Die Demokratie ist wieder herausgefordert

„In Zeiten von Hate Speech und Fake News, in denen rechte Hetzer den Holocaust leugnen, muss das aufgearbeitet werden, was unsägliches Leid auslöste.“

Wer meint, man müsse Geschichte ruhen lassen, es sei genug berichtet über die Gräuel der NS-Zeit, tut das entweder politisch motiviert oder verkennt die Realität. In Zeiten von Hate Speech und Fake News, in denen rechte Hetzer den Holocaust leugnen, Menschen jüdischen Glaubens wieder unter Ressentiments zu leiden haben und immer mehr Zeit zwischen den dunklen Geschehnissen der neueren Deutschen Geschichte und dem Aufwachsen jüngerer Generationen liegt, muss gerade das aufgearbeitet werden, was unsägliches Leid verursachte, der Weg, der dorthin führte und die Konsequenzen. Da reicht nicht eine akademische Betrachtung im beheizten Klassenzimmer zwischen Pausenklingeln, Frühstücksbrot und Instergram.

Man muss eintauchen in die beschwerende Thematik, um mit Empathie sein Urteil zu fällen. Wer vor Ort Auschwitz, Buchenwald und Dachau erlebt, das Unglaubliche, was Menschen Menschen angetan haben, zu begreifen versucht, der wird politisch und erkennt, wer im braunen Sumpf rührt und in der Demokratie zündelt. Studienfahrten, wie sie jetzt das TRG unternahm, werden immer wichtiger, die objektive Beschäftigung mit den Folgen des Dritten Reichs ist unerlässlich, denn heute ist die Demokratie wieder herausgefordert.

Mit dem Wegsterben der Erlebensgenerationen gehen die wichtigen Zeugen des Unfassbaren. Aber es eröffnen sich auch Chancen, weil altes Verdrängtes und Belastendes, seelische Verletzungen und Schuldgefühle fehlen. Die kollektive Bedeutung indes bleibt, die Jugend muss sie für sich neu definieren.

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