Windparkprojekt: Sich nicht entzweien

„Ich wünsche den Elbingerodern aus tiefstem Herzen, dass sie sich als Dorfgemeinschaft über so ein Windparkprojekt nicht entzweien.“

Die Entwicklung in Elbingerode erinnert mich vage an den Roman „Unterleuten“ von Juli Zeh: Als eine Investorenfirma einen Windpark bauen will, gerät ein Dorf in Aufruhr und eine unheilvolle Mischung aus Misstrauen, Unfreundlichkeit und Überhitzung macht sich breit. Also, ich wünsche den Elbingerodern aus tiefsten Herzen, dass sie sich als Dorfgemeinschaft über so ein Windparkprojekt -- ob und wie es auch immer irgendwann verwirklicht werden mag – nicht entzweien. Denn ob da auf dem Ochsenberg neue Windräder gebaut werden oder nicht: Sie müssen noch lange danach mit ihren Nachbarn zusammenleben.

Ich bin selbst auch sehr skeptisch, was Windräder angeht, zum Beispiel wegen der ungeklärten Frage des Recyclings alter Anlagen oder der Gefahr für geschützte Vögel wie den Rotmilian oder Fledermäuse. Auch die Sorge vor denkbaren Gesundheitsgefahren kann ich nachvollziehen. Ich verstehe gut, dass Menschen sich gegen Windräder wehren. Ich sehe aber auch die zwingende Notwendigkeit, unsere Energieversorgung klimaneutral umzustellen, das ist eine existenzielle Frage. Daran führt kein Weg vorbei und es müssen bei der Energiegewinnung leider oft wenige die Last für alle anderen tragen, ob Atommüll vergraben wird, Kohle abgebaut oder Windräder sich drehen. Es ist ein kaum lösbares Dilemma. Ich weiß nicht, ob Windräder der richtige Weg sind, aber derzeit gibt es nicht viele Alternativen.

Was mich aber wirklich stört ist, dass die Organisation der Energieversorgung in Deutschland in so großem Maße dem Profitstreben von Unternehmen überlassen wird – wie übrigens auch viele andere Angelegenheiten von Bedeutung für das Allgemeinwohl. Energiegewinnung ist eines dieser existenzielle Dinge, die unter die strikte Kontrolle des Staates gehören und nicht dem freien Spiel des Marktes überlassen werden dürfen. Und ich bin der Meinung, dass die Kommunen, deren Einwohner die größten Belastungen hinnehmen müssen, auch ein größtmögliches Mitspracherecht haben sollen und von solchen Anlagen direkt und spürbar profitieren müssen, zum Beispiel durch Abgaben. Elbingerode könnte es gut gebrauchen.

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