Der Radverkehr kommt auch in Braunschweig nicht voran

Braunschweig.  Eine bundesweite Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zeigt: Die radelnden Bürger sind höchst unzufrieden. ­

Mit 1,5 Meter breiten Schaumstoffrollen wollen Radler im Juni für mehr Sicherheitsabstand in Braunschweig protestieren.

Mit 1,5 Meter breiten Schaumstoffrollen wollen Radler im Juni für mehr Sicherheitsabstand in Braunschweig protestieren.

Foto: ADFC Braunschweig / JS

Ein wichtiges Thema ist der Abstand, den Autofahrer zum Radfahrer beachten müssten. Da ich täglich Rad fahre, nicht nur in der Natur, bin ich auch täglich mit kritischen Situationen konfrontiert. Fahrbahnmarkierungen fordern geradezu dazu heraus, an Radfahrern dicht vorbei zu fahren...

Dies bemerkt unser Leser Hans-Jürgen Langer aus Braunschweig.

Zum Thema recherchierte
Jörn Stachura

„Bitte Abstand halten“ ­– der uralte LKW-Aufkleber ist aktuell wie nie. Nur geht es diesmal um den Sicherheitsabstand zu Radfahrern. „In der Straßenverkehrsordnung ist der Abstand zu Radfahrern nicht geregelt“, sagt dazu Susanne Schroth, Braunschweigs Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Die Gerichte hätten das aber bereits geklärt, so Schroth. „Der Sicherheitsabstand muss mindestens 1,5 Meter betragen.“ Unser Leser Jürgen Lange sei überdies nicht der einzige, dem fehlender Sicherheitsabstand Sorgen bereitet. „Überall in Deutschland finden Demonstration statt, die mehr Rücksichtnahme von Autofahrern fordern.“

In Braunschweig wird der ADFC am 3. Juni zu einer Protestfahrt aufrufen. „Die anderen ADFC-Vereine der Region werden sich entweder in Braunschweig beteiligen, oder eigene Protestfahrten organisieren.“

Für Schroth ist fehlender Sicherheitsabstand freilich nur ein kleiner Teil eines viel größeren Problems. Der Dienstag erschienene ADFC-Fahrradklima-Test belege: „Der Radverkehr kommt nicht voran.“ Das gelte nicht nur für Deutschland allgemein, sondern auch für unsere Region: „Ja, es stimmt: Braunschweig ist in seiner Vergleichsklasse auf Rang vier vorgerückt.“ Vergleiche man jedoch die Einzel-Werte mit denen von 2012 stelle sich heraus: „Braunschweig ist es nicht gelungen, sich in irgendeinem Teilaspekt zu verbessern. Es gibt nur Stagnation oder Verschlechterung.“ Fast allen anderen Städten der Region gehe es ebenso.

Wolfenbüttel gehöre zu den Ausnahmen: „Stadt und Landkreis erfüllen jedoch die Kriterien für eine fahrradfreundliche Kommune.“

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat nun angekündigt, die Bedingungen zur Förderung des Radverkehrs zu verbessern. Zum Beispiel sollen Einbahnstraßen in beiden Richtungen von Radfahrern befahren werden können, der Anteil der Radfahrten am Gesamtverkehr soll bis zum Jahr 2030 auf 25 Prozent steigen. In Braunschweig liegt er gegenwärtig bei 23 Prozent. Dieser Wert wird als unterdurchschnittlich betrachtet.

Schroth meint dazu, der Schlüssel für mehr Zufriedenheit bei Radfahrern liege nicht in Berlin. Die Region müsse enger zusammenarbeiten. „Es reicht nicht, wenn der Großraum-Verband 1000 Fahrradbügel aufstellen lässt.“ Ein echtes Miteinander gebe es bislang nicht. „Wolfsburg hat eine Task Force Verkehr. Niemand scheint sich für deren Erfahrungen zu interessieren.“ Die Prioritäten müssten neu gesetzt werden. Als Beispiel nannte die ADFC-Vorsitzende „die stark befahrene Autobahnbrücke zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel“. Diese werde für drei Jahre zur Großbaustelle. „Es wird Staus geben. Doch niemand hat Anstalten gemacht, im Vorgriff die Radwege-Verbindung zwischen beiden Städten zu verbessern.“

Für Braunschweig sei zu konstatieren: „Braunschweig erfüllt seine regionale Vorbildfunktion nicht, weil ein politischer Konsens zur Förderung des Radverkehrs fehlt.“ Schroth meint: „Es sind die Landräte und Oberbürgermeister, die in der Region am stärksten den Radverkehr fördern.“

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