erlaubt werden. „Radfahrer frei“ reicht hier nicht. Gehwege, Fußgängerzonen und Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung, sind ohne zusätzliches Schild nicht freigegeben.

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