Kommentar

Queere Community: Das neue „Normal“

| Lesedauer: 2 Minuten

„Je mehr Aufklärung es gibt, desto weniger werden auch die Stimmen, die kein Verständnis aufbringen können.“

Komm wir spielen Mutter, Vater, Kind“ oder „Barbie heiratet Ken“ waren in meiner Kindheit Sätze, die öfter beim Spielen mit Freunden gefallen sind. Niemandem von uns wäre vor über 20 Jahren in den Sinn gekommen zu sagen: „Komm wir spielen Mutter, Mutter und Kind“ oder „Ken heiratet einen anderen Ken“. Dabei gab es auch schon in meiner Kindheit Menschen mit anderen sexuellen Orientierungen und/oder Geschlechtsidentitäten.

Die Aufklärung darüber hat es zu der Zeit jedoch nicht wirklich gegeben. Im Film heiratet Aladin seine Jasmin, auf dem Hörspiel verliebt sich Bibi Blocksberg in ihren Mitschüler Joachim und im Märchenbuch wird Rapunzel von ihrem Prinzen gerettet. Das sind nur drei Beispiele von vielen. Eine heterosexuelle Liebesbeziehung von Personen, die sich auch als Frau und Mann identifizieren können, wurde mir in der Kindheit dadurch bereits als das „Normale“ verkauft.

Die Medien haben eine große Macht, die Konsumenten zu beeinflussen, dabei spielt es keine Rolle ob es Kinder oder Erwachsene sind. Diesen Einfluss sollten sie für die Aufklärung, aber auch für die Repräsentanz und die Wertschätzung der queeren Community nutzen. Einiges hat sich tatsächlich auch schon getan: So gibt es beispielsweise in der Neuverfilmung des Märchens „Die Schöne und das Biest“ von Disney einen Mann, der Männer liebt. Auch bei den Machern von Fernsehwerbung gab es ein Umdenken.

Ein aktuelles Beispiel ist die Werbung von Labello, bei der nicht nur Frauen, sondern auch ein Mann mit roten Lippen das Produkt präsentiert. Ich halte den Weg für richtig, dort ein neues „Normal“ zu etablieren, wo es bisher noch nicht etabliert ist, sodass Menschen sich mit Toleranz und Respekt begegnen, egal wen sie lieben, wie sie lieben und in welchem Körper oder welchen Klamotten sie sich wohl fühlen.

Es ist wichtig, dass diese Aufklärung bereits im Kindesalter beginnt, sodass gar nicht erst die Frage aufkommt, wieso beispielsweise ein Mitschüler zwei Mütter hat oder der Nachbar plötzlich Kleider trägt und sich schminkt. Nicht nur die Medien, sondern auch Kindergärten, Schulen und natürlich auch die Eltern sind in der Pflicht dieser Aufklärung nachzukommen. Wenn es dabei zu Unsicherheiten oder Fragen kommt, gibt es genügend Anlaufstellen und Möglichkeiten, sich umfassend zu informieren – ein Bespiel dafür ist die Autorin Jess Schönrock.

Je mehr Aufklärung und Repräsentanz es gibt, desto weniger werden auch die Stimmen, die kein Verständnis für queere Personen aufbringen können oder wollen und diese möglicherweise auch diskriminieren oder bedrohen.

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