OHA!

Neulich an der Kasse

Es war mal wieder so eine Schlagzeile in einem bekannten Boulevardblatt, mal wieder irgendwas mit Ausländern und Frauen, wie so oft, die das Blut in Wallung brachte.
„Na, schon mitgekriegt, dem sollte man….“, der Kommentar eines Mannes, der von fern die fette Überschrift gelesen hatte, die Zeitung selbst aber liegen ließ.

Sein Bekannter, den er im Kassenbereich eines Lebensmitteldiscounters zufällig getroffen hatte, stieg gleich ein und holte ruck zuck zum Generalangriff aus. „Die bekommen doch alles, jede Menge Geld, Wohnungen“, ja und eigene Handys auch noch, ergänzte sein Gegenüber. Und erst im Gefängnis, da, so dichteten sich die beiden begeistert zusammen, führten sie ein wahrhaft prächtiges Leben, es fehlte nicht viel, und „Mutti“ hätte noch kleine Goldbarren vorbei gebracht. Man selbst wäre ja, so das ernüchternde Urteil der beiden, als Deutscher in Deutschland immer der Blöde. Na ja, das kommt drauf an!

„Alle in den Flieger und überm Meer die Laderampe öffnen“, hatte dann einer von beiden eine wahrhaft „tolle“ Idee, während der andere mit Bedauern feststellte, kein Scharfschütze geworden zu sein, dann wäre ja alles ganz anders gekommen.

Es war schon ein bemerkenswertes Gespräch, laut in aller Öffentlichkeit an der Kasse geführt, das mir komplett die Sprache verschlug. Erst hinterher kam die Erkenntnis mit Wucht, so etwas nicht noch einmal unkommentiert lassen zu dürfen.

Der Kassierer, offensichtlich selbst ohne deutschen Wurzeln, hörte sich das zwangsläufig und scheinbar teilnahmslos mit an. Mann, war mir das peinlich.

Michael Paetzold

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